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Shooting Brakes

Schräger Dauerbrenner

Shooting Brakes begeistern seit über 40 Jahren stilbewusste Autofahrer. Die Mischung aus Kombi und Coupè ist "in", wie der Ferrari FF und Mercedes CLS Shooting Brake zeigen. Die Historie der angesagten Zwitter-Automobile hat legendäe Fahrzeuge hervorgebracht.

Eine lange Tradition: Früher einmal waren Shooting Brakes Pferdefuhrwerke, die den hohen Herren dazu dienten, sie und ihre Ausrüstung zur Jagd zu bringen, während die Bediensteten hinterherlaufen mussten. Sie hatten sich aus sogenannten Brakes entwickelt, die dazu genutzt wurden, Pferde zu brechen.

Auch bei den ersten Autos gab es noch dieses Prinzip der Jagdkutsche: Die Karosserie des Rolls-Royce Silver Ghost Shooting Brake von 1910 war zwar luxuriös, hatte jedoch noch nichts mit der eleganten Silhouette gemein, die 60 Jahre später hipp wurde.

 

 
 

Königliches Gefährt

Die modische Anerkennung ist kein Wunder, wenn selbst köngliche Hoheiten wie Prinz Philip oder seine Tochter Princess Anne den Mix aus zwei Karosserievarianten ihr eigen nannten. Beide fuhren einen Reliant Scimitar GTE SE 5. Der Name ist Programm: Scimitar ist das englische Wort für Krummsäbel und bescheibt das Konzept der kombiähnlichen Karosserieform mit der stark abfallenden Dachlinie.

Das dreitürige Coupé mit Kombiheck wurde 1968 erstmals präsentiert und gilt als wegweisend für die Gattung der modernen Shooting Brakes. Die Inspiration für das extravagante Design holte sich Designer Tom Karen bei einem Lamborghini Espada. Noch einige Zeit später schwärmte Karen von seiner Kreation und bezeichnete den Reliant Scimitar GTE SE5 als "wichtigsten Entwurf seiner Laufbahn".

Umgebauter E-Type

Der Designer hatte recht. Bald nannte jeder, der was auf sich hielt, einen Shooting Brake sein Eigen. Die ungewöhnlichen Autos brachen mit dem Einerlei der 50er und frühen 60er und wurden zunehmend zu Lifestyle-Accessoires. Ein besonders berühmtes Exemplar war ein Jaguar E-Type, der im Kassenschlager "Harold und Maude" (1971) zu einem Shooting-Brake-Leichenwagen umbaut wurde. Das Publikum war von der schrägen Idee begeistert.

Dem Trend folgten auch andere Hersteller: Der Volvo P1800 ES ist ein Klassiker. Sein markantes Aussehen mit den großen Glasflächen brachte ihm den Spitznamen "Schneewittchensarg" ein. Auch in Deutschland frönte man der neuen gestalterischen Freiheit. Der BMW 2002 Touring war die Münchner Version eines Kombi-Coupés. Heute ist der BMW-Shooting-Brake ein gefragter Klassiker.

Lifestyle-Accessoire

Südlich der Alpen spielte man ebenfalls mit der Formensprache des Coupé-Kombis. Geht es um automobile Leichtigkeit in Italien, darf der Name Pininfarina nicht fehlen. Das Designstudio wirkte beim Lancia Beta HPE (High Performance Estate, später High Performance Executive) mit.

Der elegante Shooting Brake bedeutete eine Zäsur für den Hersteller: Mit ihm kehrte Lancia zu der griechischen Nomenklatur zurück. Wer zur Volumex-Variante griff, war nicht nur schick, sondern auch schnell: Der Motor mit doppelter Nockenwelle hatte dank Roots-Gebläse 135 PS und schaffte eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h.

Seltene Modelle

In England, der Heimat der Shooting Brakes, hielten Nischenmarken wie Jensen Motors die Kombi-Coupé-Tradition hoch. Befeuert wurde der Jensen GT (nur 511 Exemplare wurden gebaut) von einem Lotus-907-Vierzylinder-Triebwerk mit 140 PS.

Nach der Jensen-Pleite sprang Lotus selbst in die Bresche und baute den Motor in die Shooting-Brake-Variante des Lotus Elite II ein. Produzierte Fahrzeuge: 33. Ziemlich exklusiv. Schließlich reden wir hier von einem Auto, das British ist, very British.

Da darf Aston Martin nicht fehlen. Der DB5, mit dem Sean Connery alias James Bond "Goldfinger" Gert Fröbe zur Strecke brachte, ist der Inbegriff für sportliche Eleganz. Von der Shooting-Brake-Version des Sportwagens, die von Harold Radford Coachbuilders gefertigt wurde, verließen nur zwölf Modelle die Fabrik.

Häufiger ist da schon der MGB GT V, der zwischen 1973 und 1976 2.591 Mal gefertigt wurde. Diese Zahlen werden heute locker getoppt: Der Mercedes CLS Shooting Brake dürfte ein Vielfaches mehr an Käufern finden.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll