mobile.de: Top Ten der Schrauber

Auto selbst reparieren – „So wird’s gemacht“

Das sind die Lieblinge der Schrauber

Ölfilter tauschen, Bremsbeläge wechseln, Felgen aufziehen. Das kann jeder – die richtige Anleitung vorausgesetzt. An diesen Autos basteln die Deutschen am liebsten.

6. April 2011

Den Anfang machte der VW Passat. 1974 kam der Mittelklasse-Volkswagen auf den Markt. Und mit ihm Band 1 des Do-it-yourself-Klassikers „So wird’s gemacht“.

36 Jahre später präsentiert der Delius Klasing Verlag die 150. Ausgabe. Dieses Mal seziert Dr. Rüdiger Etzold, „Schrauber-Papst“ und verantwortlich für die unendliche Geschichte des Auto-Reparaturhandbuchs, den Skoda Fabia II.

mobile.de sprach mit dem Diplom-Ingenieur für Fahrzeugtechnik über Basteln im Wandel der Zeit. Und präsentiert die Top 10 der Fahrzeuge, an denen sich Hobby-Mechaniker besonders gern versuchen.

mobile.de: Hand aufs Herz: Wer sollte lieber die Finger von Ihren Büchern lassen?

ETZOLD: Wer keine Affinität zur Technik hat, wer noch nie kleinere Reparaturen selbst durchgeführt hat, dem hilft auch kein Buch. Genauso verhält es sich übrigens mit Koch- und Backrezepten. Obwohl die Vorgehensweise und die Mengenangaben genau beschrieben werden, muss das Gericht nicht zwangsläufig gelingen. Man muss für solche Arbeiten schon das entsprechende Händchen haben. Sonst wird das nichts.

mobile.de: Es heißt, an aktuellen Autos kann man kaum noch selbst etwas machen.

ETZOLD: Absoluter Unsinn. Richtig ist, dass durch den vermehrten Einsatz elektronischer Bauteile viele Arbeiten nicht mehr anfallen, die früher oft in Eigenregie erledigt wurden, zum Beispiel das Wechseln des Unterbrecherkontakts, das Einstellen der Zündung, die Reparatur eines Vergasers oder das zeitaufwendige Justieren des Ventilspiels.

mobile.de: Beeinflusst das Ihre Arbeit?

ETZOLD: Im Band über den VW-Käfer beschreibe ich ausführlich, wie man den Motor bis zur letzten Schraube zerlegt. Das war damals durchaus üblich. Auch für den Golf I gibt es noch derartige Informationen. Bei modernen Autos interessiert das nicht, denn solche Arbeiten führt heutzutage kein Hobby-Schrauber mehr durch.

mobile.de: Was benötigt ein durchschnittlich begabter Autofahrer an Werkzeug?

ETZOLD: Schraubenzieher, Zangen und Schraubenschlüssel, so etwas sollte jeder im Haushalt haben. Wer die Schraubverbindungen mit dem vorgeschriebenen Anzugsmoment anziehen will, was er tun sollte, der kommt nicht umhin, einen Drehmomentschlüssel zu kaufen.

mobile.de: Was kostet so eine Basisausstattung über den Daumen?

ETZOLD: Wenn man über gar kein Werkzeug verfügt, dann sollte man so zwischen 50 und 100 Euro einplanen.

mobile.de: Was wird am häufigsten selbst gemacht?

ETZOLD: Verschleißteile auswechseln – Filter, Bremsbeläge, Glühlampen, außerdem die klassische Wartung und der Austausch von Karosserie- beziehungsweise Fahrwerksteilen. Grundsätzlich hat jeder Autobesitzer das Recht, an seinem Auto rumzuschrauben, wie er es für sinnvoll hält. Ich bin der Meinung, dass es von Vorteil ist, wenn sich der Hobby-Schrauber bei komplexen Arbeiten an die Vorgaben einer guten Anleitung hält. Dann kann er im Prinzip nichts falsch machen. Ein erhöhtes Sicherheitsrisiko gibt es schließlich schon, wenn man das Rad wechselt und vergisst, die Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Anzugsdrehmoment anzuziehen.

mobile.de: An welchem Auto schrauben Sie besonders gern?

ETZOLD: An meinem Karmann Ghia. An dem Modell habe ich schon als Lehrling gearbeitet. Meiner ist inzwischen 40 Jahre alt. Viele Handgriffe kann ich ohne Anleitung durchführen. Vor einiger Zeit habe ich ihm neue Radbremszylinder und neue Bremsbeläge gegönnt. Als ich den Bremshebel an den Bremsbacken befestigen wollte, wusste ich nicht mehr, an welcher Seite ich das machen muss. Ein Blick in den VW-Käfer-Band – da gibt es eine Explosionsdarstellung von der Bremsanlage – und mein Problem war gelöst.

mobile.de: Wann ist ein Auto reif für einen „So wird’s gemacht“-Band?

ETZOLD: Das hängt in erster Linie von den Stückzahlen ab. Wenn jährlich rund 50.000 Exemplare davon in Deutschland zugelassen werden, lohnt sich der Aufwand für ein Buch.

mobile.de: Wissen Sie aus dem Kopf, welche Marke(n) Sie am häufigsten auf der Hebebühne hatten?

ETZOLD: Zwangsläufig die Volumenmodelle der großen Automobilhersteller: VW, Opel, Ford. Bis Ende der achtziger Jahre waren alle Fahrzeugmodelle reparaturfreundlich.

mobile.de: An welchen Autos sollten Laien lieber nicht rumschrauben?

ETZOLD: Mir fällt kein Fahrzeugmodell ein, von dem ein Laie die Finger lassen sollte. Es kommt immer darauf an, was er reparieren will und über welche technische Erfahrung er verfügt.

mobile.de: Wir danken für das Gespräch!