Premiere VW Golf VII

Premiere VW Golf VII

Das ist der neue VW Golf

Volkswagen zeigt die neue zackige Generation Golf. Sie startet wie gehabt bei 16.975 Euro, kann dafür aber viel mehr und verbraucht viel weniger. Verspricht VW.

5. September 2012

Es war der erwartete Auftrieb: Volkswagen hatte zur Weltpremiere des Wolfsburger Heiligtums in die Neue Nationalgalerie Berlin geladen – und alle kamen zum Potsdamer Platz. Prominente, Wirtschaftsbosse, Motorvolk – selbst Greenpeace.

Die Aktivisten hatten zwar keine Einladung, aber eine Mission: Der neue Golf sei nicht sparsam genug, so der Vorwurf. Ein Trupp VW-Mitarbeiter hielt in lupenreinen blau-weißen T-Shirts dagegen. Tenor: Pah – der Golf VII hat eine viel bessere Umweltbilanz als alle Vorgänger. Der TÜV Nord bestätigt das per Umweltprädikat, wurde unlängst gemeldet.

Innerhalb der gläsernen Wände des Architektur-Klassikers von Ludwig Mies van der Rohe verpuffte das Bohei. Volkswagen ließ Zahlen sprechen: Gewicht je nach Modell bis zu 100 Kilo runter, Verbrauch und Emissionen bis zu 23 Prozent niedriger. Fakten wie diese machten Golf-Freunden seit Wochen den Mund wässrig.

 

 
 

„Der Schlüssel zur Perfektion“

Aggregate minus 40 kg, Aufbau minus 37 kg, Fahrwerk minus 26 kg. Das sind die dicken Brocken bei der Gewichtseinsparung. 400 Gramm steuert die Instrumententafel bei. Das klingt nach wenig, doch genau hier liege der Schlüssel zum Erfolg: „Wer 0,4 Kilogramm vernachlässigt, schafft am Ende keine 100 kg“, mahnt Golf-Vater Ulrich Hackenberg.

Für den Entwicklungsvorstand von VW ist der Golf „ein Gradmesser des automobilen Fortschritts“. Spätestens 2018 wollen die Wolfsburger weltweit die Nummer eins der Autobauer sein. Die neue Generation Golf soll es richten.

Neue Fertigungstechniken und neue Bleche sowie Start-Stopp-System und Rekuperation für alle Modelle sind die Zutaten der neuen Sparpakets. „Wir wollten den sparsamsten Golf aller Zeiten bauen, das ist uns gelungen“, frohlockt VW-Boss Martin Winterkorn. Der selbstbewusste Claim fürs beste Stück: „The key to perfection“, der Schlüssel zur Perfektion.

Einstiegsmodell wie gehabt ab 16.975 Euro

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg soll die Preisgestaltung haben: Der günstigste Golf kostet unverändert 16.975 Euro – trotz verbesserter Ausstattung. 5,0-Zoll-Monitor (schwarz-weiß Darstellung) und Multikollisionsbremse (greift bei Auffahrunfällen ein) gibt es serienmäßig, dazu sieben Airbags, elektronische Parkbremse, Stabilitätsprogramm (ESC) und die elektronische Quer-Differenzialsperre aus dem Golf GTI (XDS). Bestellt und online konfiguriert werden kann ab sofort.

Der Golf VII geht mit zwei komplett neu entwickelten Motorengenerationen an den Start. Neues Basismodell ist der Golf 1.2 TSI BlueMotion mit 85 PS, 5-Gang-Handschalter und drei Türen. Sollen es fünf sein, werden grundsätzlich 900 Euro mehr fällig. Günstigster Diesel ist der 1.6 TDI BlueMotion mit 105 PS. 20.725 Euro begehrt Volkswagen für die Variante mit 5-Gang-Handschaltung; 22.550 Euro sind es mit 7-Gang-DSG.

BlueMotion für alle

Die Grundmodelle verbrauchen 4,9 Liter auf 100 Kilometer (1.2 TSI) und 3,8 l/100 (1.6 TDI), das ergibt CO2-Werte von 115 g/km für den Benziner beziehungsweise 99 g/km für den kleinsten Diesel. Den Namenszusatz BlueMotion – Volkswagens Synonym für besonders sparsam – tragen jetzt alle Modelle. Die knauserigste Version soll es später auf 3,2 l/100 km und 85 g/km bringen.

Stärkster Benziner ist zu Anfang der 1.4 TSI BlueMotion mit 140 PS und Zylinderabschaltung (ab 22.525 Euro), der stärkste Diesel leistet 150 PS (2.0 TDI BlueMotion, ab 25.275 Euro). GTI (220 PS) und Golf R (290 PS) folgen 2013.

Lauter fleißige Assistenten

Oberklasse-Niveau, aber wenig Revolutionäres bieten die Assistenzsysteme, die teilweise nur in Kombination bestellt werden können. Der Golf erkennt jetzt automatisch Verkehrsschilder und Fahrzeuge im toten Winkel, warnt vorm unplanmäßigen Verlassen der Fahrspur, bremst in der City automatisch (wie der kleine VW up!) und hält auf Wunsch automatisch den Abstand zum Vordermann.

All das kostet natürlich Aufpreis, die Distanzregelung ACC zum Beispiel 550 Euro. Auch die Liste sonstiger Extras ist naturgemäß lang. Xenon-Licht kostet 850 Euro extra, ein Radio mindestens 410 Euro. Fürs Panoramadach werden 1.050 Euro fällig, für Leder 1.990 Euro, fürs regelbare DCC-Fahrwerk 990 Euro.

Erkennbar ein Golf, rundum perfektioniert

Nichts darf schiefgehen beim Golf. Das ist eisernes Gesetz bei Volkswagen. „Alles neu und doch vertraut“ – eine optische Revolution ist die neue Generation nicht. Aber das wird auch niemand ernsthaft erwartet haben. Ein Porsche 911 sieht schließlich auch immer aus wie ein Porsche 911.

Sportlicher und zackiger ist er geworden, der neue Golf. Scharfe Kanten an den Türen und auf der Haube, schmalere Scheinwerfer, klar konturiertes Heck mit länglichen Leuchten. Die Grundarchitektur wirkt nach wie vor „einfach, stark, verständlich, zuverlässig und sicher", so Chefdesigner Klaus Bischoff. Auftrag erfüllt.

Flacher, breiter, länger – all das ist der Golf, aber in Maßen. 5,6 Zentimeter mehr von Stoßstange zu Stoßstange ergeben eine praktikable Länge von 4,26 Metern. Die 1,3 Zentimeter mehr von Tür zu Tür (1,79 m) spürt nur, wer drinsitzt. Die Gesamttieferlegung um 2,8 Zentimeter (auf 1,45 m) verleiht schon dem Basis-Golf eine gewisse GTI-Dynamik. VW spricht von einem „klaren Plus an Dynamik und Präzision“.

Frisch und modern soll er rüberkommen, der neue Golf, aber dabei natürlich unverändert wie ein Golf. Das erwarten die Käufer – und das nervt die Kritiker. „Der sieht ja aus wie vorher“, ätzen sie bei jeder Neuauflage. Volkswagen kann es egal sein. 29,13 Millionen Einheiten in 38 Jahren. Die Verkaufszahlen sprechen für sich.

Weitere Einzelheiten zum neuen VW Golf gibt es in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt