mobile.de: E10 wird verweigert

Treibtoff E10

Autofahrer verweigern E10

Die deutschen Autofahrer misstrauen dem neuen Benzin E10. So wenige bisher tanken den Sprit mit 10% Bioethanol, dass jetzt Aufklärung der Verbraucher an erster Stelle steht.

12. April 2011

Viel Ärger mit E10: Seit 1. Januar soll der neue Kraftstoff in Deutschland angeboten werden. Er enthält zehn Prozent Bioethanol aus Pflanzenanbau wie etwa Mais und Zuckerrüben. Doch weil vielen nicht klar ist, ob ihr Auto davon nicht kaputt geht, verweigern sie den Sprit: In einer aktuellen Umfrage haben 70 Prozent der Autofahrer angegeben, sie würden E10 nicht tanken.

Das Misstrauen geht so weit, dass die Tankstellenbetreiber den Kraftstoff am liebsten vom Markt nehmen würden, doch dann drohen Bußgelder. An E10 selbst liegt das Problem nicht; über 90 Prozent der Autos nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums vertragen den Sprit. Nun schieben sich Benzinfirmen und die Bundesregierung die Schuld an der Unwissenheit der Autofahrer gegenseitig zu.

Der gestrige Benzingipfel hat nun ergeben, dass E10 auf dem Markt bleiben wird. Die Verbraucher sind weiterhin angehalten, sich selbst darüber zu informieren, ob ihr Fahrzeug den umstrittenen Biokraftstoff verträgt.

Fest steht überdies, dass die meisten Autos, die älter sind als 20 Jahre,  E10 grundsätzlich nicht vertragen. Wer nur einmal den falschen Sprit tankt und damit den Motor anlässt, hat damit meist schon irreparable Schäden verursacht.

Oldtimerfahrer sind also darauf angewiesen, dass der bisherige Kraftstoff E5 (steht für fünf Prozent Bioethanol) weiterhin angeboten wird.

Viele 20 Jahre alte Autos vertragen kein E10

Die Tankstellenbetreiber sind dazu verpflichtet, E5 auch weiterhin zum alten Preis anzubieten. Doch offenbar nutzen viele die Produkteinführung für eine versteckte Preiserhöhung, kritisiert der ADAC: E5 steige derzeit im Preis um bis zu acht Cent gegenüber E10 – oder es werde nur noch die teure Kraftstoffsorte Super Plus mit 98 Oktan als Ersatz angeboten.

So oder so müssen Autofahrer mit Modellen, die den neuen Kraftstoff nicht verkraften, künftig mehr bezahlen. Die Grenze liegt je nach Hersteller ungefähr zwischen Baujahr 1990 und 1995.  E5-Autofahrern kann nur empfohlen werden, nach Tankstellen zu suchen, die für E5 und E10 noch den gleichen Preis aufrufen. Dazu bieten sich Preisvergleichsportale im Internet wie zum Beispiel Clever-Tanken an.

Einige Umweltschutzverbände haben inzwischen dazu aufgerufen, den Sprit zu boykottieren. Denn letztendlich führe die Verwendung von Bioethanol zu einer Verteuerung von Lebensmitteln. Auch könne der wachsende Anbau von Energiepflanzen dazu führen, dass zusätzliche Waldflächen abgeholzt werden. Das schadet der Umwelt mehr, als E10 nützt.

Für Oldtimerfahrer wird die Luft bald dünn

Für Oldtimerfreunde wird die Luft auf alle Fälle dünn: Bis Mitte 2013 soll der bisherige Kraftstoff E5 einen Bestandsschutz genießen. Danach ist kein Tankstellenbetreiber mehr verpflichtet, den Sprit anzubieten. Ob dann zumindest noch Super Plus 98 am Markt sein wird, ist letztendlich eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

Die Konsequenz: Klassiker mit Benzinmotor dürften im Preis drastisch fallen, Dieselmodelle dagegen steigen. Problem bei vielen Typen: Hersteller wollen sich teilweise nicht festlegen, weil sie das Risiko der Haftung fürchten, wenn die Substanz eine Spritleitung zerfrisst und im schlimmsten Fall ein Brand entsteht. Oldtimerbesitzer sollten die Fachabteilung des Herstellers oder, wenn das nichts hilft, einen kompetenten Club bzw. eine IG kontaktieren.

Wer ins Ausland fährt: E10 ist dort teilweise eingeführt, teilweise aber auch noch nicht:

  • In Österreich soll es im Oktober 2012 auf den Markt kommen
  • In Frankreich gibt es E10 bereits seit 2009 – parallel dazu wird E5 angeboten
  • In der Schweiz ist die Einführung von E10 nicht vorgesehen