mobile.de: 90 Jahre Fiat

90 Jahre Fiat in Deutschland

Tanti auguri, Fiat Deutschland!

Seit 90 Jahren ist Fiat eine feste Größe auf dem deutschen Automarkt. Mit Kleinwagen wie dem Fiat 500 "Topolino" und später mit dem Panda hat der italienische Importeur ein Stück Automobilgeschichte geschrieben. Über vier Jahrzehnte lang wurden Autos von Fiat auch in Deutschland gebaut.

10. Mai 2012

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts bringen Importeure die ersten Fahrzeuge aus der 1899 gegründeten Fabbrica Italiana Automobili Torino, kurz Fiat, über die Alpen und auch auf den deutschen Markt. Die Italiener haben Nutzfahrzeuge im Programm, die auch von der Regierung in Berlin geordert wurden.

Sie verschafften sich aber auch mit leistungsstarken Rennmaschinen Respekt. Der Fiat 300 hp Record von 1911 mobilisiert fast 300 Pferdestärken und stellt ein Jahr später einen Geschwindigkeitsweltrekord auf, indem er mit 290 km/h über die Rennpiste von Long Island fegt.

 

Erstes Engagement in Deutschland

Zehn Jahre später, am 5. Mai 1922, unterzeichnen vier Kaufleute einen Vertrag bei einem Münchner Notar und legen damit den Grundstein für die Deutsche Fiat-Automobil-Verkaufs-Aktiengesellschaft. Ein paar Jahre später steigen die Italiener als Großaktionäre beim deutschen Wettbewerber NSU ein, der durch die Weltwirtschaftskrise massiv unter Druck geraten war. 1929 übernimmt Fiat gemeinsam mit der Dresdner Bank das NSU-Werk in Heilbronn.

Dort laufen unter Fiat-Regie zunächst weiterhin NSU-Modelle vom Band. Ab 1934 fertigen die Italiener jedoch auch hierzulande ihre eigenen Modelle. Den Auftakt macht der Fiat 508 Balilla, der hierzulande unter dem Logo “NSU-Fiat“ auf die Straße kommt. 1938 liefert das Werk in Heilbronn mehr als 5.600 Fahrzeuge aus - in der Epoche eine beachtliche Stückzahl, die Produktion muss ausgeweitet werden.

Von Taxis und Mäuschen

Ein geschickter strategischer Zug der Italiener war es, im großen Stil Taxis auf Deutschlands Straßen zu bringen. Fiat-Droschken machten mit Zuverlässigkeit und geringen Unterhaltskosten von sich reden. Ein Großteil der Taxis wurde von den Karosseriewerken Weinsberg bei Heilbronn gefertigt. 1938 übernahmen die Italiener auch diese Produktionsstätte und ließen dort den Fiat 500 Topolino von den Bändern rollen.

Das „Mäuschen“, das Automobilität für breitere Schichten erschwinglich machte und Italien bis in den letzten Winkel im Sturm eroberte, begeisterte auch die deutsche Kundschaft. In Weinsberg ließen Fiat-Macher aber auch ganz eigene Modelle vom Stapel laufen - so zum Beispiel den NSU-Fiat Weinsberg Roadster auf Topolino-Basis, der heute ein ebenso seltener wie wertvoller Klassiker ist.

Neuanfang nach dem Krieg

Der Zweite Weltkrieg brachte für Fiat, wie für die meisten anderen Automobilhersteller, die große Zäsur. Statt flotter Roadster und pfiffiger Kleinwagen wurden auch in Heilbronn und Weinsberg unter anderem Kübelwagen und Komponenten für Militärflugzeuge montiert. Im ersten Nachkriegsjahrzehnt, als die junge Bundesrepublik ihr Wirtschaftswunder erlebt, können die Italiener zunächst nur mäßig mitmischen. Ausgebremst werden sie von ihrem noch recht mageren Händlernetz. Aber auch die überschaubare Produktpalette, die sich zu dieser Zeit vor allem auf den Fiat 500 Kombi stützt, schmälert die Absatzchancen beträchtlich.

Erst mit der Einführung des Fiat 600, einem kleinen Raumwunder, das in Deutschland als NSU-Fiat Jagst vermarktet wird, nimmt Fiat in Deutschland deutlich Fahrt auf, bringt 1955 erstmals fast 12.000 Autos im Land von Daimler, BMW und Volkswagen ab.

Fiat baut das beliebteste Importauto

In den Jahren des Aufschwungs entzündete sich der Streit um die Namensrechte mit der NSU Werke Aktiengesellschaft, die ab 1959 wieder selbst Autos baut. Die von Fiat kontrollierte NSU Automobil AG ändert ihren Namen in Neckar Automobil AG. Ernst zu nehmende Konkurrenz für die „Neue Klasse“ aus dem Hause BMW präsentieren die Italiener auf der IAA des Jahres 1961 mit dem Mittelklassemodell 1300.

Auch mit dem zeitgenössischen Stufenheck-VW Typ 3 wetteifert das Modell der Italiener. Es ist 20 Zentimeter kürzer als der VW, bietet aber einen 10 Zentimeter größeren Innenraum. Nicht zuletzt sorgt das gute Preis-Leistungs-Verhältnis dafür, dass der italienische Mittelklässler beliebtestes Importauto in Deutschland wird und Fiat im Jahr darauf erstmals mehr als 100.000 Fahrzeuge an die deutsche Kundschaft bringt.

Der Wettbewerb wird härter

1969 schickt auch die in Deutschland gebauten Fahrzeuge unter dem Markennamen Fiat auf die Straße. Vier Jahr später wird die Produktion in Deutschland komplett aufgegeben, was die Akzeptanz der Kundschaft allerdings nicht schmälert. Gerade während der Ölkrise 1973/74, als so mancher Hersteller mit schrumpfenden Absatzzahlen in die Bredouille gerät, haben die Italiener mit ihren Kleinwagen die richtigen Modelle im Programm.

Doch der Erfolgskurs wird schon bald durch massive Qualitätsprobleme gestoppt. Vor allem das leidige Thema Rost schadet dem Image. Innerhalb weniger Jahre gehen Fiats Verkaufszahlen in Deutschland um ein Drittel zurück. Autobauer aus Asien sorgen zudem für einen härteren Wettbewerb auf dem deutschen Markt.

Die Fiat-Familie ist gewachsen

Erst in den 1980er Jahren kann Fiat mit dem Panda auch hierzulande wieder punkten. 2007 beleben die Italiener die 500-Legende neu und bringen den Cinquecento als frechen Cityflitzer im Retro-Look heraus. Das gesamte Produktportfolio der Turiner hat sich durch die Übernahme einiger Marken erweitert. Heute firmieren Lancia und Alfa Romeo, Abarth, die Nutzfahrzeugmarke Fiat Professional und Jeep unter dem Dach des Konzerns, der im vergangenen Jahr in Deutschland einen Marktanteil von rund 3,1 Prozent eingefahren hat.

 

Text: Press-Inform / Susanne Kilimann