mobile.de: Schaufenster Elektromobilität

Förderprojekt „Schaufenster Elektromobilität“

Die elektrische Republik?

Ein bundesweites Förderprogramm möchte mehr Elektroautos auf deutsche Straßen bringen. Unterschiedliche Bundesländer, Regionen und Initiativen reichten Vorzeigeprojekte ein, die Neuwagenkäufer von den Vorteilen des Treibstoffs aus der Steckdose überzeugen sollen.

Nur sehr wenige Neuwagenkäufer entscheiden sich für ein Modell mit Elektromotor. Damit sich das ändert, hat das Verkehrsministerium unter dem Titel „Schaufenster Elektromobilität“ einen bundesweiten Wettbewerb ausgeschrieben. 23 Projekte konkurrieren momentan um die Fördergelder.

Drei bis fünf regionale Großprojekte sollen durch das Förderprogramm „Schaufenster Elektromobilität“ unterstützt werden. Diese sollen die neuen Technologien sowohl für Verbraucher in Deutschland als auch für eventuelle ausländische Interessenten erlebbar machen.

„Schaufenster Elektromobilität“ soll Nachfrage steigern

Das Ziel ist elektrisierend: Bis 2020 rollen laut den Plänen der Bundesregierung immerhin eine Million Elektroautos über hiesige Straßen. Am 1. Januar 2012 waren gerade einmal 4.541 davon zugelassen. Bei knapp 52 Millionen Kraftfahrzeugen insgesamt.

Die eingereichten Vorschläge müssen darum mehr bieten als eine bloße Anhäufung von kleinen Einzelmaßnahmen oder Zurschaustellung von weit entfernten Technologien. Ziel der Schaufenster soll es sein, die Alltagstauglichkeit von Elektromobilität zu beweisen.

Zwar gab es bisher schon Modellregionen, in denen kleinere Projekte gefördert wurden. Diese dienten jedoch hauptsächlich dazu, die notwendigen Grundstrukturen wie zum Beispiel Ladestationen zu errichten oder Daten für Forschung und Entwicklung zu gewinnen. Sie waren noch nicht so stark auf die Einbindung von Elektromobilität im Alltag konzentriert.

Bayern und Sachsen Hand in Hand

Zu den Favoriten im Wettbewerb zählt unter anderem ein von Bayern und Sachsen gemeinsam eingereichter Antrag: Unter dem Motto „Elektromobilität verbindet“ wollen die Freistaaten die A9 mit standardisierten Ladestationen für Stromer ausstatten.

Vom Olympiapark in München startend soll man zukünftig entlang der Autobahn A9 keine Angst mehr davor haben, dass einem der Strom ausgeht und das Auto liegen bleibt. Mindestens alle 90 km werden auf der der über Nürnberg und Hof bis nach Leipzig führenden Strecke Ladestationen auf Raststätten und Autohöfen stehen.

Die Begeisterung für „Elektromobilität verbindet“ geht sogar so weit, dass man darüber nachdenkt, die Strecke deutlich weiter auszubauen. Man will eine „Ladebrücke“ von Wien bis nach Berlin errichten.

Einbindung von Sharing-Systemen in Nordrhein-Westfalen

Auch andere Bundesländer sind mit eigenen Projekten mit von der Partie. So will Nordrhein-Westfalen den öffentlichen Nahverkehr mit Sharing-Systemen und elektrischer Mobilität verknüpfen.

Entlang der „Route der Elektromobilität“, wie die Strecke des Regionalexpress 1 von Aachen nach Dortmund getauft wurde, sollen sich einzelne Projekte aufreihen wie Perlen einer Kette.

Mehr als nur symbolisch sind die Züge Teil der Route: In den Steuerwagen werden Ladestationen für Elektroräder untergebracht, an denen Pendler ihre Strom-Drahtesel aufladen können.

Berlin und Brandenburg bauen intelligentes Netz aus

Besonderes Augenmerk auf die Zusammenhänge zwischen Energieversorgung und neuen Mobilitätsformen wollen Berlin und Brandenburg legen. So soll das Stromnetz in der Schaufensterregion „intelligent“ ausgebaut werden. Bei den „smart grids“ werden alle Beteiligten in die Stromversorgung mit einbezogen.

„Intelligente Stromnetze“ greifen besser auf Strom von Kleinerzeugern zu und speichern überschüssig produzierte Energie zum Beispiel in Pumpspeicherkraftwerken zwischen. Das erspart in Bedarfszeiten das Hochfahren zusätzlicher Kraftwerke.

So planen Berlin und Brandenburg in ihrem Vorschlag auch, die Eignung von Elektrofahrzeugen als Zwischenspeicher aufzuzeigen. Liefern die brandenburgischen Windkraftanlagen während Flauten nicht genügend Strom, oder gibt es gerade besonders hohen Bedarf, können nämlich die Batterien von E-Fahrzeugen angezapft werden, um das Netz stabil zu halten.

Ausblick nicht nur sonnig

Weitere Bewerbungen kamen zum Beispiel vom Land Baden-Württemberg, der Stadt Nürnberg, dem Landkreis Forchheim oder der sogenannten Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg in Niedersachen. Welche davon das Rennen machen werden, entscheidet sich voraussichtlich im März.

Leider gibt es rund um das Schaufenster-Projekt auch weniger gute Neuigkeiten. Denn seit kurzem ist bekannt, dass dem Bund Geld fehlt, um wie geplant Elektromobilität zu fördern. Das stammt nämlich aus dem Klimafonds. Dieser wiederum finanziert sich aus Emissionszertifikaten, welche Firmen erlauben, CO2 in bestimmten Mengen auszustoßen. Diese Zertifikate sind jedoch billiger als geplant und spülen weniger Geld in die Staatskasse.

So richtig rund läuft also der E-Motor noch nicht.

Text: Franziska Scheu | Bildmaterial: Ben Chams - Fotolia