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Rundfahrt: Mercedes-Benz CLS Shooting Brake

Coupé mit Anhang

Mercedes-Benz hat dem CLS was angehängt. Ein Ladeabteil. Die Form betört, das Fahren auch. So viel ist ja nicht anders. Oder doch?

19. September 2012

525 PS, 700 Newtonmeter. Das ist gewaltig. Selbst in einem zwei Tonnen schweren und fünf Meter langen Kombi. Äh, Shooting Brake natürlich, nicht Kombi. Darauf legen sie Wert bei Mercedes-Benz. Kein Kombi, ganz wichtig.

„Überraschende Proportionen, aber eindeutig Coupé“, so umschreibt die Pressemappe die Nicht-Kombi-Form des CLS-Kombis. „Der CLS 63 AMG Shooting Brake begründet eine völlig neue, kleine und feine Nische“, erklärt Ola Källenius, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mercedes-AMG GmbH. „Die Kombination aus Performance, Style und Nutzwert ist einzigartig.“

 

 
 

Atemberaubende Performance

Der 5,5-Liter-V8-Biturbo ist derzeit die Allzweckwaffe von AMG. Den „normalen“ CLS beschleunigt er mit Performance Package in 4,3 Sekunden auf Tempo 100. Im Shooting Brake gelingt das auch, wenn man die „Edition 1“ bewegt, leistungserstarkt auf 557 PS (statt 525) und 800 Newtonmeter (statt 700 Nm). Andernfalls sind es 4,4 Sekunden. Geschenkt.

Die Kraftentfaltung des Top-Shooting-Brake ist schlicht atemberaubend: Die Fahrleistungen entkoppeln von Zeit und Raum. Der Sound betört. Das automatische Zwischengas beim Runterschalten weckt die Illusion, es jederzeit mit Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb oder Altmeister Jacky Ickx aufnehmen zu können. Grandios – anders lässt sich das bei aller Zurückhaltung nicht umschreiben.

10,1 Liter – mehr soll sich die AMG-Variante nicht gönnen auf 100 Kilometer (kombiniert). Wer es ständig fliegen lässt, kann diesen Wert selbstverständlich knicken. Bei Testfahrten in der Toscana pendelte sich der CLS 63 AMG Shooting Brake bei rund 13,5 l/100 km ein. Ein durchaus passabler Wert für eine Luxus-Boden-Luft-Rakete mit 590 bis 1.550 Liter Ladevolumen.

Verstellbare Dämpfer

Der Preis des CLS 63 AMG Shooting Brake: ab 117.512 Euro. Auch das ist atemberaubend. Das „Edition 1“-Paket kostet hier 11.126 Euro extra, bei den übrigen Motorisierungen 8.806 Euro (Vier- und Sechszylinder) bzw. 7.021 Euro (Achtzylinder).

Dafür gibt es dann flächendeckend spezielles Leder in „platinweiß pearl“, eine Sportpedalanlage aus gebürstetem Edelstahl mit Gumminoppen, den Mattlack „designo magno alanitgrau“ und allerlei Feines mehr. Die Leistungssteigerung bleibt dem AMG vorbehalten.

Eine Leistungsetage tiefer tritt der CLS 500 BlueEfficiency Shooting Brake an. 408 PS sind aller Ehren Wert. Auf 100 km/h beschleunigt der Basis-Achtzylinder in 5,3 Sekunden. 9,2 Liter sollen ihm im Durchschnitt auf 100 Kilometer (kombiniert) reichen, 9,8 l/100 km sind es bei der Allradvariante CLS 500 4MATIC.

Kurven nimmt der 500er nicht ganz so konsequent und willig wie der CLS 63 AMG. Der spielt hierbei sein RIDE CONTROL Sportfahrwerk ungeniert aus. Verstellbares Dämpfersystem inklusive Niveauregulierung an der Hinterachse – das zahlt sich aus bei der Kurvenhatz. Das gute Dutzend aufwändiger Assistenzsysteme besorgt den Rest und bürgt für Sicherheit. Als Krönung gibt es eine Keramik-Hochleistungsverbundbremse für 11.424 Euro.

Überschaubarer Aufpreis

Auf derlei Spielereien legt der „klassische“ CLS-Kunde vermutlich keinen Wert. Wer die Lebensmitte erreicht hat, der genießt. Persönliche Bestzeiten sollen die anderen jagen. Für lautstark durchdrehende Räder ist in der makellosen Welt des CLS Shooting Brake (eigentlich) kein Platz, nicht nur wegen der serienmäßigen Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR).

Der „kleine“ Benziner CLS 350 BlueEfficiency (306 PS) folgt dem Achtzylinder in Sachen Leistung in gebührendem Abstand. Mit 370 Nm hat der Sechszylinder-Otto mit Abstand das schwächste Drehmoment der insgesamt fünf Motoren (drei Benziner, zwei Diesel). Souverän und mit sonorem Sound zur Sache geht er dennoch. Nichts anderes erwartet man von einem Auto dieser (Preis-)Klasse.

66.818 Euro beträgt der Basispreis des V6-Ottomotors. Damit kostet er 1.904 Euro mehr als das viertürige 350er CLS Coupé. Der gleiche Aufschlag wird bei den Shooting Brakes mit CDI-Motor fällig. Der Achtzylinder-Benziner verlangt mit und ohne Allradantrieb jeweils 1.309 Euro Stauraum-Zuschlag.

Bärenstarke Selbstzünder

Das V6-Diesel-Pendant CLS 350 CDI BlueEfficiency stemmt säuselnd 620 Nm auf die Kurbelwelle und leistet 265 PS. Basispreis: 65.628 Euro. Ordert man die 4x4-Variante (4MATIC), kostet der Sechszylinder-Selbstzünder 68.365 Euro.

Aller CLS Shooting Brake Anfang ist der 250 CDI BlueEfficiency ab 61.761 Euro. 204 PS bringt der einzige Vierzylinder im CLS-Programm. Fahrer, die ungern Zapfsäulen ansteuern, sind hier richtig: 5,3 l/100 km gibt Mercedes als kombinierten Verbrauch an. Das reicht theoretisch für gut 1.500 Kilometer ohne Tankstopp. 80 Liter gehen rein.

Ausreichend Fahrspaß garantiert das üppige Drehmoment von 500 Nm bei 1.600 bis 1.800 Umdrehungen pro Minute. Performance-Heldentaten sollte man von diesem Shooting Brake aber nicht erwarten. Gemessen daran, dass hier jede Pferdestärke nahezu 10 Kilogramm bewegt, sind 7,8 Sekunden auf Tempo 100 allerdings ziemlich lässig.

Amerikanischer Kirschbaumtraum

Mit 235 km/h Spitze erreicht der CLS 250 CDI BlueEfficiency als einziger Shooting Brake nicht die 250-km/h-Marke. Seine Käufer werden es verkraften. Es bleiben immer noch genügend Autos, die man hinter sich lassen kann.

Sollte jemand aus einem SUV oder Lkw in den vorbeirauschenden Shooting Brake blicken, erhascht er mit Glück einen Blick auf das Design-i-Tüpfelchen des Nicht-Kombis – den „designo“ Holzboden im Laderaum, garniert mit schwarzen Intarsien und Aluminium-Schienen.

Ähnlich wie die Voll-LED-Scheinwerfer dürften sich die fünffach von Hand geschichteten Furnierblätter aus amerikanischem Kirschbaumholz zum Renner der „zusätzlichen Serienausstattung“ entwickeln. Der Preis für den Holzladeboden: 4.700 Euro – inklusive Pflegeset, immerhin.

Text: Ralf Bielefeldt