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Techno Classica 2011

Die teuersten Gebrauchtwagen der Welt

Altmetall als Geldanlage: Auf der Oldtimermesse Techno Classica werden Auto-Klassiker zu Höchstpreisen angeboten. Die Anbieter sind überzeugt, dass die Preise weiter steigen werden

Noch nie war rollendes Altmetall so wertvoll wie heute: Auf der Klassiker-Messe Techno Classica in Essen trifft sich alles, was in der Klassiker-Szene Rang und Namen hat. Die Promis heißen hier DB4, 507 und 300SL, und sie sind gleich dutzendweise aufgefahren. Die Stars aus der Familie 911 dagegen haben sich derart breitgemacht, dass man schon fast von einer Inflation sprechen kann. Codes aus drei bis fünf Buchstaben und Zahlen sagen hier schon alles; sie bedeuten hohe fünf- bis sechsstellige Beträge. Denn: Fast alles ist hier käuflich – und schon am ersten Messetag wird zugeschlagen, wie kleine "Verkauft"-Schildchen an dem einen oder anderen Fahrzeug zeigen.

Einer der teuersten Oldtimer der Messe ist ein BMW 507 Roadster aus den späten 50er-Jahren: 795.000 Euro soll der elegante Sportwagen mit in Blaumetallic nachlackierten Felgen kosten. Vor zehn Jahren wurde noch knapp die Hälfte aufgerufen. Wie kommt so eine Preisexplosion zustande? "Es werden nicht mehr", sagt ein Verkäufer vom Stand des anbietenden Händlers. Alles klar: Vom BMW 507, schon damals ein Traumauto, wurden nur 250 Stück gebaut.

Die Oldtimerpreise wachsen unaufhaltsam weiter

Die Preisentwicklung folgt also einem einfachen Prinzip: Das Spekulationsobjekt "Traumauto" ist zahlenmäßig beschränkt. Es werden höchstens weniger, was den Preis naturgemäß eher steigen lässt. Zudem erkennen immer mehr Menschen, dass sich Geld auch sehr gut in vier Rädern anlegen lässt. "Schauen Sie die letzten Jahre", meint ein Porsche-Sammler auf der Messe, "da ging an der Börse alles nach unten; aber bei den Autos blieben sie stabil."

Allerdings wurde auch schon bei anderen Anlagegütern ewiges Wachstum prophezeiht. Bis zum Platzen der Blase: Wir haben es vor zehn Jahren am Neuen Markt erlebt, und kürzlich mit Immobilien. Wann platzt die Oldtimer-Blase? "Das geht immer so weiter", sagt der Verkäufer am 507-Stand seelenruhig. Zumindest vorläufig mag man ihm kaum widersprechen.

Junge Klassiker sind noch relativ günstig zu haben

Interessant dabei: Auf der Techno Classica tauchen vereinzelt Modelle auf, die noch vor wenigen Jahren regulär auf der Straße fuhren. "Young Classics" nennt speziell Mercedes diese Typen, zu denen etwa die vor- und vorvorletzte S-Klasse W126 und W116, der Roadster SL der Baureihe R107 oder die erste Generation vom SLK.

Richtig billig waren diese Modelle nie: Aber derzeit sind gute Exemplare noch zu Preisen zwischen 10.000 und 20.000 Euro zu haben. Glaubt man den Prognosen, handelt es sich bei diesen Modellen um die Spekulationsobjekte von übermorgen. Entwickelt sich alles nach Plan, kosten sie in 20 Jahren das Doppelte. Nun sind 20.000 Euro auch Geld.

Aber andererseits ist das deutlich billiger als eine Eigentumswohnung in Top-Lage. Zudem heißt Klassiker-Investment nicht, dass man das Schätzchen für den Rest seiner Zeit wegschließen muss. Schließlich wollen Autos gefahren werden. Und welche Bank kann schon Geldanlagen versprechen, mit denen man im Sommer ein paar glückliche Stunden auf der Landstraße verbringt?

Auf der Techno Classica stehen überwiegend dicke Schlitten

Spärlich vertreten dagegen Autos der kleinen Leute: Auf der Techno Classica ist nur Platz für dicke Schlitten. Vor allem die Marke mit dem Stern ist dominant. Wer durch das Blechgebirge von chromblitzenden Gipfeln der Autogeschichte wandelt, könnte glatt den Eindruck bekommen, in den 50er- und 60er-Jahren wären die Menschen nur mit Mercedes, Aston Martin und Porsche durch die Landschaft gebraust.

Einzig die Clubs und Typen-IGs halten auf der Oldtimermesse die Fahne für volkstümliche Fahrzeuge von Marken wie Lada, Trabant, Volkswagen, Opel oder Ford hoch. Klar, das Wertsteigerungspotenzial eines VW 1500, eines B-Kadett oder Lloyd Alexander halten sich sehr in Grenzen. Dafür sind diese sympathischen Klassiker ideale Einsteiger-Autos für alle, die sich für die Wunderwelt des alten Blechs interessieren, aber nicht gleich Unsummen investieren können oder wollen.