Mein Auto - das gibt's gar nicht!

Jörg Fritz besitzt ein Firmengeheimnis: Sein US-VW Scirocco 1 Turbo ist ein Nullserienfahrzeug, das eigentlich nicht für den Straßenverkehr bestimmt war.

 

"Kein Mensch weiß, wie dieser Wagen aus dem VW-Werk herausgekommen ist.“ Jörg Fritz aus dem niedersächsischen Triangel bei Gifhorn kann sich bis heute nicht erklären, wie er in den Besitz des mittlerweile 32 Jahre alten Scirocco kommen konnte.

"Fakt ist, dass der Wagen mich gefunden hat, nicht ich ihn.“ 1992 stolperte der Scirocco-Fan auf der Suche nach einer Innenausstattung für ein anderes Modell über das Zeitungsinserat seines späteren Traumautos.

"Damals habe ich den Wagen nur wegen seiner Vollausstattung und der Klimaanlage gekauft.“ Der Scirocco war ausschließlich als Ersatzteillager gedacht.

Frühe Versuche mit dem Turbolader

Dass er da eine absolute Rarität entdeckt hatte, stellte Jörg Fritz erst fest, nachdem er das Fahrzeug näher in Augenschein genommen hatte. Besonders der Motor machte ihn stutzig.

Von da an ließ Fritz die Frage nach der Geschichte des Scirocco nicht mehr los. Er setzte sich mit der Abteilung Historische Kommunikation von VW in Verbindung.

Wie ein Detektiv fragte er sich durch die Konzerngeschichte – und landete schließlich in den späten 1970er-Jahren. Damals plante VW, den Scirocco in einer besonders leistungsstarken Version mit Abgasturbolader anzubieten: mit einem Motor mit 1,6 Liter Hubraum und 130 PS.

2.000 Fahrzeuge sollten als Sonderserie mit spezieller Ausstattung in den USA und Kanada angeboten werden.

Einige der Turbo-Sciroccos fingen sogar Feuer

Zur Markteinführung des Turbo-Scirocco kam es jedoch nie, da die Pilotserie nicht den erhofften Erfolg erzielte. „Von Fahrzeugen mit diesem Motor gab es vermutlich 38 Stück. 17 davon sollen heiß gelaufen sein und Feuer gefangen haben“, erzählt Jörg Fritz. Das Projekt wurde daraufhin beendet.

Damit hatte der 46-Jährige endlich Klarheit: Sein Scirocco war eines dieser wenigen Fahrzeuge, die der Wolfsburger Konzern für das Versuchsprojekt produziert hatte. Üblicherweise werden aus Gründen der Geheimhaltung alle Testfahrzeuge verschrottet – nur sein roter Scirocco entkam auf wundersame Weise der Schrottpresse.

Das hat Fritz sogar amtlich: 2006 bescheinigte ihm die Stiftung AutoMuseum Volkswagen mit einer Fahrzeug-Identitäts-Urkunde die Einzigartigkeit seines Autos.

18 Jahre Suche nach dem Original-Motor

"Der Rote“, wie der Scirocco von Fritz' Familie liebevoll genannt wird, fährt heute noch – allerdings ohne Turbomotor. Der hat die Testphase vermutlich ebenfalls nicht überstanden.

"Ich suche schon seit 18 Jahren nach den passenden Teilen, doch die sind schwer zu bekommen“, erzählt der gelernte Zimmermann. "Von denen erfährt man nur durch Mundpropaganda – und dafür braucht man zusätzlich eine Menge Glück.“

Jörg Fritz investiert viel Zeit in seinen Scirocco, mehr als 1.000 Arbeitsstunden sind es bereits. In mühevoller Kleinarbeit hat er das Fahrzeug vor ein paar Jahren komplett auseinandergenommen, repariert, lackieren lassen und wieder zusammengebaut.

Vom ersten Scirocco-Modell der Baujahre 1974 bis 1981 sind in Deutschland nur noch rund 1.600 Fahrzeuge angemeldet. "Die müssen der Nachwelt unbedingt erhalten bleiben“, sagt Jörg Fritz. Er ergänzt: "Mein Traum ist es, das Auto erneut zu überarbeiten und in seinen Originalzustand zurückzuversetzen.“

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