mobile.de: Motorrad-Vergleich

Vergleich Ducati 1100 Monster Evo vs. KTM 125 Duke

Monster gegen Motorrädchen

Ducati und KTM präsentieren ihren neuen Naked Bikes. Rund 1000 Kubik und 7.500 Euro trennen 1100 Monster Evo und 125 Duke. Merkt man das wirklich?

 

Die perfekte Liaison aus Technik, Leistung und Design, das ist die Mission von Ducati. Und nur sehr böswillige Zungen behaupten, dass dieses hehre Anliegen nicht umgesetzt worden wäre. Bestes Beispiel: die Monster, "la mamma“ aller Naked Bikes.

1993 erstmals auf die Knie-in Kurven-Schleifer dieser Welt losgelassen, wurde die nahezu unverkleidete Monster in 18 Jahren rund 250.000 Mal verkauft. Und zur nackten Ikone. Jetzt steht sie "als ultimative Monster“ bei den Händlern – so jedenfalls verkauft Ducati die neuste Entwicklungsstufe, die Monster 1100 Evoluzione, kurz "Evo“.

Als derzeit einziger Hersteller dieser Welt setzt Ducati bei seinen Motoren auf einen zwangsgesteuerten Ventiltrieb (Desmodromik). Dem "Desmodue Evoluzione“-Motor der 1100 Evo verhilft diese Technik (samt einiger anderer Maßnahmen) zu 100 PS. So viele Pferdchen hatte noch kein anderer Zwei-Ventil-Zweizylinder von Ducati.

Einen falschen Gang gibt's nicht bei der Ducati

Damit diese Pferdchen nicht ungezügelt mit dem Fahrer durchgehen, haben die Italiener ihrem Bestseller das Ducati Safety Pack spendiert, das auch schon die 162 Pferdestärken des Power-Cruiser Diavel beherrschbar macht.

ABS und DTC (Ducati Traction Control), letztere vierfach einstellbar, sorgen serienmäßig für Beherrschbarkeit in fast allen Lagen. Die neue Ölbadkupplung reduziert den Kraftaufwand beim Kuppeln und verhindert das "Stempeln“ des Hinterrads beim Runterschalten. So wird aus der Monster das ideale Spielzeug für gestandene Profis und ambitionierte Aufsteiger.

Sechs Gänge hat der Fahrer zur Verfügung, um die 1100 Evo durch Ebenen und enge Kurven zu scheuchen. Das gelingt auch zaghaften Fahrern erstaunlich problemlos. Über den gesamten Drehmomentverlauf reagiert die Monster Evo äußerst willig auf jeden Dreh am Gashahn, selbst im vermeintlich falschen Gang.

Die erste Fahrstufe ist recht lang übersetzt. Das kann zaghafte Anfahrversuche zum Scheitern verurteilen. Selbst gestandene Profi-Biker würgen die Monster ab. Anfangs.

Manchmal machen 2 cm den Unterschied

Sichtbarer Gitterrohrrahmen aus Stahl, sichtbarer Heckrahmen aus Aluminium, breite Ducati-Corse-Streifen (so heißt das Rennteam) vom vorderen Kotflügel bis zur Abdeckung der Beifahrersitzbank, Zehn-Speichen-Felgen, gewaltiger 2-in1-in-2-Auspuff. Die Monster 1100 Evo will Eindruck machen.

Und das gelingt ihr auch. Wer sich nicht nach dem Teil umdreht, hat kein Herz für Formen und keinen Sinn für Töne. Die Sitzposition haben die Italiener dankenswerterweise gleich mit verbessert im Zuge der Monster-Evolution. Der Lenker ist jetzt 20 Millimeter höher.

Das klingt nach nichts, macht aber die entscheidenden zwei Zentimeter aus, die den berühmten Affen auf'm Schleifstein von Helden auf'm Hobel unterscheiden. Die leicht veränderte Sitzbank bietet mehr Komfort, auch für den Sozius, der sich beim ballistischen Beschleunigen jetzt an Haltegriffe am Heckrahmen klammern kann. Und dank des anders verlegten Auspuffs endlich weiß, wohin mit seinen Beinen.

Wie will eine KTM mit mickrigen 15 PS dagegen an?

Das Umsteigen von einer Ducati Monster 1100 Evo auf eine KTM 125 Duke ist laut Datenblatt ein echter Abstieg: ein Zylinder statt zwei, 12 Newtonmeter statt 103.

15 PS statt 100, 110 km/h Spitze statt 225, 124,7 Kubikzentimeter Hubraum statt 1078. Nur beim Preis lacht das Herz laut auf: 3.898 Euro statt 11.390.

Doch das sind Zahlen. Nackte Zahlen, und die zählen nicht bei diesen Naked Bikes, dafür ist der Leistungsunterschied einfach zu krass. De facto zaubert der Sitzbankwechsel dennoch den allermeisten Fahrern ein Lächeln aufs Gesicht.

Kein ABS für die kleine KTM

Die KTM 125 Duke ist ein richtig erwachsenes Motorrad, auch wenn sie schon von 16-Jährigen gefahren werden darf, dann allerdings gedrosselt auf 80 km/h. Extrem handlich, da sehr leicht (124 kg). Extrem schräglagentauglich, da optimale Masseverteilung.

Hochwertig ausgestattet (z.B. LED-Rückleuchten), einzig ABS fehlt. Gerade im Hinblick auf die jungen Fahrer wäre ein Antiblockiersystem wünschenswert, trotz oder gerade wegen der guten Bremswirkung.

Die Tauchrohre der so genannten Upside-Down-Gabel (bedeutet: Die oberen Rohre schieben sich beim Eintauchen über die unteren) messen 43 Millimeter – genauso viel wie bei KTMs Superbike 1190 RC8 R (175 PS, ab 18.998 Euro). Und wie bei der 7.500 Euro teureren Ducati Monster 1100 Evo.

125 ccm erfordern Geduld beim Überholen

Fahrwerk, Bremsen und Rahmen wurden von den KTM-Ingenieuren deutlich größer dimensioniert und stabiler ausgelegt als bei 125er-Maschinen üblich. "Dieser Rahmen verträgt sicher auch einen 250- oder 300-Kubik-Motor“, sagt KTM-Sprecher Thomas Kuttruf – ohne damit andeuten zu wollen, dass es einen von beiden demnächst geben wird. Was aber keinen überraschen würde, der auf der "kleinen“ Duke gesessen hat.

Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit sind alles andere als monstermäßig. Damit sich die Tachonadel der 110-km/h-Marke nähert, muss sich der Fahrer nahezu unsichtbar machen hinter dem Zentralinstrument, das oberhalb des Scheinwerfers thront. Und Langmut beweisen.

Überholmanöver von Lkw sollten von langer Hand vorbereitet sein: Anpirschen im Windschatten, nachfolgenden Verkehr beobachten, ausscheren, wenn hinten weit und breit keiner zu sehen ist – und dann die Nerven behalten. So ein Lastwagen kann ganz schön lang sein.

Insekten haben keine Chance auszuweichen

Ein bisschen Mut gehört also dazu – aber nur, wenn man den Unterschied kennt, zum Beispiel nach einem Ritt auf der Ducati Monster 1100 Evo. Kurz den Gashahn aufgerissen, nahezu egal in welchem Gang, und der Lkw ist ein schwarzer Punkt im Rückspiegel.

100 Pferdestärken, losgelassen auf 169 kg Trocken- bzw. 188 kg Fahrgewicht (plus Fahrer), lassen Insekten keine Ausweich-Chance. Die 1100 Evo marschiert wie ein Monster. Alles andere wäre auch eine Enttäuschung bei der Ikone aus Borgo Panigale.