Autoland China: Der Markt

Autoland China: Der Markt

Dabei sein ist alles

China verhilft den meisten deutschen Autobauern zu neuen Bestmarken. Der größte Einzelmarkt Asiens jagt unbeirrt von Rekord zu Rekord.

Deutschlands Premium-Automobilherstellern geht es bestens – nicht zuletzt dank China. Das bevölkerungsreichste Land der Welt (rund 1,34 Milliarden Einwohner) kauft und kauft und kauft Autos. Und mit Wonne deutsche.

Von einer Absatzkrise wie in Europa gibt es trotz rückläufiger bzw. gänzlich eingestellter staatlicher Subventionen keine Spur. Im ersten Halbjahr 2012 verzeichnet der chinesische Pkw-Markt ein Plus von 7,1 Prozent auf 7,61 Millionen Einheiten.

Das sind gut 2,5 Mal so viele Autos, wie in Deutschland im gesamten vergangenen Jahr verkauft wurden (3,17 Millionen) – und vier Mal so viele wie im ersten Halbjahr 2012 (1,63 Millionen).

Insgesamt setzten die Automobilbauer in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 9,6 Millionen Fahrzeuge in China ab, ein Plus von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr.

 

 
 

Deutschland dominiert den Premium-Markt

Im Juni 2012 konnte die chinesische Autobranche zum vierten Mal in Folge die Erwartungen der Analysten übertreffen, meldet der Branchenverband China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) mit einer gewissen Genugtuung.

Prozentual zu den größten Gewinnern zählen die japanischen Hersteller. Der Grund für die teils exorbitanten Zuwächse: Durch die Erdbebenkatastrophe in Japan im März 2011 war die Produktion und damit der Absatz dramatisch eingebrochen. Toyota darf sich jetzt über ein Plus von 19 Prozent freuen (70.500 Einheiten), Honda schaffte 84 Prozent mehr (64.652 Einheiten).

Ganz vorn dabei in China sind die deutschen Hersteller, die vor Ort produzieren. Audi meldet knapp 194.000 verkaufte Fahrzeuge. Damit ist das Reich der Mitte größter Einzelmarkt der Ingolstädter – und ein extrem erfolgreicher.

China ist größter Einzelmarkt von Audi

Meistverkauftes Modell ist der in Changchun gefertigte Audi A4L (51.131 Einheiten, plus 42,9 Prozent), gefolgt vom Edel-SUV Q5 (43.150, plus 86,7 Prozent). Die importierten Fahrzeuge (ohne Hongkong) legten um 36,2 Prozent auf 35.062 Einheiten zu. Outperformer hier ist der Audi A8L mit 8.761 Einheiten (plus 83,2 Prozent).

Nächster Verkaufsgarant wird wohl der Q3, den Audi Ende 2011 werbewirksam auf der „Q3 Trans China Tour“ 5.700 Kilometer durch die Volksrepublik touren ließ. Im Juli startet der Verkauf des Kompakt-SUV in China, 2013 beginnt die Produktion vor Ort.

Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 hat Audi in China um 37,8 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt das Audi-Plus in den ersten sechs Monaten 7,3 Prozent (134.000 Einheiten), in den USA 16,5 Prozent (rund 65.000).

Unterm Strich bescherte der chinesische Markt Audi eine weitere Bestmarke: Mehr als 733.000 Fahrzeuge hat die Marke mit den vier Ringen noch nie in einem Halbjahr verkauft.

VW steht kurz vor der Millionenmarke

Konzernmutter Volkswagen verkauft in China inzwischen mehr als drei Mal so viele Autos wie in den USA. 295.300 Fahrzeugen in der Region Nordamerika (plus 24,2 Prozent im Halbjahresvergleich) stehen 982.600 in China und Hongkong gegenüber (plus 15,2 Prozent). Damit ist China der mit Abstand größte Einzelmarkt von Volkswagen in der Region Asien-Pazifik (insgesamt 1,09 Millionen Einheiten, plus 15 Prozent).

Bestwerte beim weltweiten Absatz meldet auch BMW. Die drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce knackten im ersten Halbjahr 2012 erstmals die 900.000er-Marke. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 8,1 Prozent.

Auf dem chinesischen Markt hat BMW gut 159.000 Fahrzeuge im ersten Halbjahr 2012 verkauft. Damit stieg die Zahl der Auslieferungen im Reich der aufstrebenden Besserverdiener um satte 30,7 Prozent.

China hat BMWs traditionell stärksten Auslandsmarkt Amerika damit knapp von Platz eins verdrängt: Dort setzten die Bayern in den ersten sechs Monaten dieses Jahres „nur“ 158.563 Einheiten ab (plus 10,5 Prozent) – 393 weniger als in China.

Schwaben in China

Bei Mercedes-Benz schlägt die Region Asien/Pazifik (u.a. Japan, China) zwar den NAFTA-Raum (Kanada, Mexiko, USA) mit 166.740 zu 147.986 Einheiten. Absatzstärkster Einzelmarkt bleiben allerdings die Vereinigten Staaten: 128.595 Einheiten in den USA (plus 15,9 Prozent) stehen 99.391 in China gegenüber (plus 7,8 Prozent).

Prozentualer Überflieger ist hier Daimler-Tochter Smart. Allen im Juni hat der Stadtflitzer in den Staaten um 208 Prozent zugelegt. In den ersten sechs Monaten beträgt das Plus in den USA 85,8 Prozent, in China inklusive Hongkong 59,3 Prozent. Insgesamt verzeichnet Mercedes-Benz Cars im ersten Halbjahr 2012 ein Plus von 6,5 Prozent. Auch für die Schwaben gilt: 708.517 Einheiten insgesamt sind eine neue Bestmarke.

Sportwagen-Ikone Porsche verkauft in China längst weit mehr Autos als in der Heimat. 9.536 Einheiten im Bundesrepublikle (plus 20,8 Prozent) stehen 15.274 ausgelieferte Neuwagen in China gegenüber (plus 24,5 Prozent). Größter Einzelmarkt mit 16.450 Einheiten (plus 5,8 Prozent) sind die USA. „Noch“, möchte man anfügen.

Text: Ralf Bielefeldt