mobile.de: Wracks der Messe

Wracks auf der Messe?

Was gammelt denn da?

Neben chromblitzenden Schönheiten steht hier und da auch ein echtes Wrack auf der Techno Classica. Die meisten dieser automobilen Ruinen sollen in Kürze wieder wie neu aussehen

Wohltuende Abwechslung: In den Hallen der Techno Classica stehen nicht nur Edelkarossen, auf Hochglanz poliert, sondern auch echte Wracks, Ruinen und teilrestaurierte Halbmodelle von Klassikern. Sie verrotten in Würde neben all den sterilen Schönheiten und bilden einen reizvollen Kontrast zur doch etwas unwirklichen Welt der neuen Altautos.

Diese hier sind wirklich alt – und sie riechen auch so: Nach Rost, nach rotten Polstern, nach verschimmelten Verkleidungen. Und mitunter stinken sie sogar zum Himmel: Ein Versicherungskonzern hat einen totalzerstörten Klassiker auf die Messe geholt, der offenbar in seiner Garage verbrannt und anschließend von dem Gemäuer begraben wurde. Ein Anblick zum Heulen.

"Versichert euch!", ist der stumme Schrei des Schrottfahrzeugs. Sehr wirkungsvolles Angst-Marketing. Die anderen Wracks haben eher positive Botschaften: Sie bereichern die Stände von Restaurateuren. Zum Beispiel ein alter Porsche 356 Cabriolet auf dem Stand eines westdeutschen Karosseriebauers.

Selbst Schrott steigt im Wert – wenn's mal ein Traumauto war

Der ehemalige Traumsportwagen aus den 50er-Jahren sieht jämmerlich aus: Brauner Rost bedeckt fast das gesamte Auto. Nur an den Stellen, die bereits geflickt, geschweißt und gespachtelt wurden, ist davon nichts mehr zu sehen. Der Preis für die Ruine: 45.000 Euro inklusive aller Teile.

Das ist keine Unverschämtheit, versichert der Verkäufer: Da der Wagen nahezu komplett sei, koste die Restaurierung weniger als 35.000 Euro. Macht Summe summarum 80.000. "Und das ist noch günstig – bedenken Sie, es gibt zur Zeit kaum C-Cabrios auf dem Markt." Auch bei alten Porsche-Modellen geht die Preiskurve steil aufwärts: Die Begehrlichkeiten wachsen, und neue Exemplare kommen kaum hinzu.

Selbst Schrott steigt im Wert – vorausgesetzt, es war vorher eines der legendären Traumautos, deren Name noch heute sogar Laien ins Schwärmen versetzte. Also Autos wie der 356er, der Ur-Porsche.

Mercedes-Roaster wird inklusive Restaurierungs-Vertrag angeboten

Diese Rostlaube hat der Anbieter auf einer Expedition in Kalifornien entdeckt, gekauft und nach Deutschland importiert. "Ja sicher, ich gehe regelmäßig auf die Suche", sagt er. Wieviele Oldtimer-Schnäppchen noch irgendwo in Garagen, Scheunen und Hinterhöfen einen Dornröschenschlaf schlafen, weiß niemand.

So mutet auch der Mercedes 300 SL Roadster an wie eine Fata Morgana: Er steht ein paar Stände weiter, ähnlich malerisch wie der Porsche, von Rost und Staub bedeckt. Hinten hängt noch das texanische Nummernschild. Offenbar ist dieser einstige Supersportwagen seit Jahrzehnten nicht mehr bewegt worden. Wer weiß, in welchem Hühnerstall er abgestellt war.

Neue Versicherung deckt Schäden während der Restaurierung ab

"Aufbaufinanzierung" steht in großen Lettern davor. Eine Halle weiter ist ein Fahrzeug dieser Sorte im Endzustand ausgestellt; zum Endpreis von mindestens 200.000 Euro. Vorteil beim Schrott-Benz aus Texas: Der Käufer zahlt nur den Materialwert und kann die Restaurierung fast nach Belieben in die Länge ziehen, damit ihm zwischendurch die Kohle nicht ausgeht.

Falls doch, gibt es auch dagegen einen wirksamen Schutz: Der ADAC hat soeben eine ClassicCar-Versicherung vorgestellt, die während der Restaurierung mögliche Schäden abdeckt. Darunter fallen Feuer, Diebstahl oder Transportschäden auf dem Weg zum Lackierer.

Aus den Versicherungsbedingungen: Das Auto muss 30 Jahre oder älter und in einer Halle oder Garage abgestellt sein. Die Restaurierung muss von privat durchgeführt werden – professionelle Werkstätten sind ausgeschlossen, doch die haben ohnehin stets gewerblichen Versicherungsschutz.