Wie groß ist der Kleine wirklich?

Test Volkswagen up!

VW will das Kleinstwagen-Segment erobern. Mal wieder. Nach den Vorgängern Lupo und Fox soll jetzt der up! den Durchbruch bringen. Mit Kampfpreisen – und gar nicht so kleinem Verbrauch.

Autofahren für 95 Euro im Monat – klingt das nicht verlockend? Zumal das Auto einen guten Eindruck macht: der neue VW up!, nur 3,54 Meter kurz, mit vier Plätzen und Kofferraum.

Jetzt hat Volkswagen seinen neuen Kleinstwagen vorgestellt. Und das Finanzierungsmodell gleich dazu.

In dem Aktionspreis von monatlich 95 Euro (für das Grundmodell) sind nicht allein die Bezahlung des Autos, sondern auch Haftpflicht- und Kasko-Versicherung sowie die Wartung in einer Fachwerkstatt enthalten.

Nur Kraftfahrzeugsteuer (20 Euro pro Jahr) kommt noch dazu. Und Benzin. Aber da könnte ein Haken liegen.

Sehr schnell – ist der Tank vom up! leer

Denn der up! ist zwar klein, hat aber einen recht großen Verbrauch. Zu groß für ein so kleines Auto. Oder?

Nach EU-Norm soll der Mini-VW mit 60 PS durchschnittlich 4,5 auf 100 km verbrauchen. Das wäre ja okay.

Doch wie soll dieser Traumwert erreichbar sein? In der Praxis sind es mehr als 7 Liter.

Wer den up! richtig tritt, kommt in minimal 14,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das ist nicht eben rasant.

Aber dafür jagt die Tanknadel durch die Skala. Wer es übertreibt mit dem Hochdrehen, hat mitunter eine 9 als erste Zahl auf der Verbrauchsanzeige stehen.

Nächstes Jahr gibt es den up! mit Start-Stopp

Das ist für einen 929 Kilo leichten Winzling (13 Prozent leichter als der Fox) schlicht zu viel. Zumal das Auto nach EU-Norm durchschnittlich 4,5 (60 PS) bzw. 4,7 Liter (75 PS) auf 100 km verbrauchen soll.

Mit Einführung der BlueMotion-Varianten, die über Start-Stopp-System und Bremsenergierückgewinnung verfügen (ab Mitte 2012), soll der Verbrauch auf bis zu 4,2 l/100 km sinken.

Allerdings meint auch diese Zahl den – in der Praxis scheinbar unerreichbaren – Normverbrauch.

Immerhin wäre das ein halber Liter weniger. Wer also viel fährt, sollte noch etwas warten mit dem up!-Kauf.

Fahranfänger sparen, wenn sie sofort bestellen

Wer wenig fährt und für die Haltungskosten wenig ausgeben möchte, sollte dagegen schnell handeln: Noch bis 1. Dezember bietet VW eine Art Frühbucher-Aktionspreis an.

Denn dann kostet der Versicherungsvertrag "FairPay" nur monatlich 9,90 Euro. Später sind zehn Euro mehr fällig. Bedingung: Mindestalter 23 Jahre und Schadensfreiheits-Klasse (SF) 1. Die kriegt aber nur, wer schon drei Jahre den Führerschein hat.

Dafür bekämen junge Fahrer anderswo keine Kfz-Versicherung. Denn die marktübliche Monatsrate junger erstversicherter Fahrer in der up!-Leistungsklasse beträgt laut Volkswagen durchschnittlich 182 Euro.

Ein verlockendes Angebot für einen funkelnagelneuen, vollkaskoversicherten VW up! – jedoch nicht für absolute Anfänger: Wer gerade erst losfährt, bekommt wie immer SF0, und die will der VW-Partner Allianz nicht haben.

Aber auch bei "FairPay" kommt dann doch noch was dazu.

Lohnt das Schnäppchen wirklich?

Denn bei dem Lockvogel-Angebot handelt es sich um die sogenannt Drei-Wege-Finanzierung – das heißt: eine Mischung zwischen Ratenkauf und Leasing.

Bevor die Billigrate greift, sind einmalig 15 Prozent Anzahlung fällig. Das wären beim Grundmodell 1.477,50 Euro. Und nach 40.000 Kilometern und vier Jahren freier Fahrt ist noch einmal eine Schlussrate von 4.801,50 Euro fällig. Oder man gibt den Wagen zurück.

Lohnt das Schnäppchen? Oder fabriziert VW mit seinem neuen Anlauf im Kleinstwagen-Segment nur heiße Luft? Wie fährt sich der Kleine überhaupt?

mobile.de hat die Probe aufs Exempel gemacht. In Rom, der Hauptstadt der Minis und Motorroller – und damit „in der natürlichen Umgebung des up!“ Sagt jedenfalls VW-Marketingmann Christian Adelt.

In engen Städten fühlt der up! sich wohl

Denn Platz ist hier besonders knapp – auf den herrlich chaotischen Straßen ebenso wie am Straßenrand. Da kommt es beim Fahren wie auch beim Parken auf jeden Zentimeter an.

Und daher gibt es auch nirgends sonst mehr Smart und ähnliche Klein(st)wagen wie etwa den Toyota iQ, Hyundai i10 oder Peugeot 107. Und unter denen soll der 3,54 Meter kurze VW up! sich also durchsetzen.

Für den großstädtischen Stop-and-Go-Verkehr hat VW dem up! noch etwas Besonderes mitgegeben: Als technische Besonderheit dient ein Bremssystem, das so ähnlich bisher der Oberklasse ("Pre-Safe") vorbehalten war.

Bis Tempo 30 bremst der Stadtfloh zur Not automatisch. Der Assistent heißt City-Notbremssystem. Und kostet im Paket mit Tempomat und Parkassistent (elektronische Einpark-Hilfe) 590 Euro Aufpreis.

Nur das Basismodell ist wirklich günstig

Noch ein Unterschied zur Konkurrenz: Natürlich ist auch der künftig kleinste Volkswagen auf dem Markt mal wieder teurer als die etablierten Wettbewerber – auch wenn das mager ausgestattete Basismodell die magische Marke von 10.000 Euro unterschreitet (ab 9.850 Euro).

Sparen kann der up!-Käufer lediglich hinterher: mit dem schon eingangs vorgestellten dreieinigen Finanzierungsmodell aus Ratenkredit, Versicherung "FairPay" und Wartungspauschale. Das Raten-Trio trägt bei Volkswagen den sinnigen Namen „up!grade“.

Bemerkenswerte 6.820,80 Euro beträgt laut VW die Ersparnis für einen 20-Jährigen, der 48 Monate lang 39,90 Euro im Monat für die FairPay-Versicherung seines rot lackierten (135 Euro Aufpreis) Einstiegsmodells „take up!“ bezahlt.

Der up! soll vor allem Neukunden erobern

„Der up! ist für uns ein Eroberungsinstrument“, erklärt Tobias Volkmer vom Volkswagen Produktmarketing. Zwei Drittel der Käufer sollen Neukunden sein, mehrheitlich im Alter von 20 bis 35 Jahren – oder aber „Silver Ager“ (55 Jahre aufwärts).

Wahlweise 60 oder 75 PS hat der VW up! unter der Haube. Wo sind die bloß, fragt man sich. Wirklich ab geht er nämlich nicht, der up! 14,4 bzw. 13,2 Sekunden auf 100; Erster an der Ampel sollten up!-Fahrer nicht sein wollen.

Gute Verarbeitung, beste Zutaten – aber horrender Verbrauch

Dabei bringt der kleine Wolfsburger aus Bratislava (da wird er gebaut) alle Zutaten mit, die ein kleines Auto heutzutage braucht: leichte Dreizylindermotoren, leichte Getriebe, extrem agil ausgelegtes Fahrwerk, fest zupackende Bremsen – alles wunderbar, genau wie Materialauswahl, Geräuschdämmung und Verarbeitung.

Nur die harten Türpanele wirken gar zu gewichtsoptimiert. Wie der Rest des Wagens: Der up! wiegt nur 928 Kilogramm, 13 Prozent weniger als der Vorgänger Fox. Umso unverständlicher der schon genannte Realverbrauch.

Um den zu trimmen, installiert VW für weitere 355 Euro (je nach Ausstattungsniveau plus 355 Euro fürs Radio) das Infotainmentsystem „maps + more“.

"maps + more" hilft sparen und spürt das Auto überall wieder auf

Das ist ein tragbares Navigon-Gerät, das mittig auf dem optional farbig abgesetzten Armaturenbrett thront und mit der Bordelektronik gekoppelt ist. Wie iPad oder Tablet PC kann es mit Apps, Fotos, Musik und Bildern gefüttert werden. Sehr smart.

Eines der Gimmicks des 4-in-1-Geräts (Bordcomputer, Audioanlage, Navigationssystem, Autotelefon) ist der „Think.Blue.Trainer“. Er zeigt Infos wie Momentanverbrauch, Schaltzeitpunkt und Verbrauchsprofil an. Das soll helfen, die Trinkmanieren zu analysieren und die CO2-Werte von 105 g/km (60 PS) bzw. 108 g/km (75 PS) zu erreichen.

Nett ist auch die Auto-finde-Funktion: Nutzt man das Gerät außerhalb des Autos, merkt es sich automatisch die Parkposition. So finden up!-Käufer immer zielstrebig zurück zu ihrem Kleinstmobil. In Rom und anderswo.