Wie man einen Land Rover reanimiert

Der 23-jährige Philip Scherer entdeckte in Tansania einen alten Land Rover mit Sanitäts-Ausrüstung. Er ruhte nicht, bis das schrottreife Auto lief – wieder als Krankenwagen!
 

Als Philip Scherer im September 2010 für die Organisation "weltwärts" seinen Freiwilligendienst in einem Krankenhaus in Himo bei Moshi im Nordosten von Tansania anfing, stand dort einsam und verlassen, wahlweise als Hühnerstall oder Müllkippe verwendet, ein alter Land Rover Serie 2A 109 Ambulance.

Und so war auch der Zustand des Wagens: erbärmlich. Doch gerade das weckte den Ehrgeiz bei Philip Scherer: "Ich wollte das Auto unbedingt wieder zum Laufen bringen."

Dass der Oldtimer 1995 stillgelegt worden war und bereits 50 Jahre auf dem Buckel hatte, machte die ganze Sache nicht einfacher, aber spannender.

Landy sollte wieder als Krankenwagen dienen

Den Land Rover hatte Dr. Minjas, der Arzt vor Ort, 1980 gekauft und in Eigenregie zum dringend benötigten Krankenwagen umgebaut. Die hohen Reparaturkosten und der enorme Spritverbrauch führten 1995 schließlich zum Ausrangieren des Wagens. Jetzt wollte Philip Scherer den Veteran wieder zum Leben erwecken. Nach einigen Gesprächen mit Dr. Minjas schenkte der Arzt dem Autofan den Land Rover. Damit konnte die Restauration beginnen.

Doch der freiwillige Helfer wollte den Wagen nicht nur zum eigenen Vergnügen restaurieren, sondern auch wieder für seine ursprüngliche Bestimmung als Krankenwagen fertig machen. Schließlich war der Innenraum noch mit Patientenliege, Schränken für medizinische Geräte und Sauerstoffanlage ausgestattet, die Karosserie war mit der obligatorischen Lackierung versehen und auf dem Dach Sirene und Rundum-Warnleuchte angebracht.

"Gemeinsam mit meinem Freund British legte ich gleich los. Doch die Restauration gestaltete sich schwieriger als gedacht – es mussten Motor und Getriebe komplett überholt sowie andere defekte Geräte ausgetauscht werden. Und in Himo gab es nun nicht an jeder Ecke eine Werkstatt, die Originalersatzteile von Land Rover führte. Nach etlichen Arbeitsstunden war der Wagen zumindest fahrtauglich, aber an einem 1961 gebauten Auto ist immer etwas zu tun“, so Philip Scherer.

Zuverlässiger Allrounder für Ausflüge in die Savanne

Nach der langwierigen Bastelarbeit fährt Philip Scherer den Wagen fast täglich als Krankenwagen. Wenn der Land Rover nicht gerade für das Krankenhaus im Einsatz ist, erkundet Scherer die nördlichen Nationalparks Tansanias und erlebt mit dem Landy die faszinierende Vielfalt des afrikanischen Landes.

"Mein Traumauto hat mich so schon an viele atemberaubende Plätze gebracht und zusammen haben wir Löwen beim Jagen beobachtet, Elefanten beim Baden zugeschaut und Affen beim Spielen fotografiert. " Doch die zwei haben auf den schlechten Straßen Tansanias auch etliche nervenaufreibende Situationen bestanden: Sei es der Krankentransport von Patienten aus dem tiefsten Busch zur Regenzeit oder das Abschleppen von feststeckenden Traktoren auf einem Feld.

"Das Auto hat sich inzwischen als zuverlässiger Allrounder herausgestellt, auch wenn es mitunter 20 Liter auf 100 Kilometer verbraucht."

Dieser Auto-Traum endet traurig

Einen großen Traum wollte sich Philip Scherer eigentlich noch erfüllen: Der Land Rover sollte im September 2011 gemeinsam mit seinem Besitzer die Heimreise nach Deutschland antreten. Die Route war bereits festgelegt und die entsprechenden Visa waren beantragt. Doch dann der Schockmoment: Mitte Juni schlug das letzte Stündchen des Wagens.

Probleme an Motor und Getriebe waren mit relativ schnellen Reparaturen noch zu beheben. "Aber dann entdeckten wir den Rost im Rahmen, der an einigen Stellen bereits durchgebrochen war. Eine Strecke von rund 10.000 Kilometern war damit einfach nicht zu bewältigen und eine Reparatur zu teuer“, muss sich Philip Scherer leider eingestehen.

Nach langem Abwägen, wie der Land Rover noch zu retten wäre, beschloss er, sein Traumauto nach 50 Jahren Dienst in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. So blieb Landy in Afrika, das ja inzwischen auch seine Heimat geworden war.

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