Auto-TV: Fußball auf der Überholspur

Fernsehen im Auto ist heute ein simples Ausstattungsmerkmal wie MP3-Player oder größere Boxen. Damit können Sie sich alle Spiele der Fußball-WM bequem vom Fahrersitz aus anschauen.

Ein ganz alltäglicher Alptraum: Sie sind auf dem Weg nach Hause, das Match beginnt gleich, der Fernseher läuft bereits warm, Bier ist auch schon kaltgestellt. Alles könnte so schön sein, doch da passiert es – irgendwo vor Ihnen schläft jemand für eine Millisekunde, es kracht, der Stau ist da. Was nun? Spiel verpasst, Abend versaut?

Experten behalten die Nerven, fahren rechts raus und schalten einfach den Fernseher an. Das klingt nach Zukunftsmusik? Fernsehen an Bord, ein Luxus-Accessoire für Superreiche? Das war gestern: Heute ist Auto-TV für relativ kleines Geld und mit ein paar kundigen Handgriffen auch im kleinsten Pkw schnell auf Sendung. Natürlich gibt es in der oberen Preisklasse schon seit langem integriertes Bord-TV; doch Nachrüstung stellt inzwischen kein Problem mehr dar.

Empfang an jeder Straße

Fernsehen im Auto wird möglich durch DVB-T, das digitale Antennen-Fernsehen. Es wird von stationären Antennen überall in Deutschland ausgestrahlt und kann daher im Prinzip auch überall empfangen werden. Aufgrund der hohen Datenrate (bis zu 20 Mbit pro Sekunde) kann jeder Kanal mit vier Sendern belegt werden; das bedeutet flächendeckend bis zu 32 Programme. Was 2003 in Berlin begann, hat inzwischen ganz Deutschland erreicht. Allerdings ist der Name "Überallfernsehen", den DVB-T erhalten hat, etwas übertrieben. Gerade im Gebirge kann es zu Empfangsproblemen kommen. Und auch im Tunnel läuft natürlich nix. Aber ansonsten: sollte man es probieren. Benötig werden lediglich der Receiver, die Antenne und ein Bildschirm.

Alte Autos besser geeignet

Ausrüsten lässt sich jedes Auto, ob es nun gerade vom Band gelaufen oder bereits 30 Jahre auf der Straße unterwegs ist. "Mit älteren Autos geht es eigentlich am Besten, weil die noch nicht so vernetzt sind", sagt Peter Brandt vom Elektronik-Hersteller Alpine. Bei jüngeren Baujahren ist dagegen alles an ein zentrales Steuergerät angebunden – da jeder Hersteller ein anderes verwendet, ist zusätzlich für das Auto-TV ein Adapter notwendig. Das verteuert die rollende Fernsehstube um bis zu 150 Euro.

Der größte Monitor von Alpine, ein LCD-Bildschirm mit 25 Zentimeter Bildquerschnitt, wird am Fahrzeughimmel vor den Rücksitzen installiert und kann bei Bedarf ausgeklappt werden. Auch in die Sonnenblenden können ultraflache Mini-Displays eingesetzt werden. Für alle Fahrzeuginsassen gut zu erkennen sind Bildschirme mit 15 Zentimeter Querschnitt, die in den doppelten DIN-Schacht der Mittelkonsole passen. Ein solches Kombigerät inklusive DVD-Spieler und USB-Schnittstelle sowie Navi kostet rund 900 Euro.

 

Montage in zwei Stunden

Die eigentliche Montage ist schnell erledigt: Zwei Stunden Einbau, dann kann das Spiel auch schon beginnen. Allerdings nur im Stand und bei ausgeschaltetem Motor: Die Anschlussbelegung sieht vor, dass während der Fahrt kein Bild mehr empfangen werden kann. Für den Fahrer wird dann je nach Bauart bei gelöster Handbremse oder ab Tempo 30 der Bildschirm schwarz, es ist nur noch die Tonübertragung zu hören. Rückwärtige Bildschirme hingegen bleiben auch während der Fahrt ansteuerbar. Selbst Sportsendungen sollen bis zur Autobahn-Richtgeschwindigkeit 130 km/h noch störungsfrei zu sehen sein, fand ein Automagazin beim Test von DVB-T heraus. Insgesamt ist der Autofahrer mit rund 1500 Euro dabei. Das ist zwar teurer als jede Stadion-Karte – aber andererseits jeden Cent wert, wenn man das Gefühl kennt, einmal ohne Fernseher irgendwo in der Wallachei den Anpfiff zu verpassen...