Jeep, ich hab' Dich lieb

Korbinian Stanglmeier war 13, als er den ersten wackeren Willy's-Blechkameraden traf. Ein prägendes Erlebnis. Nach zehn Jahren Sparen und Suchen fährt er nun seinen eigenen.
 

Neulich kam Korbinian Stanglmeier aus dem Baumarkt und staunte: Saß da am Steuer seines Autos ein kleiner Steppke und drehte wie wild am Lenkrad.

Das Kind hatte wohl Stanglmeiers Wagen mit irgend so einem Supermarkt-Rappel-Automaten verwechselt. Was Wunder: Der offene Ford GPW Baujahr 1945 sieht wirklich wie ein großes Spielzeug aus.

Andere wären vielleicht ausgerastet. Doch der 23jährige Eigentümer freute sich über die Kaperung seines Auto-Traums: Es erinnerte ihn an seine eigene Geschichte.

Beim ersten Jeep-Test im Matsch festgefahren

Und die geht so: Korbinian ist 13, ein ganz normaler Junge mit Flausen und Tagträumen. Natürlich auch mit Auto-Träumen. Bis er den Wagen des Hausarzts der Familie sieht: Ein Willy's Jeep.

Ein Auto, auf das Wesentliche reduziert. Außen Blech, innen Blech, dünne Sitzkissen auf Stahlrohrrahmen und ein knatternder Vierzylinder mit 60 PS, der über ein Dreiganggetriebe maximal 100 km/h auf die Straße bringt.

Aber ein "vollwertigeres Cabrio gibt es einfach nicht", fasst Stanglmeier zusammen. Zur Firmung durfte er sogar selbst hinters Steuer. Anschließend wollten sie den Wagen im Gelände testen; es hatte Tags zuvor geregnet, der Waldboden war schlammig, na gut, da durften sie den angebauten Spaten gleich mit ausprobieren.

Die Preise stiegen parallel zum angesparten Vermögen

Ein Jeep ist für so etwas eben gemacht: Er wiegt weniger als 1 Tonne. Er hat keine Türen, und die Windschutzscheibe lässt sich um 90 Grad nach vorn klappen. Dann trennt nichts die Insassen vom Fahrtwind. "Ein herrliches Fahrgefühl", sagt Stanglmeier.

Zehn Jahre träumte er davon, selbst einmal einen solchen Blechkameraden zu besitzen. "Seit damals spare ich, und seitdem schaue ich bei mobile.de nach einem passenden Fahrzeug."

Schrecklich: Parallel zum Sparschwein, dass Monat für Monat dicker wurde, stiegen auch die Preise. Viele Militaria-Sammler spekulieren auf Wertzuwachs. Heute zahlt man für einen gut erhaltenen Jeep der frühen Baujahre 20.000 Euro und mehr.

Das warf Stanglmeier nicht um: Er war im Jeep-Fieber. "Ich suchte mir mehrere Nebenjobs wie Rasenmähen und Schneeräumen, trug Zeitungen aus und half am Wochenende an der Tankstelle", erzählt der Bayer.

"Es gibt kein Fahrzeug, das besser zu mir passt"

Irgendwann hatte er die Preise eingeholt und schlug zu: Ein Lizenzbau von Ford, intern GPW genannt (Governmental 80-inch-Radstand Willy's), vom Baujahr 1945.

Bei schlechtem Wetter bleibt der Wagen in der Garage; das hat sich ein 56 Jahre altes Auto sicher verdient. Doch bei gutem Wetter  belohnt sich der Autoverkäufer mit einer Ausfahrt – immer offen, nach Möglichkeit mit abgeklappter Scheibe.

Was heute lässig ist, war im Krieg lebensnotwendig: Arretierbare Scheibe für freies Schussfeld, fehlende Türen, um schnell Deckung zu suchen. Den zuschaltbaren Allradantrieb erhielt der Jeep ebenfalls auf Verlangen des US-Verteidigungsministeriums. So haben fast alle Geländewagen militärische Wurzeln.

Allerdings hat Stanglmeiers Jeep wohl nie einen scharfen Schuss erlebt. Der Geländewagen wurde bis in die 60er-Jahre innerhalb der USA genutzt, anschließend erwarb die französische Armee es im Rahmen eines Kontingents von 20.000 Jeeps.

An dem Wagen ist alles Original, inklusive Lebensgefühl: "Es gibt kein Fahrzeug, das besser zu mir passen würde als ein Jeep", sagt Stanglmeier. "Das Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit und die Freude, die dieses Auto bringt, sind unbeschreiblich."

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