mobile.de: Klassiker für Einsteiger

Oldtimermesse Techno Classica

Klassiker für Einsteiger

Trends des 3. Automarkts: Auf der Techno Classica lassen sich mit ein wenig Gespür die Kultautos von Morgen erkennen. Auf dem Freigelände stehen diese Youngtimer der nahen Zukunft

Wer ein kleines Konto hat, Oldtimer zudem noch mehr liebt, als ihm lieb ist, wird auf der Techno Classica leiden: Reihenweise stehen da die Schätzchen herum, eins teurer als das andere.

Doch auch für Einsteiger hat die weltgrößte Klassikermesse was zu bieten: Auf den Freiflächen zwischen den Hallen haben kleinere Händler und Privatbesitzer ihre Angebote für eine geringe Gebühr geparkt. Hier stehen die weniger blitzblanken, dafür aber umso alltagstauglicheren Old- und vor allem Youngtimer.

Während in den Hallen viele Fahrzeuge mit dem dezenten Hinweis "Preis auf Anfrage" ihren Wert schamhaft verschleiern, sind auf dem Freigelände die mehr oder weniger realistischen Forderungen der Verkäufer offen auf Pappschilder notiert. Wer will, kann sich gleich auf die Suche nach seinem zukünftigen Schätzchen machen.

Der Zyklus bei Youngtimern ist relativ stabil

Hier stehen auch Typen, die wir noch vor wenigen Jahren bei Autoverwertern auf dem Hof verrosten sahen. Denn Klassiker unterliegen einem relativ stabilen Lebenszyklus: Wie alle Antiquitäten waren sie einmal Gebrauchsgut.

Nach etwa 10 bis 15 Jahren als Nutz-Fahrzeug fallen sie in ein Schwarzes Loch des Vergessens. Die Mode geht an ihnen vorbei, sie sehen auf einmal subjektiv sehr alt aus, keiner kennt sie noch. Dann, vielleicht weitere zehn Jahre später, taucht aus diesem Kokon ein schöner Schmetterling wieder auf: als potenzielles Kultauto sind sie auf einmal wieder gefragt.

Väter erinnern sich daran, wie sie als Kinder darin saßen, Erinnerungen werden wach. Zeit für einen zweiten Frühling.

Die Mode ist ungerecht: Manch guter Autotyp erreicht nie Kultstatus

Doch in der Zwischenzeit hat eine gnadenlose Auslese zugeschlagen: In den Jahren des Exils stehen sie auf Höfen herum, werden ausgeschlachtet oder gleich ganz verschrottet oder von Tunern total verbastelt. Und keineswegs alle unterliegen diesem Zyklus. Manche sind so hässlich, dass sie zu Recht dem ewigen Vergessen anheimfallen.

Andere haben vielleicht einfach nicht das Image oder das richtige Markenzeichen auf dem Kühler, um unsterblich zu werden – die Oldtimermode ist launisch und natürlich auch ungerecht.

So werden die meisten frühen Japaner wohl nie Kult werden. Anders dagegen (wie üblich) Fahrzeuge mit dem guten Stern auf der Haube: Die erste E-Klasse W124, gebaut von 1984 bis 1993, wird vereinzelt schon auf der Techno Classica angeboten. Wer jetzt einsteigt, bekommt gut erhaltene Stücke für unter 3000 Euro.

Wen wird die Mode wohl als nächstes zur Ikone machen?

Ebenso verhält es sich scheinbar mit dem Baby-Benz W201. Wer hätte noch vor fünf Jahren gedacht, dass dieser Pappkarton einmal ehrliche Liebhaber findet? Aber genauso verhielt es sich vor 20 Jahren mit dem Mittelklasse-Benz W114/115, den man als Neuwagen in den 70ern eher geschätzt denn geliebt hat.

Mitte der 90er erklärte eine ahnungslose junge Generation den eckigen Nachfolger mit den Rostproblemen und den lahmen Motoren, Nachfolger der barocken Heckflosse, plötzlich zum Kult. Wie wird das wohl weitergehen?

Gewisse Dinge ändern sich nie: Wer durch die Hallen schlendert, erkennt einige ungeschriebene Gesetze:

  • Autos, die schon auf dem 1. Markt gut und teuer waren, schaffen es auch im 3.
  • Oberklasse und Luxus hat bleibenden Wert – einmal Traumauto, immer Traumauto
  • Mercedes scheint fast immer Kult zu sein.
  • Sportwagen sowieso, am besten aus Zuffenhausen (Porsche), Italien oder England.
  • Wer diese Regeln auf die Zukunft überträgt und sich mit den Kultautos von morgen eindeckt, kommt leichter zu Geld als mancher Daytrader!