mobile.de: E10 schadet Klassikern

Treibtoff E10

Klassiker tanken ab sofort teuer

Etwa zehn Prozent der Autos in Deutschland vertragen E10 nicht. Darunter sind leider auch viele erhaltenswerte Youngtimer. Was können Besitzer tun, um noch lange fahren zu können?

15. März 2011

Für Klassikerfreunde ist E10 ein besonderes Reizthema: Viele Autos, die vor 1990 gebaut wurden, vertragen das Ethanol im Sprit nicht mehr. Welche das sind, steht in der offiziellen Liste der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, die regelmäßig aktualisiert wird. Wer also zukünftig nach einem alltagstauglichen Klassiker sucht, sollte immer auch die potenzielle E10-Tauglichkeit berücksichtigen.

Bei Unverträglichkeit hilft nur, weiterhin das konventionelle Super E5 zu tanken – oder im letzter Konsequenz die Umrüstung auf Autogas. Doch wer nicht eine vierstellige Summe investieren kann, ist darauf angewiesen, dass der bisherige Kraftstoff E5 (steht für fünf Prozent Bioethanol) weiterhin angeboten wird.

Shell und Aral haben bereits angekündigt, diese Sorte wieder ins Programm aufzunehmen. Doch das kann noch einige Wochen dauern. Bis dahin müssen die Youngtimer mit Super Plus betankt werden.

Viele 20 Jahre alte Autos vertragen kein E10

Die Tankstellenbetreiber sind dazu verpflichtet, E5 auch weiterhin zum alten Preis anzubieten. Doch offenbar nutzen viele die Produkteinführung für eine versteckte Preiserhöhung, kritisiert der ADAC: E5 steige derzeit im Preis um bis zu acht Cent gegenüber E10 – oder es werde nur noch die teure Kraftstoffsorte Super Plus mit 98 Oktan als Ersatz angeboten.

So oder so müssen Autofahrer mit Modellen, die den neuen Kraftstoff nicht verkraften, künftig mehr bezahlen. Die Grenze liegt je nach Hersteller ungefähr zwischen Baujahr 1990 und 1995. 

E5-Autofahrern kann nur empfohlen werden, nach Tankstellen zu suchen, die für E5 und E10 noch den gleichen Preis aufrufen. Dazu bieten sich Preisvergleichsportale im Internet wie zum Beispiel Clever-Tanken an.

Für Oldtimerfahrer wird die Luft bald dünn

Für Oldtimerfreunde wird die Luft auf alle Fälle dünn: Bis Mitte 2013 soll der bisherige Kraftstoff E5 einen Bestandsschutz genießen. Danach ist kein Tankstellenbetreiber mehr verpflichtet, den Sprit anzubieten. Ob dann zumindest noch Super Plus 98 am Markt sein wird, ist letztendlich eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

Die Konsequenz: Klassiker mit Benzinmotor dürften im Preis drastisch fallen, Dieselmodelle dagegen steigen. Problem bei vielen Typen: Hersteller wollen sich teilweise nicht festlegen, weil sie das Risiko der Haftung fürchten, wenn die Substanz eine Spritleitung zerfrisst und im schlimmsten Fall ein Brand entsteht. Oldtimerbesitzer sollten die Fachabteilung des Herstellers oder, wenn das nichts hilft, einen kompetenten Club bzw. eine IG kontaktieren.

Wer ins Ausland fährt: E10 ist dort teilweise eingeführt, teilweise aber auch noch nicht:

  • In Österreich soll es im Oktober 2012 auf den Markt kommen
  • In Frankreich gibt es E10 bereits seit 2009 – parallel dazu wird E5 angeboten
  • In der Schweiz ist die Einführung von E10 nicht vorgesehen