Opel gegen Chevrolet

Opel gegen Chevrolet

Ungleicher Bruderkampf

Während Opel zunehmend unter der Krise leidet, setzt Chevrolet seinen Expansionskurs fort. Das Markenmanagement durch die amerikanische Mutter GM ist umstritten. Das Werk Bochum steht auf der Streichliste und die Astra-Produktion soll ins Ausland verlagert werden.

Wenn zwei Brüder zu Rivalen werden, endet das bisweilen fatal. Denken Sie nur an Kain und Abel oder Romulus und Remus. Die beiden GM-Sprösslinge Chevrolet und Opel befinden sich ebenfalls in einem erbitterten Konkurrenzkampf. Doch das Duell wird mit ungleichen Waffen geführt.

Während Opel und die Schwestermarke Vauxhall lediglich in 40 Ländern vertreten sind, tritt Chevrolet in 140 Nationen an. Der Umsatz ist dementsprechend: Opel verkaufte 2011 1,2 Millionen Autos, Chevrolet mit 4,7 Millionen fast das viermal so viel. Die Tatsache, dass Opel laut einer Studie des "Center Automotive Research" (CAR) der Uni Duisburg fast 1.000 Euro pro Wagen draufzahlt, verbessert die Position der rabattschlachtgeplagten Deutschen im GM-Verbund nicht gerade.

 

 
 

Geduld neigt sich dem Ende

Dass die Bosse aus Detroit eher auf Chevrolet setzen, erscheint da nur logisch. Zumal sich die Geduld mit Opel offenbar dem Ende neigt. Der Rüsselsheimer Autobauer hat in den letzen zwölf Jahren 16 Milliarden Dollar Verlust (13,03 Milliarden Euro) gemacht.

Die Europa-Zahlen des ersten Halbjahres 2012 sind wenig ermutigend: Opel verkaufte nur noch rund 457.000 Fahrzeuge. Das sind 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Marktanteil schrumpfte von 7,6 Prozent auf 6,9 Prozent. Im Stammwerk Rüsselsheim wie auch für die Komponentenfabrik in Kaiserslautern droht Kurzarbeit, da die Werke nicht ausgelastet sind.

Doch die GM-Planungen gehen noch weiter: Das Werk Bochum soll nach 2016 geschlossen werden, und der Astra zukünftig nicht mehr in Rüsselsheim, sondern in Polen und Großbritannien produziert werden. Dafür bekommt der deutsche Stammsitz im Zuge der Kooperation mit PSA die Produktion des Citroën DS5 und des Peugeot 508.

Identische Technik

Anstatt eine klare Marken-Positionierung und -Trennung vorzunehmen, lässt GM aber Chevrolet in Europa freien Lauf und bringt Opel in größere Schwierigkeiten. Schließlich sind die Chevrolets in der Regel günstiger als die Modelle aus Rüsselsheim. An der älteren Technik liegt das nicht mehr: Waren viele Euro-Chevys früher Daewoo-Derivate, teilen alle seit 2010 neu erschienenen Modelle ihre Plattformen mit Opel.

Ein Blick auf die Innenräume des Cruze und des Astra offenbart das Dilemma: Wären da nicht die Marken-Logos auf den Lenkrädern, wüsste man auf den ersten Blick nicht, um welches Fahrzeug es sich handelt. Astra und Cruze bauen beide auf der sogenannten Delta-II-Plattform auf.

Der Cruze zählt mit rund 21.000 Fahrzeugen im ersten Halbjahr 2012 zu den bestverkauften Chevy-Modellen in Europa. Seit Juli hat auch der Insignia mit dem Malibu einen koreanisch-amerikanischen Konkurrenten mit identischer technischer Basis.

Premiere des Stufenheck-Astra

Ähnlich ist es bei den Kompakt-SUVs Opel Mokka und Chevrolet Trax. Die GM-Strategen schicken beide Modelle weitgehend technisch identisch in der Ring. Das einzige Zugeständnis ist, dass der Opel schon im Oktober erscheint, während der Chevrolet Europa erst im nächsten Frühjahr seine Aufwartung machen wird.

Die Deutschen setzen einige Hoffnung auf den osteuropäischen Markt: Bei der Moskau-Motorshow Ende des Monats wird der Stufenheck-Astra seine Weltpremiere feiern.

Immerhin, der Adam (ausgesprochen: Ädam) zielt weit mehr als sein Spiegelmodell Chevrolet Spark auf das kaufwillige Lifestyle-Publikum ab, ist aber auch deutlich teurer. Seine Chancen gegen Mini & Co. sind allerdings noch nicht abzuschätzen.

Das Astra-Cabrio soll eine ähnlich stilbewusste Käuferschaft ansprechen und Opel-Fans nächstes Jahr den Sommer versüßen.

Neuer Verkaufsrekord

Dem Chevrolet-Aufschwung tut das keinen Abbruch. Die amerikanisch-koreanische GM-Tochter meldet mit über 117.500 verkauften Neuwagen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in West- und Zentraleuropa einen neuen Verkaufsrekord.

Damit sind die Expansionsgelüste noch lange nicht gestillt: "Wir sind ein kleiner Player mit großen Ambitionen", macht Chevrolets neue Europachefin Susan Docherty aus ihren Ambitionen keinen Hehl. Das Selbstbewusstsein ist nicht unbegründet: Chevy kann die Strahlkraft von Automobil-Ikonen wie Camaro oder Corvette nutzen, Opel wurde selbst die Vorreiterrolle bei der E-Mobilität verwehrt.

Der Chevrolet Volt kam früher auf den Markt als der Ampera. Zudem kostete der E-Chevy noch weniger.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll