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Fahrtenbuch: Allgäu-Orient-Rallye 2012

Auf die harte Tour

Drei alte E-Klasse-Kombis aus den 80er-Jahren fahren für eine guten Zweck von Oberstaufen in Bayern nach Baku in Aserbaidschan. Und sie waren nicht allein bei der wahnsinnigen „Allgäu-Orient 2012“ – eines der letzten automobilen Abenteuer.

18. Juni 2012

2012 fand die Allgäu-Orient-Rallye bereits zum siebten Mal statt. Die drei vom Mercedes-Benz Gebrauchteile Center unterstützten Teams mussten sich an strenge Regeln halten, um bei dem waghalsigen Unterfangen mitfahren zu dürfen. Erstens: Keines der teilnehmenden Fahrzeuge darf über 1.111 Euro wert sein. Zweitens: Es dürfen keine Autobahnen befahren werden. Drittens: Eine Übernachtung darf nicht mehr als 11,11 EUR kosten.

Auf dem Weg waren allerlei Aufgaben zu bewältigen. Sieger war vor allem die Menschlichkeit: Denn am Ziel angekommen wurden die Autos an Bedürftige verschenkt.

Mühsame Vorbereitungen

Um bei der verrückten Rallye dabei zu sein schaffte sich der karitative Verein „Round Table“ im Winter letzten Jahres drei alte E-Klasse Kombis an. Die Wahl fiel nicht zufällig auf den W124. Das Modell wird noch heute wegen seiner Zuverlässigkeit und Robustheit geschätzt.

Keines der Autos hat mehr als 800 Euro gekostet – oder hat weniger als 350.000 km auf dem Tacho. In dunklen Winternächten und unzähligen Werkstattstunden hat die Mannschaft des gemeinnützigen Vereins ihre T-Modelle fit für die zehntägige Tour durch Wüsten und über Schotterpisten gemacht.

Es wurden Relais und Stoßdämpfer getauscht, Kühler und Steuergeräte gewechselt und unzählige Details ausgebessert. Danach ging es in die Lackierkabine. Klebefolien verliehen den Fahrzeugen den finalen Rennwagen-Look. Das erste der drei wurde so auf dem MBGTC-Stand der Retro Classics in der Messe Stuttgart ausgestellt.

Das Mercedes-Benz Gebrauchtteile Center aus Neuhausen auf den Fildern beteiligte sich von Beginn an als Partner und Förderer bei der Aktion – und ermöglichte mit Unterstützung und Teilespenden die liebevolle, aber anstrengende Restauration der drei Stuttgarter.

Und der Spaß beginnt

Sechs Vereinsmitglieder des „Round Table“ Göppingen wollten die wilde Tour fahren. Los ging es für die insgesamt 107 Teams im April 2012 in Oberstaufen. Ziel der x-tausend Kilometer langen Fahrt war Baku in Aserbaidschan, inzwischen durch die Austragung des Eurovision Song Contest bekannt.

Das strenge Reglement der Rallye barg besondere Herausforderungen: Das Ringen mit der betagten Technik ist konzeptioneller Bestandteil der Allgäu-Orient-Rallye. So auch beim Team vom Mercedes-Benz Gebrauchtteile Center.

200 km vor der armenischen Grenze streikte bei einem Fahrzeug der Scheibenwischer, kurz darauf verhinderten ein Kabelbrand sowie der Ausfall einer Benzinpumpe beim selben Auto die Weiterfahrt. Es musste in eine Werkstatt im türkischen Kars geschleppt werden – wo ein internationales Montageteam bestehend aus deutschen Rallyefahrern und türkischen Mechanikern den Kombi in einer Nachtaktion reparierte.

Schnitzeljagd auf Rädern

Kommunikations- und Improvisationsvermögen waren ebenso gefragt. In jedem der zwölf zu durchquerenden Länder mussten interkulturelle Aufgaben gelöst werden.

Hauptmotivation dieser motorisierten Schnitzeljagd ist aber neben der sportlichen vor allem eine karitative. Die Schlüssel aller Fahrzeuge mussten am Zielort abgegeben werden, damit die Gefährte einem guten Zweck zugeführt werden können. Dies sollte allerdings in diesem Jahr weitere Schwierigkeiten bringen.

Zum Abschluss ging es per Flugzeug ins jordanische Aquaba, wo bei einer großen Siegerehrung in der Wüste die drei besten Teams gekürt wurden. Die restlichen 104 teilen sich gemeinsam den vierten Platz. Vor allem ging es den Teilnehmern um ein großes Abenteuer - unvergessliche Erlebnisse und der Einsatz für eine gute Sache waren der wahre Gewinn.

Verwendung der Fahrzeuge geklärt

Schon bei den früheren Rallyes mit Zielort Amman in Jordanien, gab es einige Hürden zu umschiffen, was die Verwertung der Autos betraf. Die auf Pkw erhobenen Einfuhrzölle sind extrem hoch. Allerdings konnte man schnell eine Lösung in Kooperation mit den Behörden finden.

Bei Grenzübertritt ging der Besitz der Fahrzeuge auf eine jordanische Organisation über. Diese verwertete dann die Autos - die Erlöse gingen an das Welternährungsprogramm der UNO und wurden genutzt, um verschiedene Projekte in Jordanien zu unterstützen.

In Aserbaidschan war dieses Jahr alles etwas chaotischer. Nach langen Verhandlungen mit der Regierung gehen die Rallyewagen jetzt an den Flüchtlingshilfeverein Bergkarabach und werden an Bedürftige verschenkt.

Text: MP / FCS