Das verrückteste Autorennen der Welt

Wer fährt am weitesten mit nur 1 Liter Sprit? 180 Hochschulen aus ganz Europa haben Teams nach Brandenburg geschickt, um den Sprit-Spar-Rekord zu knacken – auf dem Shell Eco Marathon

Hier schraubt der Prof noch selbst: Beim Shell Eco Marathon sind Professoren mit ihren Studenten auf der Rennstrecke. Gemeinsam werden die skurrilsten Vehikel an den Start gebracht. Flach, leicht, grellbunt angemalt – Hauptsache, sie bieten dem Wind wenig Widerstand.

Hintergrund des Spektakels, das bis Sonntag auf dem Lausitzring im südlichen Brandenburg stattfindet: den Spritspar-Rekord zu knacken. Keine leichte Aufgabe, liegt der doch bei 4.896 Kilometern mit nur 1 Liter Benzin.

Natürlich hat die französische Hochschule Nantes, deren Team "Microjoule" diesen irrsinnigen Rekord im vergangenen Jahr aufstellte, nicht 4.896 Kilometer am Stück absolviert. Es werden acht Runden auf dem Lausitzring absolviert, die Rennleitung rechnet den Verbrauch auf diesen 25 Kilometer anschließend hoch.

Der Eco Marathon ist auch ein Party-Marathon

Mindestens genauso wichtig wie der Wettkampf der europäischen Hochschulen – 180 Teams zwischen Ankara und Zaragoza sind am Start – ist die lockere Atmosphäre in der internationalen Zeltstadt: Jedes Team schraubt Tag und Nacht, um die Technik in den Griff zu kriegen. Doch jedes Team feiert auch bis in die Nacht hinein und hilft den anderen, wenn es mal mit der Mechnik hapert.

So ist die schräge Veranstaltung, die bereits seit Jahren jedes Frühjahr die Studenten und Berufsschüler beschäftigt, auch eine große Party unter Europas schraubender Jugend.

Und der Wettbewerb selbst wird immer ausgefeilter: Inzwischen gibt es neben den flachen Renn-Mobilen mit Verbrennungsmotor auch die Klasse "Urban Concept" für "richtige" Autos sowie einen Solar- und Elektro-Wettbewerb.

Viele der Vehikel tragen witzige Namen

Aus 27 Ländern sind Teams auf dem Lausitzring; die Favoriten sind wie seit langem die Franzosen. Das liegt nicht nur an deren Expertise, sondern auch an einem gewissen Heimvorteil: Bis 2009 fand der Shell Eco Marathon im südfranzösischen Nogat statt, dann wurde das Event nach Brandenburg verlegt, um Hochschulen in Osteuropa die Teilnahme zu erleichtern.

Für viele Teams ist das Dabeisein alles. Ohne lokale Sponsoren, die "ihre" Hochschule tatkräftig unterstützen, könnten viele die Material- und Reisekosten gar nicht aufbringen. Und bis zuletzt zittern sie, ob ihre zusammengebastelten Seifenkisten auch wirklich den Testlauf bestehen.

Dass der tierische Ernst nicht überwiegt, zeigt bereits das liebevolle Design vieler Renn-Mobile: Sie sind farbenprächtig bemalt, mit lustigen Aufklebern verziert und tragen witzige Namen. So gibt es das "Bad Mobile" aus Limburg, den "LeoPART" vom Leo-Sympher-Berufskolleg, den "Entenzwicker" und den "Schluckspecht" aus Offenburg. Die Schweiz schickt "Consomini", aus Frankreich kommen die "E-cow" und das "Yeticar".

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