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Testfahrt Mercedes SL 500

Legendenbildung

Wenn es auf dieser Welt einen Luxusroadster gibt, dann ist es der Mercedes SL. Der Neue hat mächtig abgespeckt und sucht nach wie vor einen Konkurrenten.

Die Verantwortlichen der Daimler AG werden nicht müde zu betonen, dass der SL eine der großen Ikonen der Automobilgeschichte ist. Wo die Stuttgarter Recht haben, haben sie diesmal wirklich Recht. Der Mercedes SL ist und bleibt ein Klassiker - mittlerweile seit einem halben Jahrhundert. Zum Frühjahr gibt es eine Neuauflage; wieder einmal sehenswerter denn je.

Wie es sich gehört mit dem Besten, das Mercedes gerade zu bieten hat: neue Wankstabilisierung, Hightech-Wischsystem und alle erdenklichen Assistenzsysteme. Doch bei aller modernen Technik stehen beim Mercedes SL seine grandiosen Gene im Fokus. Der SL ist ein offener Luxuskreuzer, der jeglichen Komfort bietet und nach wie vor kaum einen echten Konkurrenten hat.

Luxus fast ohne Ende

Jürgen Weissinger, Entwicklungsleiter des Mercedes SL, weiß wovon er spricht: "Der SL ist die S-Klasse unter den Roadstern." Ist er. Sein Innenraum ist luxuriös, die Sitze haben grenzenloses Wohlfühlambiente und alles ist dort, wo man es sich wünscht. Man kann darüber streiten, was der Tempomat an einem nur ertastbaren Lenkstockhebel in Knienähe macht, ob die Schalter in der Mittelkonsole zu silbrig schimmern oder der Schaltknauf des siebenstufigen Automatikgetriebes allzu sehr einem Damenrasierer gleicht.

Wirklich ernsthaft gibt es nichts zu meckern. Nichts - außer, dass sich das vollelektrische SL-Klappdach nur im Stand bedienen lässt. Das ist alles andere als zeitgemäß und passt nicht zu einem 250 km/h schnellen Luxusroadster, der nahe an der Perfektionslinie gleitet.

Offene Sänfte

Mehr als 110 Kilogramm hat die Abmagerungskur der Karosserie aus Aluminium gebracht. Das macht sich nicht erst, aber besonders im Grenzbereich bemerkbar. Hier liegt der 4,61 Meter lange SL 500 satt, aber nie träge auf der Straße. Dabei verwöhnt der 1,8 Tonnen schwere Luxus-Zweisitzer seine Insassen mit beeindruckendem Komfort. Bodenunebenheiten oder Fugen werden nahezu spurlos weggebügelt, die Lenkung ist präzise und die Bremsen hungrig.

Auch im Sportmodus mimt der SL nicht den Kurvenjäger. Dazu bekommt er seine opulente Motorleistung von 320 KW / 435 PS gerade bei engen Kehren nicht eindrucksvoll genug auf die Straße.

Werden die Kurvenradien enger, tut sich der SL 500 schwerer, schwänzelt auch im Komfortmodus überraschend engagiert mit dem Heck ohne dabei unsicher zu wirken. Der Unterschied zwischen den beiden Modi Komfort und Sport ist dabei zu gering. Hier wünschen sich nicht nur sportliche Fahrer eine größere Spreizung.

Bulliger Antritt

Dabei ist der aufgeladene Achtzylinder mit seinen 4,7 Litern Hubraum trotz aller Stärke von Fahrwerk, Komfort und Fahrzeug an sich die beeindruckendste Neuerung im SL. Im Normzyklus soll sich der mindestens 117.096 Euro teure Mercedes SL 500 mit gerade einmal 9,2 Litern Super zufrieden geben.

Wer die Drehmomentschübe von bis zu 700 Nm ab 1.800 U/min und einem Spurtpotenzial von 0 auf 100 km/h in 4,6 Sekunden einmal gespürt hat, verschenkt keinen Gedanken daran, sich für den Sechszylinder-Sauger SL 350 mit seinen müden 306 PS zu entscheiden.

Erstaunlich magere Grundausstattung

Der Mercedes SL 500 ist bei aller Raffinesse ein Gefährte für alle Tage. Er macht optisch auch mit geschlossenem Dach eine klasse Figur und lässt sich selbst bei mäßigen Temperaturen Dank ausfahrbarem Windschott (595 Euro Aufpreis), Sitzheizung und Nackenfön (654 Euro) offen fahren.

Bei geöffnetem Dach reduziert sich das Gepäckvolumen deutlich von 504 auf 364 Liter. Wenn der Platz im Laderaum nicht ausreicht, ist hinter den beiden Sitzen nochmals Zusatzvolumen für zwei Taschen oder einen Kleidersack. Das sollte für den gemeinen Roadster-Kunden reichen.

Das gilt leider nicht für die Serienausstattung. Hier bietet selbst das aktuelle Topmodell SL 500 nennenswerte Lücken. So fehlt zum Beispiel sogar das Digitalradio - und das bei mehr als 100.000 Euro Grundpreis.

Text: Stefan Grundhoff; press-inform