VW entwickelt in China

VW entwickelt in China

Eine für viele

VW startet in China eine Modell-Offensive, die vom neuen Jetta angeführt wird. Da auf der Plattform der Einstiegs-Stufenheck-Limousine mehrere Derivate erscheinen werden, sind die Erprobungsfahrten rings um Chengdu Chefsache.

Dr. Ulrich Hackenberg ist mit sich und der Arbeit seiner Kollegen im Reinen. "Natürlich müssen noch ein paar Sachen nachgebessert werden, aber ich bin mit den Autos zufrieden", erklärt der Volkswagen-Entwicklungsvorstand. Und sorgt damit für spürbare Entspannung bei dem Leiter der Produktentwicklung von Shanghai Volkswagen, Frank Bekemeier, und seinem Kollegen Dr. Gjuki Tettenborn, Direktor der technischen Entwicklung von FAW-VW in Changchun.

 

 
 

Schütteln im Leerlauf

Trotz des Placets des Entwicklungsvorstands gibt es für die Entwickler noch einiges zu tun, ehe der Jetta in Chengdu vom Band laufen wird. Die "Mängelliste" fängt bei einem Schütteln im Leerlauf an und hört bei der Abstimmung der Wandlerautomatik und der Abdeckung der A-Säule auf.

Preis unter 10.000 Euro

Die Zeit drängt. Schließlich soll der Jetta schon im Herbst im Reich der Mitte die Kunden begeistern. Die Stufenheck-Limousine soll ein Einstiegsmodell sein und daher unter 10.000 Euro kosten.

Deswegen greift man auf bewährte Technik zurück. Die Plattform ist eine Mischung aus aktuellem Polo (Vorderwagen) und Golf IV. Dessen Verbundlenkerachse wurde überarbeitet und an die neue Architektur angepasst.

Bewährte Technik

Die Anforderungen an die Plattform sind hoch: Schließlich bildet sie die Basis für eine ganze Palette von Modellen aus dem VW-Konzern. Neben dem Jetta und Santana sind eine Skoda-Stufenheck-Limousine, ein Seat und weitere Derivate geplant, darunter auch elektrifizierte Autos.

Damit der angepeilte Preis erreicht werden kann, setzte man auf bewährte Technik. Hinten verrichten Trommelbremsen ihren Dienst, das Bordnetz ist kleiner und das Lenkrad nur in der Länge verstellbar.

Als Motoren sind zunächst Sauger mit 90 und 110 PS vorgesehen. Das ist der unterschiedlichen und teilweise schlechten Benzinqualität im Reich der Mitte geschuldet. Später sollen dann TSI-Aggregate folgen.

Auch bei den Getrieben findet man Altbekanntes: eine manuelle Fünfgangschaltung und eine Sechsgang-Wandler-Automatik. Die versucht das etwas müde Temperament des 1,6-Liter-Motors (110 PS) mit fleißigem Schalten auszugleichen.

Fast nur chinesische Ingenieure

Doch bei einem Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen und den notorisch schlechten Straßen, sind PS-Protze weniger gefragt als Federungskünstler. Deswegen ist das Fahrwerk des China-Jettas auch komfortabler abgestimmt, als man das in Europa kennt. Die Kehrseite der Medaille ist eine Wankneigung in schnell durchfahrenen Kurven.

Bei der Abstimmung und Entwicklung setzt VW fast komplett auf chinesische Ingenieure. "Die sind engagiert und lernen schnell", freut sich Hackenberg. Rund 2.200 Entwickler sind in Shanghai und Changchun beschäftigt. Nur 60 sind Europäer.

Damit die Entwicklung "aus China heraus" (Hackenberg) weiter vorangetrieben werden kann, baut VW eine zweite Teststrecke in der Nähe von Changchun. Auf dem 14 Quadratkilometer großen Areal sollen ab 2014 alle möglichen Erprobungsvarianten möglich sein, auch ausgiebige Wintertests. Die Einrichtung soll nur für die Entwicklung von Fahrzeugen genutzt werden, die für den chinesischen Markt bestimmt sind.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll