mobile.de: ADAC-Kritik an E10

Kritik vom ADAC

Klassisches Benzin E5 kommt wieder

Die Drohung hat gewirkt: Nachdem der ADAC die Ölkonzerne anzeigte, haben die beiden Marktführer reagiert. In Kürze soll klassisches Benzin (E5) wieder zum alten Preis erhältlich sein.

28. April 2011

Die Macht der Straße: Seit Wochen boykottieren Millionen Autofahrer beharrlich den neuen Benzin-Kraftstoff E10 und bringen so die Logistik der Tankstellenbetreiber durcheinander. Dann hat auch noch der ADAC Anzeige gegen fünf marktbeherrschende Erdölkonzerne erstattet – und prompt reagieren zwei von ihnen: Aral und Shell haben angekündigt, in Kürze das klassische E5-Benzin mit 95 Oktan wieder anzubieten.

Dazu sind sie zwar vom Gesetzgeber verpflichtet. Dennoch gab es nach Einführung des neuen Kraftstoffs E10 mit zehn Prozent Ethanol-Anteil, den nicht alle Automotoren vertragen, an den meisten Tankstellen keine Alternative zum gleichen Preis. Stets verwiesen die Tankstellenbetreiber auf den hochwertigen Kraftstoff Super Plus, der nach wie vor als Variante mit 5 Prozent Ethanol (E5) erhältlich ist. Doch der kostet bis zu 15 Cent pro Liter mehr.

Nach mehrfacher Kritik, die nichts bewirkte, ließ Deutschlands mächtigster Autofahrer-Verband (17 Millionen Mitglieder) die Muskeln spielen und erstattete gegen fünf internationale Erdölkonzerne Anzeige. Der Vorwurf gegen Aral und BP, Jet, OMV und Shell: Ihre Tankstellen bieten zwar E10, aber keine Alternative zum gleichen Preis an. Damit verstoßen die Konzerne nach Auffassung des ADAC gegen das Gesetz.

Aral und Shell stellen nun ihre Tankstellennetze wieder um. "Wir bitten um Verständnis, dass solch großflächige Umstellungen mehrere Wochen in Anspruch nehmen können", sagte ein Shell-Sprecher.

Die Richtlinie zum neuen Kraftstoff E10

Die Richtlinie aus der BImSchVO (Bundesimmissionsschutzverordnung) im Wortlaut:

"Wer Ottokraftstoffe nach Absatz 1 der Qualität „Normal“ oder „Super“ mit mehr als 5 Volumenprozent Ethanol anbietet, ist verpflichtet, an derselben Abgabestelle auch Ottokraftstoffe nach Absatz 1 der Qualität „Super“ mit einem maximalen Sauerstoffgehalt von 2,7 Massenprozent und einem maximalen Ethanolgehalt von 5 Volumenprozent anzubieten."

Vom Preis ist hier zwar keine Rede; aber nach Meinung des ADAC kann ein Bestandsschutz-Sprit nur zum gleichen Preis angeboten werden – sonst würden Autofahrer benachteiligt, die den neuen Kraftstoff nicht tanken können. Auch spricht der Gesetzgeber ausdrücklich von "Super" und nicht von "Super Plus".

 
 
 

Das Einlenken von Aral und Shell kann als Durchbruch gewertet werden: Das Tankstellennetz der beiden Ölfirmen zusammen kommt auf 40 Prozent Marktanteil in Deutschland. In Kürze werden die kleineren Konkurrenten nachziehen müssen, wollen sie nicht massiven Umsatzrückgang erleiden.

Wie geht es nun weiter? E10 soll nach wie vor verkauft werden. Allerdings tanken bisher weniger als die Hälfte der Autofahrer das neue Produkt. Kommt jetzt die Alternative E5 zum gleichen Preis zurück, dürfte die Bereitschaft zum Umschwenken eher noch geringer werden.

Aber jedenfalls muss sich fast keiner Sorgen machen, das Falsche zu tanken: Nach Berechnungen der deutschen Autohersteller vertragen inzwischen 99 Prozent aller Pkw mit Benzinmotor den Kraftstoff E10.

 

Ist mein Auto E10-geeignet?

Tatsächlich vertragen nicht alle Modelle das aggressive Gemisch (es ist nur für Benzinmotoren tauglich). Welche das sind, verrät die offizielle Liste der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH , die regelmäßig aktualisiert wird. Doch die Liste hat ihre Tücken: Dort stehen diverse Ausnahmen, die für Autofahrer nicht immer zweifelsfrei identifiziert werden können. In diesem Fall empfiehlt mobile.de den Kontakt zum Vertragshändler.

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E10 kann auch Gift sein: Die meisten Autos, die älter sind als 20 Jahre, werden von dem zehnprozentigen Ethanolanteil irreparabel beschädigt. Das heißt nichts anderes, als dass viele Youngtimer nicht mit E10 betankt werden dürfen.