mobile.de: TÜV-Reform 2012

Die TÜV-Reform 2012

So klappt es mit der Plakette

Auch mit der jetzigen TÜV-Reform gilt: Wer bei der Wartung schlampt, zahlt die Zeche bei der Hauptuntersuchung. Hat das Auto erhebliche Mängel, gibt es keine Plakette und der Halter muss den Defekt nachbessern.

Die HU wird ab 1. Juli 2012 transparenter, dann wird bei Mängeln nicht bloß die betroffene Baugruppe aufgelistet, sondern die exakte Position des Schwachpunkts. So lässt er sich später ohne langes Suchen auffinden und beseitigen. Zudem arbeiten alle Organisationen mit einem standardisierten Prüfbericht.

Die nächste gute Nachricht: Die Rückdatierung des nächsten Prüftermins bei verspäteter Vorführung entfällt. Das bedeutet: Wer sein Auto erst einen Monat nach HU-Fälligkeit vorführt, erhält die HU-Plakette für volle 24 Monate.

Allerdings kann dieses Spiel zu Geldbußen führen: Entdecken Polizei oder kommunale Kontrolleure die Fristüberschreitung, kosten zwei bis vier Monate über Termin 15 Euro. Bis acht Monate drüber zahlt der Halter 25 Euro, danach 40 Euro – und es gibt einen Punkt in Flensburg.

Weitere Neuerungen: Die Prüfung startet ab sofort auch bei Pkw mit einer Probefahrt, um die Elektronik zu testen. Weitere Tests der elektronischen Systeme erfolgen mit einem speziell entwickelten HU-Adapter.

 

Prüfungsangst bei Autofahrern

Eine ungute Ahnung vor der HU beschleicht vor allem all jene, die ihr Auto nicht wie empfohlen regelmäßig zur Wartung in die Werkstatt gefahren haben.

Und das sind ziemlich viele: Die Wartungs-Freundlichkeit deutscher Autofahrer lässt leider zu wünschen übrig. Im Jahr 2011 hat rund ein Drittel aller Verkehrsteilnehmer keinerlei Wartung an ihren Fahrzeugen durchführen lassen, ermittelte der Marktbeobachter Deutsche Automobil Treuhand (DAT). In den Vorjahren war es nicht besser.

Ältere Autos meistens schlechter gewartet

Insgesamt sinkt zwar der Wartungsaufwand, weil die Inspektionsintervalle bei neueren Automodellen größer werden. Überdies besitzen immer mehr Autos ein bordeigenes Service-System, das Inspektionsvorschriften des jeweiligen Typs laufend mit dem aktuellen Kilometerstand abgleicht und den Fahrer auf fällige Termine hinweist.

Bei älteren Autos gibt es diese Erinnungsfunktion nicht, die regelmäßige Durchsicht und Pflege des Autos kommt oft zu kurz. Laut DAT lassen die Halter von acht Jahre und älteren Fahrzeugen wesentlich seltener eine große Inspektion durchführen als die Halter jüngerer Fahrzeuge.

Allerdings: Waren sparsame Autofahrer früher in der Lage, kleinere Wartungsarbeiten wie Ölwechsel oder das Wechseln einer Glühleuchte selbst durchzuführen, sind sie aufgrund komplexerer Technik heute zunehmend auf teure Fachwerkstätten angewiesen.

Gefährlicher Trend zum Sparen

Dieser Trend könnte – zusammen mit den ständig steigenden Spritkosten – dazu führen, dass „ein Teil der Autofahrer versucht, durch einen ‚großzügigen‘ Umgang mit der Wartung ihres Fahrzeugs Unterhaltskosten zu sparen“, warnt die DAT.

Sparen ist ein großes Thema, das zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Dekra: Bei Wartung und Reparatur sparen wollen 56 Prozent der befragten Autofahrer. 13 Prozent wenden eine rabiate Methode an: die Null-Diät. Indem sie notwendige Instandhaltungsarbeiten so lange wie möglich aufschieben, wollen sie die Unterhaltskosten auf niedrigstem Niveau halten. Zwei Prozent gaben sogar an, so lange zu fahren, bis etwas kaputt geht – und sie gleich mit?

Eine Taktik, die lebensgefährlich werden kann: Verschleißteile wie Bremsen, Gelenke und Reifen verlieren nicht schlagartig, sondern langsam und unmerklich ihre Wirkung. Dasselbe gilt auch für Betriebsstoffe wie Bremsflüssigkeit oder Hydrauliköl. Nur der Fachmann erkennt, ob etwas ausgetauscht werden muss. Wer sich also den Fachbetrieb sparen will, verhält sich wie einer, der bei Nebel das Tempo nicht reduziert.

Schlauer spart man so: Erkundigen Sie sich vor der Reparatur von Verschleißteilen nach den Preisen für die betreffenden Teile. Werkstätten arbeiten üblicherweise mit teuren Originalteilen – doch es gibt auch so genannte „Identteile“ von freien Zulieferern. Die entsprechen den Qualitätsstandards der Hersteller, sind laut ADAC aber bis zu 37 Prozent günstiger.

Groben Vorabcheck selbst erledigen

Panik vor der HU ist überflüssig: Den ersten Vorabcheck kann jeder selbst durchführen. Mit der Betriebsanleitung in der Hand können auch Laien eine Menge sehen und in Einzelfällen – zum Beispiel der Austausch einer defekten Rücklichtbirne oder das Abschmirgeln korrodierter Kontakte – vielleicht sogar selbst erledigen.

Den zweiten Check kann die Werkstatt übernehmen. Das spart Frust, Enttäuschung und vor allem bares Geld. Denn falls ein versteckter erheblicher Mangel erst in der amtlichen Prüfung selbst auffällt und nachgebessert werden muss, muss der Wagen erneut vorgeführt werden.

Erteilen Sie Ihrer Werkstatt aber keine Generalvollmacht – es könnte sie sonst in den Fingern jucken, noch zusätzliche Arbeiten in Rechnung zu stellen. Ölwechsel aber interessieren die Prüfer von TÜV oder Dekra nicht die Bohne.

HU-Termin bei der Werkstatt

Wer sich Einiges an Aufwand sparen will, der kann seinen Wagen auch von der Werkstatt zur HU vorführen lassen, anstatt selber vorzufahren. Denn der Prüfer macht auch Hausbesuche.

Alle Prüforganisationen führen regelmäßig Hauptuntersuchungen in Fachwerkstätten durch, die als Prüfstützpunkte anerkannt sind. Laut Zentralverband deutsches Kraftfahrzeug-Gewerbe (ZDK) nutzt allerdings nur knapp ein Viertel der deutschen Autofahrer diese Möglichkeit, entspannter zur Plakette zu kommen.

Vorbereitung auf die HU

So bereiten Sie Ihr Auto auf die HU vor: Reinigen Sie es von innen und außen – der erste Eindruck zählt, und dem Prüfer geht die Durchsicht eines gepflegt wirkenden, sauberen Wagens leichter von der Hand. Unterschätzen Sie nicht den psychologischen Effekt dabei: Versiffte Autos symbolisieren mangelnde Pflege und Wartung.

Jetzt prüfen Sie alle Funktionen, die zur Betriebssicherheit gehören: Blinker, Hupe, Fahrlicht, Bremslicht, Kennzeichenleuchte, Hand- und Fußbremse, Reifenprofil (mindestens 1,6 Millimeter tief), Cockpit-Lämpchen. Achten Sie auch auf korrekten Betriebsdruck der Reifen sowie eine gut befestigte Starterbatterie. Prüfen Sie auch die Windschutzscheibe im Sichtfeld des Fahrers und alle Scheinwerfer- bzw. Blinkergläser auf Sprünge oder Risse. Erneuern Sie vorsorglich alte Wischerblätter. Überzeugen Sie sich davon, dass Verbandkasten (vollständig) und Warndreieck an Bord sind.

Feinarbeit den Werkstattprofis überlassen

Ungleichmäßige Bremswirkung, schlecht eingestellte Scheinwerferleuchtweite, verstellte Spur oder Spiel in der Lenkung können Sie mit etwas Erfahrung ebenfalls registrieren und der Werkstatt bereits Hinweise geben. Alle Feinarbeit überlassen Sie jedoch hier besser den Profis. Das betrifft auch die ebenfalls beliebten Fehler-Ursachen Radaufhängung und Auspuff.

Womit Sie sich auf keinen Fall bei der HU sehen lassen sollten, zeigt die Bildergalerie.

Text: fb