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Peugeot 3008 HYbrid4

Der Hybrid-Primus

Peugeot schickt den ersten Full-Hybrid-Diesel an den Start. Dem 3008 HYbrid4 gelingt, was bislang kein anderer Hybrid geschafft hat: Er knausert auch bei schneller Fahrt mit dem Sprit.

Hybridautos sind an sich eine tolle Sache: Wer einmal in einem Toyota Prius oder einem Lexus mit dem Kürzel „h“ gesessen hat, kann sich einer gewissen Begeisterung fürs nahezu lautlose und komplett abgasfreie Fahren in der Stadt kaum entziehen.

Elektrischer Vortrieb fühlt sich an wie ein Stück Zukunft, gesüßt mit dem guten Gefühl, absolut sauber unterwegs zu sein. Innerorts jedenfalls.

Langstreckenfahrer waren mit Hybridautos bislang nicht gut beraten

Außerhalb urbaner Gefilde sieht es leider anders aus. Sobald der Benzinmotor bei höheren Drehzahlen und Geschwindigkeiten bauartbedingt das alleinige Kommando übernimmt, schlägt das Mehrgewicht des zweiten Motors voll auf den Kraftstoffverbrauch durch.

Die desillusionierende Folge: Bei zügiger Fahrt egalisieren die meistens rund 100 Kilo schweren Elektrokomponenten die Benzineinsparungen, die sie zuvor ermöglicht haben. Der Verbrauchsvorteil im Vergleich zu reinen Benzinern verpufft.

Wer viel auf der Autobahn unterwegs ist, war daher mit einem Hybridauto bislang nicht gut beraten. Moderne Dieselmotoren sind vom Verbrauch und Drehmomentverlauf her deutlich besser.

Full-Hybrid-Diesel verbraucht bis zu 35 Prozent weniger

Peugeot macht daraus jetzt das Beste: Die Franzosen bringen den seit langem von ihnen angekündigten, ersten in Großserie gefertigten Full-Hybrid-Diesel auf die Straße. Und versprechen Verbrauchseinsparungen von rund 35 Prozent im Vergleich zum ohnehin schon knauserigen konventionellen Zweiliter-Dieselaggregat.

Sparsamer Diesel-, sauberer Elektromotor – eine Liaison, die sich aufdrängt, auch wenn bislang alle Hybrid-Hersteller wegen des höheren Wirkungsgrades auf die Kombination Benzin-/Elektromotor gesetzt haben. Alle bis auf Peugeot, die den Diesel-Hybrid-Antrieb erstmals auf dem Genfer Salon 2006 vorgestellt hatten.

Zwei Motoren treiben zwei Achsen an

Ein Motor vorn (2.0 HDi FAP, 163 PS), ein Motor hinten (Permanentmagnet-Synchronmotor, Dauerleistung 27 PS, Spitzenleistung 37 PS), macht zwei angetriebene Achsen, macht vier für Vortrieb sorgende Räder.

Weitere Zutaten der HY4-Technologie (Hybrid und Allrad) sind das „Stop-Start-System“, das Peugeot auch im 508 einsetzt, und das elektronisch gesteuerte Sechsgang-Schaltgetriebe (EGS6).

Im Zusammenspiel drücken diese Komponenten den Verbrauch des 3008 HYbrid4 laut EU-Testzyklus auf 3,8 bis 4,1 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Das entspricht CO2-Emissionen von 99 bzw. 104 g/km. Vorbildliche Werte für ein 4,37 Meter langes Auto, das immerhin 1,8 Tonnen auf die Waage bringt. Und über einen hoch effizienten 4x4-Antrieb verfügt.

Knauserig auf der Autobahn, abgasfrei in der Stadt

Bei ersten Testfahrten hat sich der kompakte 3008 HYbrid4 durchaus an die Verbrauchsversprechen des Herstellers gehalten, sachte Fahrweise vorausgesetzt.

Die ersten drei, vier Kilometer fährt Peugeots Diesel-Hybrid grundsätzlich mit dem Elektromotor. Es sei denn, der Fahrer tritt kräftig aufs Gas. Dann schaltet sich automatisch der Dieselmotor zu. Und damit der Allradantrieb.

Vorderrad-, Hinterrad- oder 4x4-Antrieb

Vier unterschiedliche Fahrprogramme stehen im Peugeot 3008 HYbrid4 zur Wahl:

  • „Auto“ bedeutet, dass die Elektronik selbsttätig immer die verbrauchsoptimierteste Gangart wählt. Reiner Elektrobetrieb in der Stadt, reiner Dieselantrieb auf Langstrecken; hierbei wird jeweils nur eine Achse angetrieben.
  • „4WD“ steht für Allradantrieb und damit den gleichzeitigen Einsatz beider Motoren. Das ist auch beim Beschleunigen der Fall.
  • „ZEV“ steht für Zero Emission Vehicle, also den reinen Elektroantrieb (ausreichend Batteriepower vorausgesetzt). Der erlaubt Geschwindigkeiten von maximal 70 km/h. Dann schaltet sich der Selbstzünder hinzu.
  • „Sport“ ruft die volle Systemleistung von 200 PS und beeindruckenden 450 Newtonmeter Drehmoment ab. Wer es gern schnell mag, kommt hier voll auf seine Kosten, bezahlt den Beschleunigungs-Spaß aber laut Bordcomputer mit mindestens sieben Liter Diesel/100 km.

Die sparsame 99-Gramm-Version startet bei 34.150 Euro

8,5 Sekunden veranschlagt Peugeot für den Sprint von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit des 3008 HYbrid4 beträgt 191 km/h.

Zwei Versionen des Hybriden bietet Peugeot an. Der „3008 HYbrid4 99g“ startet bei 34.150 Euro. Für 2.000 Euro mehr gibt es die 104-Gramm-Version, die serienmäßig u. a. über 17-Zoll-Leichtmetallräder, Festplatten-Navigation und das 3008-typische Head-up-Display verfügt.

2012 folgt eine Plug-in-Variante

Ende 2011 sollen die ersten der jährlich rund 1.500 geplanten Einheiten ausgeliefert werden. Das kompakte Heckmodul mit dem E-Antrieb kommt sukzessive auch in weiteren Peugeot-Modellen zum Einsatz. 2012 folgen der „All-Roader“ 508 RXH und die 508 Limousine. Konzernschwester Citroën setzt den HY4-Antrieb im neuen DS5 ein.

Nächste Ausbaustufe wird eine Plug-in-Variante des HY4 sein. Die lädt die Batterie dann nicht nur während der Fahrt durch Rekuperation (Energierückgewinnung durch Bremsen und Schubbetrieb) wieder auf, sondern an jeder herkömmlichen 230-Volt-Haushaltssteckdose. Verbrauch: rund zwei Liter auf 100 Kilometer.

Text: Ralf Bielefeldt