mobile.de: BMW Racing Challenge

Praktikum als Rennfahrer

Der Rasen-Sport

"Wir erzeugen Herzrasen", verspricht BMW den Teilnehmern seines Formel-Trainings. Fahren an den Grenzen der Physik – kann das jeder? mobile.de hat mal richtig Tempo gemacht.

Vor sieben Jahren saß hier das Renn-As Sebastian Vettel drin: Mit 17 Jahren war der heutige Formel-1-Star schon so gut, dass er 18 von 20 Rennen gewann – in einem Auto der Formel BMW.

Und in einem solchen sitze ich jetzt auch. Wobei: Sitzen trifft es nicht wirklich. Eher liege ich. Oder fließe ich schon? Glühheiß ist es in meinem cremeweißen Rennoverall.

Von oben sengt die Sonne, bei mittlerer Hitze köchele ich unterm Integralhelm, die Schultern rechts und links verkantet unter jener schmalen Öffnung, durch die ich mich wie ein Lindwurm in dieses Kohlefaser-Korsett gewunden habe.

Und vor mir wartet die menschenleere Piste des DrivingCenters Groß Dölln in Brandenburg auf meine Slicks. Geht es jetzt los?

Manöver an der Grenze des Autofahrerverstands

Formula BMW Racing Experience nennt sich mein knapp eintägiges Praktikum als Formel-1-Fahrer.

Unter Anleitung von gestandenen Rennprofis wie Jens Klingmann (war auch mal Sieger der Formula BMW) lernen Normalsterbliche wie ich, mit einem Affenzahn durch Spitzkehren zu fetzen.

Oder kaltblütig nicht einsehbare Bergkuppen hinaufzujagen und vor Kurven erst dann zu bremsen, wenn einen der gesunde Autofahrerverstand längst drei Kreuze schlagen lässt.

Das alles im übrigen ganz ohne ABS oder ESP – hier sollen schließlich die Grenzen der Physik erfahren werden, nicht der Elektronik.

Die Stars der Formula BMW waren gut 20 Kilo leichter als ich

Groß geworden als Formel BMW ADAC Meisterschaft, ist der heutige Formula BMW Talent Cup eine der erfolgreichsten Nachwuchsschmieden des Motorsports.

Außer Weltmeister Vettel haben hier unter anderem Timo Glock (Sieger 2001), Nico Rosberg (2002) und Nicolas Hülkenberg (2005) das Formel-1-Handwerk gelernt.

Allesamt waren dabei vermutlich 30 Jahre jünger als ich. Und bestimmt 20 Kilo leichter. Aber da steh ich drüber.

Wenn ich nicht aufpasse, trete ich zwei Pedale gleichzeitig

Um in den FB02 – so heißt dieser Rennwagen – rein- und rauszuklettern, muss das Lenkrad abgenommen werden, sonst verkeilen sich die Beine, so eng ist es im Cockpit (das allerdings nicht nur bei mir).

Drei miniaturisierte Pedale befinden sich dort, wo meine Füße das Ende des nutzbaren Fahrerraums ertasten. Um nicht mindestens zwei davon gleichzeitig zu treten, trage ich extrem schmal geschnittene Rennfahrerschuhe.

Originellerweise werden sie seitlich geschnürt. Vermutlich, damit sich die Schnürsenkel nicht in den Pedalen verheddern und Anfänger wie ich herausgefräst werden müssen vom Mechanikerteam.

Ein Motorrad-Motor treibt den kleinen Boliden an

Der Motor der Formelautos stammt aus dem BMW-Motorrad K 1200 RS. 140 PS beschleunigen die 465 Kilo leichten Renner im Stil eines 9-Millimeter-Projektils.

Keine vier Sekunden auf 100 – unser Führungsauto, ein BMW M3, braucht fast zwei Sekunden mehr. Genau so beeindruckend arbeiten die Bremsen.

Breite Sechspunktgurte mit Schnellverschluss verhindern, dass es mich beim Anhalten durchs Lenkrad siebt.

Geht es denn jetzt endlich los?

Jetzt noch ein paar gute Ratschläge von Papa abholen. So ist es immer, wenn kleine Jungs spielen gehen wollen – warum sollte es bei großen anders sein?

Klare Ansage: "Auf dem gesamten Kurs gilt absolutes Überholverbot!“ Und: "Den Anweisungen der Instruktoren ist unbedingt Folge zu leisten!“

Aber eine der ersten Instruktionen lautet zum Glück: „Gebt Gas! Wir wollen, dass ihr hier richtig Spaß habt!“

Mit Schmackes rauf- und runterschalten

Das Wildleder-Volant des Formel-BMW ist rechteckig und in etwa so groß wie eine Oktoberfest-Brezel. In der Mitte befindet sich eine kleine Leiste mit LED-Lämpchen. „Wenn alle leuchten, schaltet ihr hoch“, erklärt uns Instruktor Markus Lungstrass noch.

Bei 5.000 Umdrehungen pro Minute setzt die Lichtorgel ein.Rechts im Cockpit, circa halbe Höhe Oberschenkel, sitzt der metallene Schaltstummel. Mit Schmackes nach vorn runter, mit Schmackes nach hinten hoch schalten.

Sehr martialisch. „Kuppeln bitte nicht vergessen“, mahnt Lungstrass, obwohl es sich um ein sequentielles Längsgetriebe handelt.

Jede Runde fahren wir einen Tick schneller

Zum Warmwerden geht es auf eine circa 600 Meter lange Gerade. Die Motoren springen an, ohrenbetäubender Lärm dröhnt von allen Seiten. Beim Gasgeben zittert der gesamte Wagen – oder zittere nur ich vor Aufregung?

Auf "Los!" fährt die Meute an. Das Ding fährt sich wie ein Auto. Am Ende des Parcours scharf bremsen, bei den Pylonen links rum und zurück. Zehn, zwölf Mal drehen wir in Gruppen von vier Leuten unsere Runden.

Immer mit mindestens fünf, sechs Wagenlängen Abstand zum Vordermann. Und immer ein bisschen schneller. Zwei, drei Mal bricht das Heck meines FB02 leicht aus bei den Pylonen, so spät und hart steige ich in die Eisen, ich Zauberlehrling.

"Alles noch dran?", fragt der Instruktor am Ende

Dann geht es auf die eigentliche Rennstrecke. Jetzt fährt Klingmann im Formel BMW vorweg. Nach jeder Runde über den 2,4 Kilometer langen Berg-und-Tal-Kurs schert der Wagen direkt hinter ihm aus, der Letzte in der Gruppe schließt nach vorn auf.

So kann jeder einmal der Ideallinie des Meisters folgen, bevor das Feld sich selbst überlassen wird. Runde für Runde traue ich mir und dem Wagen mehr zu, dennoch bleibe ich hinter dem Instruktor immer weiter zurück.

Hinter einer Kuppe steht plötzlich ein Auto quer. Ich steige abrupt in die Eisen – und drehe mich ebenfalls raus, allerdings zur anderen Seite. Nach kurzem Check in der improvisierten Boxengasse ("Alles noch dran?“) hänge ich mich wieder ans Feld.

Wer zu dicht drauf ist, wird über Funk ermahnt. "17, mehr Abstand.“ 17, war das nicht meine Nummer?

Preise für das Rennfahrertraining

Ein Schnäppchen ist dieses Bad im Adrenalin nicht – aber das wird auch keiner ernsthaft erwartet haben. Drei Variationen bietet BMW an:

Das so genannte Rookie-Training (zwei bis drei Stunden, davon 20 Minuten "Rennstreckenerlebnis“) gibt es ab 390 Euro pro Person.

Das hier absolvierte Intensiv-Training (fünf bis sechs Stunden, zwei Fahrblocks, Mittag- oder Abendessen) kostet je nach Location ab 1.450 Euro pro Kopf.

Für das Professional-Training (Ein-Tages-Training, geführte Profi-Fahrt, freies Training, Qualifying, Zeitanalyse, Siegerehrung) ruft BMW mindestens 2.950 Euro auf, dafür geht es in der Regel aber auch nach Valencia.

Mindestens 18 Jahre alt müssen die Teilnehmer sein und im Besitz eines gültigen Führerscheins. Weitere Voraussetzungen: Größe zwischen 1,60 und 1,88 Meter, Gewicht unter 100 Kilo, Schuhgröße kleiner als 47.

Sonst passt den Praktikanten das Auto nicht.

Informationen und Buchung:

> BMW Racing Experience

Text: Ralf Bielefeldt