Hochzeit mit Phantom

Tradition auf Rädern: Prinz William und Kate Middleton in England lassen sich standesgemäß im Rolls-Royce Phantom VI zur Kirche kutschieren. Das Auto kommt direkt aus dem Musem.

Eine Hochzeit, von der die halbe Welt redet: Heute heiraten der britische Prinz William und Kate Middleton in London. Alles nach minutiös geplantem Zeremoniell und von bunten Fähnchen begleitet. Der Knüller ist das Hochzeitsauto: Ein Rolls-Royce Phantom VI Baujahr 1977. Die Wucht in Stahl.

Der Phantom ist ein Geschenk von Rolls-Royce zum 25. Thronjubiläum von Williams Oma, Königin Elizabeth. Von dem Blechgebirge, ganze 6 Meter lang und rund 2,5 Tonnen schwer, wurden bis 1991 insgesamt nur 366 Stück gebaut. Wobei der königliche RR wohl noch einige Pfund mehr auf die Waage wuchtet: Mit Sicherheit ist das gute Stück satt gepanzert.

Angetrieben wird der königliche Rolls von einem V8, der aus sagenhaften 6,2 Liter Hubraum niedliche 190 PS wringt. Diese Leistungsangabe ist übrigens bis heute vom Hersteller nicht offiziell autorisiert; denn statt einer PS-Zahl hatten die Briten, stets dem Understatement verpflichtet, bei "Leistung" einfach nur "genügend" eingetragen.

Der königliche Phantom VI verbringt die meiste Zeit im Museum

Die Zeiten sind längst vorbei – seit BMW bei Rolls-Royce einstieg, haben auch die ehrwürdigen Luxuslimousinen für gekrönte Häupter eine exakte Leistungsangabe im Fahrzeugschein. Aber beim Phantom VI handelt es sich eben um einen "echten" Rolls, der noch von Hand im Londoner Stadtteil Willesden gedengelt wurde.

Typisch für die Königsfamilie: Altmodischer geht es kaum noch. Die Karosserie des Phantom VI ist auf ein Stahlrohr-Chassis geschraubt, vorn hat es noch vorsinthflutliche Schraubenfederung, und an allen vier Rädern verzögern Trommelbremsen mehr schlecht als recht die Fahrt. Aber beim Defilée, begleitet von reitenden Leibwächtern, sind ohnehin nicht mehr als 30 km/h drin. Der Verbrauch: mindestens 20 Liter auf 100 km.

Anders als die blaublütigen Briten, die sich nur alle paar Monate der Öffentlichkeit zeigen, verbringt der Rolls-Royce Phantom VI daher die meiste Zeit hinter Glas: im königlichen Marstall "Royal Mews", der in ein Museum umgewandelt wurde und täglich besichtigt werden kann.