mobile.de: Lacktiefenmesser

So schauen Sie unter den Lack

Ein kleines Gerät findet versteckte Blechschäden

Wer einen Gebrauchtwagen oder Klassiker kauft, will ganz sicher gehen: Unfallschäden können übergespachtelt und -lackiert sein. Mit einem schlauen Hilfsmittel finden Sie den Nepp.

Was unter die Haut geht, kann leicht verletzen – Menschen wie Autos. Nur, wie prüft man das? Beim Blechkameraden gilt im Prinzip dasselbe wie beim Freund von nebenan: Äußerlichkeiten können ablenken; das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Zum Beispiel alte Schäden und Kratzer, sauber verspachtelt und fein nachlackiert.

Werden sie nicht bemerkt, ist das kein Drama – doch hat beispielsweise der Spachtel-König gepfuscht, kann sich unterm Blech der Rost einnisten und Jahre später bröselt alles weg. Also doch besser genauer hinschauen. Außerdem mindern Unfallschäden den Preis, und daher werden sie auch gern verheimlicht. Um das zu entlarven, sind inzwischen Prüfgeräte am Markt, die mehr oder weniger genau die Dicke der Deckschicht bis zum Blech messen können.

Der Mercedes unter diesen nützlichen Apparaten heißt Qnix 4500 und zeichnet sich dadurch aus, dass er auf Stahlblech ebenso gut funktioniert wie auf Aluminium. mobile.de hat ihn getestet.

Wird schlecht gespachtelt, kann schnell ein Rostnest entstehen

Wie dick der Lack ist, steht in keinem Buch: "Die Hersteller geben keine Werte an", sagt der Sachverständige Rolf Steffens. Ein schneller Mess-Check erklärt schnell, warum: Von Tür über Dach bis zum Kotflügel variiert die Lackdicke um bis zu 30 Prozent. Wer mit einem Messgerät nun Detektiv spielt, sollte daher das ganze Auto untersuchen.

Heißt: Im Abstand von 30 Zentimeter Punkt für Punkt sorgfältig kontrollieren und anhand einer Skizze die Werte notieren. So lässt sich schnell ein ungefährer Normal-Wert bestimmen. Weicht die Lackschicht an einem oder mehreren Punkten erheblich ab, handelt es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um nachträglich verzinnte, gespachtelte oder überlackierte Stellen. Mit einem Wort, um Flickschusterei.

"Aktuelle Autos haben eine Lackdicke von etwa 80 bis 120 µm", sagt der Sachverständige Steffens. Spachtel-Gebirge lassen sich am leichtesten identifizieren: Unser Test-Fahrzeug an einem alten VW weist an der Tür 0,5 Millimeter von der Oberfläche bis zum Blech auf. Die Töpferware ist hier fast dicker als das Blech selbst!

Ein Auto sollte möglichst komplett durchgemessen werden

Spannend wird es bei einem älteren Käfer aus den 1970ern: Der Qnix 4500 zeigt über das gesamte Fahrzeug hinweg eine Lackschicht von 300 bis 400 µm an. "Offenbar wurde der gesamte Wagen mindestens einmal neu lackiert", schätzt Steffens. Da vor 30 Jahren auch werksseitig dicker lackiert wurde, kommt das recht gut hin.

Unser letztes Test-Objekt, das Deutschlandauto, zeigt einen relativ neuen Aspekt: die Dicke von Folien. Motorhaube und Türen sind mit mattschwarzer Folie überzogen, die das Messgerät auch prompt registriert. Auch dicke Spachtelschichten sind für den Qnix 4500 keine Hürde: Bis 3 mm misst er zuverlässig.

Der Qnix 4500 wird nach Angaben des Herstellers von 90 Prozent der Kfz-Sachverständigen genutzt. Er kostet 626 Euro – durch den hohen Anschaffungspreis rentiert sich dieses Top-Gerät nur für Profis. Wer für den nächsten Oldtimer-Kauf auf Nummer sicher gehen möchte, kann Kleingeräte ab 14,99 Euro zum Beispiel über eBay Motors erwerben.