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24 Stunden von Le Mans

Funkenflug

Der Hybridantrieb hat den Sprung in den Rennsport geschafft. Audi siegte bei den 24 Stunden von Le Mans mit einem Diesel-Hybridantrieb.

19. Juni 2012

Es sollte der Vergleich der Hybrid-Systeme werden. Peugeot hatte schon vor einiger Zeit überraschend seine Teilnahme an den diesjährigen 24 Stunden von Le Mans abgesagt. Nun warteten alle darauf, wie sich die Hybridsysteme, mit denen Audi und Neueinsteiger Toyota ihre Boliden auf die Strecke schickten, bei der 80. Auflage des Rennklassikers schlagen würden. Am Ende war der Sieg eindeutig - doch es lag nicht an den Systemen.

Zwei verschiedene Konzepte

Audi ging in zwei seiner vier Fahrzeuge mit Hybridantrieb an den Start. Die R18 e-tron-Hybride aus Ingolstadt speichern die Energie, die beim Bremsen gewonnen wird, in Schwungrädern mit bis zu 40.000 Umdrehungen. Die Energie können sie dann als Booster bei Bedarf wieder abgeben. Kurzzeitig wird der rund 500 PS starke Dieselmotor des Audi R18 e-tron quattro so mit 163 kW/200 PS zusätzlich unterstützt.

Die beiden hinteren Räder werden dabei wie gehabt vom TDI befeuert. Der Zusatzstrom treibt bei Bedarf zwei Elektromotoren an den vorderen Achsen an - ein Audi quattro also.

Nur mit ein paar Zugeständnissen hatte Audi dieses Konzept durch bekommen - denn eigentlich sind in Le Mans keine Fahrzeuge mit vier angetriebenen Rädern erlaubt. Eine der Einschränkung: Der zusätzliche Drive an den Vorderrädern darf erst ab einem Tempo von 120 km/h einsetzen.

Anders die Japaner. Die beiden Toyota TS030 Hybrid treibt hauptsächlich ein Benzinmotor, der ebenfalls über 500 PS kommt. Jedoch arbeiten in den rot-weißen Rennern keine Rotationsspeicher, sondern Kondensatoren, die die elektrische Zusatzleistung blitzartig wieder abgeben können - vorschriftsmäßig an die Hinterräder.

Kurz auf Augenhöhe

Schon in den ersten Runden zeigte sich auf dem Rundkurs in der französischen Provinz, dass die Toyota mit den hoch favorisierten Audi durchaus mithalten konnten. Nach einer Stunde Rennen lagen die beiden e-tron-Audi mit den Startnummern 1 und 2 zwar in Führung - dicht gefolgt allerdings von den beiden Toyota. Dahinter dann die zwei herkömmlich angetriebenen Audi. Toyotas Sprecher Tom Mallett freute sich schon: "Es läuft besser als erwartet." Aber: "Wichtig ist jedoch, wo wir nach 24 Stunden sind."

Unfälle und technische Probleme

Dass diese Vorsicht angebracht war, erwies sich schon wenig später. Allerdings mussten zuerst die Audianer einen herben Rückschlag einstecken. Kurz nach 19:30 Uhr setzte Romain Dumas den herkömmlich angetriebenen Audi R18 mit der Startnummer 3 beim Überrunden eines GT-Fahrzeugs an der ersten Schikane gegen die Leitplanke und demolierte dabei die Frontverkleidung und die rechte vordere Radaufhängung. In der Formel 1 bedeutet so etwas das Aus - in Le Mans eine zusätzliche Herausforderung.

Einen der beiden Toyota erwischte es dann nur wenig später deutlich härter. Kurz vor der Mulsanne-Kurve machte ein Ferrari einen Schlenker mit dem Heck und touchierte dabei den gerade überholenden Toyota mit der Startnummer 8. Der geriet quer, verlor den Anpressdruck, wurde hochgeschleudert, drehte in der Luft einen Salto und landete völlig lädiert im Reifenstapel. Neben ihm schlug der Ferrari ein und blieb auf dem Dach liegen.

Bei Toyota-Fahrer Anthony Davidson diagnostizierten die Ärzte später im Krankenhaus zwei gebrochene Brustwirbel. Der Ferrari-Fahrer Piergiuseppe Perazzini dagegen blieb unverletzt. Und Toyota war nach fünf Stunden Rennen nur noch mit einem Fahrzeug unterwegs.

Das Batmobil

Glück für Audi. Denn während der anschließenden langsamen Safety-Car-Phase konnten die Mechaniker den zuvor verunfallten Wagen von Dumas richten, ohne dass er zu weit im Feld zurückfiel. An der Position 24 stieg Nummer 3 mit acht Runden Rückstand wieder ins Rennen ein und begann eine rasante Aufholjagd - darunter mit der besten Rundenzeit von 3:24.189. Die Jagd dauerte die ganze Nacht bis in den späten Morgen hinein.

Während dessen lichtete sich das Feld nach und nach. Gegen 03:00 Uhr früh schied Nissans spektakulärer Publikumsliebling DeltaWing aus, eine Mischung aus Dreirad, mattschwarzem Stealth-Bomber und Batmobil - ausgerechnet nach einem Crash mit dem zweiten Toyota, der ebenfalls ausfiel.

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff