So rüsten Sie Ihren Benziner auf LPG um

Geld sparen mit Autogas

Tanken wird immer teurer, vor allem für Benziner. Die Umrüstung auf Autogas ist zwar nicht billig, rentiert sich aber schon nach wenigen Monaten: Sie fahren dann für die Hälfte!

Es ist schon verrückt: Autogas kostet knapp die Hälfte von Normalbenzin, derzeit etwa 0,78 Cent pro Liter. Aber von den 30 Millionen Autos mit Benzinmotor in Deutschland können nur knapp drei Millionen den günstigen Kraftstoff tanken. Warum lassen deutsche Autofahrer ihren Benziner nicht umbauen?

Zweifel an der Zuverlässigkeit können es eigentlich nicht sein: Seit den 1960er-Jahren werden Autos mit Autogas betrieben. Auch die Sorge um das Tankstellennetz ist unbegründet: In Deutschland gibt es aktuell etwa 6000 Autogas-Zapfsäulen, bei rund 14.500 Tankstellen insgesamt.

Einziges Hindernis ist die erste Investition: Für die Umrüstung eines gebrauchten Benziners sind je nach Größte des Motors 2500 bis 3000 Euro fällig. Es geht zwar auch erheblich billiger – aber dann leidet erfahrungsgemäß die Qualität.

Auch Zwölfzylinder können umgerüstet werden

"Wir haben regelmäßig Kunden, die sich irgendwo eine Billig-Anlage einbauen ließen und wenig später Probleme bekamen", sagt Andreas Thomsen, Chef vom Autogascentrum Rellingen in Hamburg. Seit 2005 werden hier Autogasanlagen verbaut; inzwischen bei über 3500 Autos.

Hier wurde auch das Deutschlandauto von mobile.de umgerüstet – bisher läuft die Anlage reibungslos. Fast alle Autotypen mit Ottomotor, die in den letzten 30 Jahren gebaut wurden, können damit ausgestattet werden. Neuester Auftrag ist ein großer Audi A8. Vor einer Hebebühne steht die Luxuslimousine und sperrt die riesige Motorhaube auf. Ein Haifischmaul sieht klein dagegen aus. Im Halbdunkel des Motorraums glänzt zwar kein gezacktes Gebiss, doch dafür ein prachtvoller Zwölfzylinder. So ein Auto verbraucht locker 25 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer.

Angesichts der Spritpreise kann man heute an so einem Monstrum kaum noch ungetrübte Freude haben. Das mag sich der Eigentümer des A8 auch gedacht haben. Die Umrüstung ist kein einfacher Eingriff: "An Zwölfzylinder trauen sich in Deutschland nur wenige Betriebe heran", sagt Thomsen.

Gasanlagen sollten grundsätzlich nur Spezialisten einbauen

Doch auch bei einem Vierzylinder ist die Umrüstung auf Autogas weit mehr als ein Reifenwechsel: Sie dauert mit allen Feinarbeiten inklusive Abnahme mehr als zwei Tage. Diese Arbeit sollten Spezialisten ausführen, die über entsprechende Fachkenntnis verfügen. Die bieten zumeist nur Spezialbetriebe, die in langen Jahren Know-how aufgebaut haben und ihre Mitarbeiter kontinuierlich schulen.

Ganz abgesehen von Dichtigkeits-Problemen. Immerhin handelt es sich um Gas; im Haushalt dürfen da nur Spezialisten ran. Im Auto sollte es nicht anders sein. Außerdem wird vom Tank bis zum Motor-Zulauf ein komplettes System installiert. Das bedeutet: Löcher müssen gebohrt, ein Tank verbaut und Leitungen verlegt werden. Jeder Autotyp ist anders, und exakte Bauanleitungen existieren nicht. Es ist also Feingefühl, Mitdenken und handwerkliche Fertigkeit erforderlich, damit nicht irgendwo etwas scheuert, klappert oder stört.

Sogar Oldtimer sind für den Einbau geeignet

Was die Arbeit erschwert: Die Konstrukteure der Autos haben natürlich nie berücksichtigt, dass irgendwann einmal auf Autogas umgestellt werden würde. Im Gegenteil: Selbst die meisten Autos, die schon ab Werk mit LPG fahren, sind baugleich mit den Benziner-Modellen – und nur auf Autogasbetrieb umgerüstet.

Umgekehrt können auch viele Autos auf LPG umgerüstet werden, die nie dafür vorgesehen waren: Sogar viele 40 Jahre alte Klassiker sind umrüstbar. Damit ist es möglich, einen spritsaufenden Oldtimer kostengünstig zu fahren. Es ist sogar möglich, Autos mit H-Kennzeichen auf LPG umzurüsten, ohne die Oldtimer-Zulassung zu verlieren. "Wenn die Autogas-Anlage in einem Zeitraum von zehn Jahren nach dem Bau des betreffenden Modells verfügbar war."

Heißt nichts anderes, als dass Autos ab Ende der 1950er-Jahre auf LPG umgerüstet werden konnten – und können. Um die H-Zulassung zu erhalten, muss lediglich darauf geachtet werden, dass die Autogasanlage nicht von außen sichtbar wird. Im Autogascentrum haben sie schon große Mercedes-Limousinen der Baureihe W108 und W116, amerikanische Straßenkreuzer Marke Chevrolet oder Ford, aber auch europäische Mittelklasse-Modelle aller Art.

Luftgekühlte Porsche 911 nicht umrüstbar

Ausnahmen sind alle Autos mit Luftkühlung, also ältere Porsche 911 oder VW mit Boxermotor. Grund: Eine Wasserkühlung ist notwendig, um das im Tank durch Druck verflüssigte LPG anzuwärmen, damit es gasförmig in den Brennraum injiziert werden kann. Natürlich ist es technisch möglich, in solche Autos einen Wasserkreislauf zum Vorwärmen nachträglich einzubauen – doch der finanzielle Aufwand wäre beträchtlich.

Die Umwandlung des LPG von flüssigem in gasförmigen Zustand erledigt der "Verdampfer". Kann dieses Bauteil nicht im ausreichenden Maße Autogas verdampfen, droht Vereisung. Resultat: Es gelangt dann zu wenig LPG in den Brennraum, dadurch erhöht sich die Verbrennungstemperatur und der Motor kann überhitzen. So kommen die meisten Schäden bei Autogas-Betrieb zustande.

Wie in jeder Branche gibt es auch bei Autogas Qualität und Nepp. Anerkannt gute Markenhersteller sind zum Beispiel Prins VSi und Landirenzo.

Es gibt noch andere alternative Treibstoffe, mit denen Sie viel Geld sparen können, zum Beispiel Erdgas.

Weitere Auto-Themen auf mobile.de