mobile.de: Ist E10 öko?

Treibtoff E10

Wie grün ist E10 wirklich?

Viele Autofahrer lehnen E10 nicht wegen technischer Risiken ab: Ihrer Meinung nach ist der neue Kraftstoff bei weitem nicht so umweltfreundlich, wie behauptet wird. Stimmt das?

23. März 2011

Interessante Studie: In einer aktuellen Umfrage möchte der ADAC herausfinden, warum Autofahrer E10 boykottieren. Das bisherige Ergebnis spricht Bände: Eine erdrückende Mehrheit von Verweigerern (rund 40 Prozent der Umfrageteilnehmer) ignoriert E10, weil sie vom Nutzen für die Umwelt nicht überzeugt sind.

Offiziell scheint der Umweltschutz bei E10 keine Priorität zu haben: Keiner weiß, wo die zehn Prozent Ethanol im Benzin eigentlich herkommen. Anders als bei Lebensmitteln, sind die Sprithersteller nicht verpflichtet, den Ursprung der Rohstoffe auf der Verpackung, also der Zapfsäule, aufzuführen. Fest steht, dass die Quelle von Ethanol nachwächst. Die gleiche Menge an CO2, die durch die Verbrennung abgegeben wird, ist zuvor beim Wachstum der Pflanze gebunden worden – Ethanol ist damit klimaneutral.

Shell zum Beispiel verwendet darüber hinaus nur Bioethanole, die zertifiziert sind. Aber was heißt das? Wird Ethanol aus südamerikanischer Maisproduktion erworben, erfolgt der Transport nach Europa per Tanker – nicht anders als Erdöl. Doch im Wesentlichen stammt Ethanol in E10 von Zuckerrüben und Getreide, sie wurden also in Deutschland oder einem Nachbarland produziert.

Energie-Ackerbau lässt Landpreise steigen

Wie die Umweltfreundlichkeit von E10 berechnet wird, ist unklar. Die Bundesregierung verlangt immerhin von den Spritherstellern, dass sie die Herkunft der Zutat aufdecken. Es ist verboten, für den Pflanzenanbau geschützte Flächen wie Regenwald oder Feuchtgebiete zu verwenden.

Doch die Kritiker von E10 behaupten, dass Ethanol aus Rohstoffen gewonnen wird, die eigentlich und ursprünglich Lebensmittel sind. Wenn also in großem Stil Zuckerrüben, Zuckerrohr und Weizen zu Treibstoff wird, müsste dies zu einer Verteuerung der Lebensmittelpreise führen, und das wäre zumindest unmoralisch. Doch zum Beispiel in Brasilien, berichtet das Fachmagazin ADAC motorwelt, wird nur 1,5 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche für Zuckerrohr verwendet. Im Gegensatz dazu steht, dass in Norddeutschland Energiebauern aufgrund der steigenden Preise von Agrarsprit höhere Preise für Pachtland zahlen können als Milchbauern. Das würde mittelfristig tatsächlich dazu führen, dass die Preise für Milch und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse steigen.

"Aus welchen Gründen die Autofahrer E10 auch immer meiden, sie tun auf jeden Fall das Richtige", sagte ein Greenpeace-Sprecher kürzlich auf einem deutschen Nachrichtenportal. Nach Ansicht der Umweltexperten ist die E10-Maßnahme falsch, weil sie wenig bewirkt – mehr Effekt hätte ihrer Ansicht nach ein nationales Tempolimit (wie es überall in Europa bereits existiert) sowie sparsamere Motoren und kleinere Autos. Doch eine solche Politik scheint vorerst noch nicht durchsetzbar zu sein.