ADAC-Crashtest

Gefährliche Heimfahrt vom Baumarkt

Auch in einen Kleinwagen lässt sich ziemlich viel Ladung hineinquetschen. Doch bei einer Gefahrenbremsung wird Sperrgut zum tödlichen Tiefflieger, zeigt ein Crashtest vom ADAC

28. Juni 2011

Kleinwagen sind praktisch: Dank umlegbarer Rückbank lassen sich auch sperrige Gegenstände darin herumkutschieren. Doch wird das Transportgut nicht richtig gesichert, fliegt es bei einer Notbremsung dem Fahrer um die Ohren. Und das kann schwere Verletzungen verursachen.

Der ADAC lud einen Fiat Punto voll: Vorne wurden zwei Dummys platziert, hinten packten die Prüfingenieure voll mit Baumarkt-Artikeln – passend zur Jahreszeit, wenn viele Werkzeug, Baumaterial und Blumen einkaufen. In vielen kleineren Autos fehlen allerdings Haken und Ösen zum Festzurren der Ladung.

Beim ersten Test wurde alles verzurrt, schwere Gegenstände kamen nach unten, aus Gartenstühlen wurde eine improvisierte Sperre vor den Vordersitzen errichtet. Sie nützte beim Nothalt aus Tempo 50 prompt: Nur wenige der sperrigen Gegenstände wie Spaten, Farbeimer oder Gehwegplatten fand den Weg nach vorn.

Beim zweiten Test wurde hinten alles wild durcheinander aufgestapelt. Und so bewegte es sich auch bei der Gefahrenbremsung. Vor allem die Spatenstiele und Steinplatten entpuppten sich als mörderische Geschosse, die in Realität gefährliche Rücken- und Kopfverletzungen verursacht hätten.

Video: So testete der ADAC

Tipps zum richtigen Beladen Ihres Autos

Die Sitze in Kleinwagen sind dünn und können der Wucht der Gegenstände bei heftigem Bremsen nicht Stand halten. Sie bieten den Lendenwirbeln der Insassen kaum Schutz. Die Lehne der Rücksitzbank des Kleinwagens geriet bereits mit zwei Paketen voll Fliesen an ihre Belastungsgrenze. Weil Ösen und Haken zum Verzurren fehlen, ist eine zusätzliche Sicherung kaum möglich. Auch ist es nicht immer empfehlenswert, die Rückbank umzuklappen, da sie als schützende Trennwand dienen kann.

Gegenstände sollten nicht frei auf der Ladefläche stehen, sondern bündig an festen Flächen wie der Rückbank anstehen. Die Rücksitzlehne kann durch diagonal geschlossene Gurte unterstützt werden, falls dort niemand sitzt. Schwere Gegenstände gehören in den Fußraum, Zerbrechliches sollte in Decken eingewickelt werden. Vorhandene Haken und Ösen zum Verzurren sollten genutzt und Spanngurte im Auto auch für spontane Einkäufe immer mitgeführt werden.

Der ADAC fordert von den Herstellern, dass Ösen zum Festzurren in jedem Fahrzeug ausreichend vorhanden und eindeutig als solche gekennzeichnet sein müssen. Wie die Ladung im Auto sicher verstaut wird, sollte in der Bedienungsanleitung nachzulesen sein. Ein Hinweis auf die Belastungsgrenze der Halterungen gehört ebenso dazu. Für das Beladen mit umgeklappter Rücksitzlehne sollte auch für Kleinwagen Sicherheitszubehör wie beispielsweise stabile Netze angeboten werden.