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Smart Homes und neue Mobilität

Auto lädt Haus lädt Auto

Fukushima hat gezeigt, wie verwundbar selbst hochmoderne Industrienationen sind. Das gibt den "Smart Homes" neuen Schub - Häuser mit intelligenter Energiesteuerung und teilweise autonomer Stromerzeugung. Toyota, Nissan und Honda starten bald Großversuche.

Mit der Energiewende hat die Idee der Smart Grids, intelligenter Stromnetze, neuen Auftrieb bekommen. Die Akkus von Elektroautos könnten hier als Puffer dienen, um Energieschwankungen auszugleichen - so die Theorie.

In der Praxis scheitert dies an der mangelnden Verbreitung der Stromer. In Deutschland wurden 2011 kaum mehr als 1.800 Elektroautos angemeldet. Bei Volkswagen werden an einem einzigen Tag fast doppelt so viele Autos mit Benzin- und Dieselmotoren gebaut.

Nissan reagiert auf Kundeninteresse

In Japan beschäftigen sich die Autohersteller schon seit Jahren mit Smart Grids, auch die Bevölkerung zeigt offenbar ein steigendes Interesse daran. Der Nissan-Ingenieur Hiroki Nagayama erinnert sich, wie nach der Erdbeben- und Atomkatastrophe im März 2011 und den darauf folgenden Stromausfällen Besitzer des Elektroautos Nissan Leaf bei ihm anklopften.

"Die Leute wollten wissen, ob sie mit dem Batteriestrom des Leaf ihre Haushaltsgeräte versorgen könnten", erzählt Nagayama.

Tatsächlich würde eine Batterieladung des Wagens einen japanischen Durchschnittshaushalt für zwei Tage und Nächte mit Strom versorgen, so der Ingenieur. 2012 will Nissan deshalb ein System anbieten, das den Stromaustausch zwischen Auto und Haus möglich macht, und auch gleich ein Smart House entworfen.

Das futuristische Domizil steht auf Stelzen über dem Ladeplatz des Nissan Leaf. Solarzellen und eine hauseigene Brennstoffzelle erzeugen Strom, der nachts im Akku des Elektroautos zwischengespeichert wird.

Toyota verkauft erste "schlaue Häuser"

Toyota ist schon einen Schritt weiter. Die ersten "Smart Homes" des Unternehmens sollen 2012 bezugsfertig sein. "Die Häuser bieten 126 Quadratmeter Wohnfläche und kosten 24 Millionen Yen", so ein Toyota-Ingenieur. Umgerechnet sind das etwa 240.000 Euro.

Zur Energieversorgung ist unter anderem eine Photovoltaik-Anlage vorgesehen. Ein außer Haus gelagerter Lithium-Ionen-Akku dient als Energiepuffer. "Die Stromproduktion der Häuser ist aber noch nicht vollständig autonom", betont der Toyota-Mann.

Das intelligente Energiemanagement kann dagegen schon überzeugen - die Funktion "Peak Electricity Demand Cut" erkennt eine drohende Überlastung und reguliert den Verbrauch selbständig. Laufen zum Beispiel abends viele Geräte im Haus, wird die Ladung des Elektroautos automatisch unterbrochen. Ein Zentralrechner steuert im Modellhaus den Energiefluss. Ein Teil des Strombedarfs wird durch Solarzellen auf dem Dach gedeckt, Elektroautos oder Plug-In-Hybride haben ihre eigene Ladestation.

Damit die Bewohner den Energiestatus ihres Hauses und den Ladestatus des Elektroautos kontrollieren können, gibt es den "H2V (Home to Vehicle) Manager". Der lässt sich auf dem Fernsehschirm, dem PC oder dem eigenen Smartphone aufrufen. Über wichtige Eingriffe informiert das System per E-Mail oder SMS.

Per Smartphone kann man zudem kontrollieren, ob alle Türen im Haus verschlossen sind, wo überflüssiges Licht brennt, und wann das Auto am Stromnetz seine Heizung anwerfen soll.

Die Garage wird zur "Tankstelle"

Aus der hauseigenen Garage will Toyota in der Zukunft den "Smart Mobility Park" machen. Am Kabel hängt ein Plug-In-Hybrid, daneben parken elektrische Roller und Fahrräder. Die werden induktiv, also berührungsfrei durch eine Platte im Boden, geladen.

Auf einem Monitor an der Wand wird schematisch der Energiefluss dargestellt, der zwischen dem öffentlichen Stromnetz, den hauseigenen Stromerzeugern und Akkus und den Fahrzeugen an der Ladestation besteht.

Honda startet Großversuch

Bei Honda haben die Ingenieure unterdessen das "Smart Home System" entwickelt. Dazu gehören Solaranlagen und ein kleines Gas-Blockheizkraftwerk für Privathaushalte, die das öffentliche Stromnetz ergänzen und bei Bedarf das Elektroauto in der Garage aufladen.

In der japanischen Stadt Saitama sollen bis zum Jahr 2015 Elektroautos, Plug-In-Hybride und Roller im Zusammenspiel mit dem Smart Home System getestet werden "Wir wollen gleichzeitig untersuchen, inwieweit das System in der Lage ist, in einem Katastrophenfall unabhängig Strom zu erzeugen", heißt es bei Honda.

Fukushima ist also auch dort nicht vergessen.

Text: Sebastian Viehmann; press-inform