Wenn lässig zu fahrlässig wird

Auch eine noch so geduldige Versicherung hat mal ein Ende: Bei Fahrlässigkeit ist schnell Schluss mit lustig. Doch wo ist die Grenze zwischen lässig und fahrlässig?

Alles hat ein Ende: Der Sommer, die Deckung auf dem Konto, und leider auch der Versicherungsschutz. Viele Autofahrer wollen zum Beispiel nicht glauben, dass es Autoeinbrüche gibt, die nicht komplett gedeckt sind. Gibt es aber doch: Wer im Cabrio Gegenstände liegen lässt, ohne das Dach zu schließen, kann bei Klau auf den Kosten sitzenbleiben. Und das kommt leider immer wieder vor. Es müssen mindestens die Scheiben hochgefahren bzw. -gekurbelt werden und das Handschuhfach abgeschlossen sein, damit die Teilkasko einspringt. Das gilt aber nur für kurze Parkzeiten. Bei Einbrüchen ins komplett geschlossene Cabriolet springt die Teilkasko ein, auch eine Audioanlage wird ersetzt. Für Vandalismus und Navi-Klau kommt die Versicherung nicht auf.

Noch drastischer ist der Fall der unerlaubt verlängerten Probefahrt: Sie wollen Ihr Auto verkaufen, der Käufer unternimmt eine Probefahrt – und geht mit dem Wagen stiften. Ihre Teilkasko zahlt entgegen aller Annahmen nicht: Weil es kein Diebstahl ist, sondern eine Unterschlagung.

Was kostet grobe Fahrlässigkeit?

Es gibt sie noch: die grobe Fahrlässigkeit. Damit sind Fehlhandlungen gemeint, deren Dummheit jedem anderen aufgefallen wären – nur eben dem betreffenden Autofahrer nicht. Streitpunkt ist zumeist die Kasko: Bis 2008 kam es vor, dass Versicherungen bei selbst verschuldeten Unfällen grobe Fahrlässigkeit annahmen und die Zahlung verweigerten. Seit zwei Jahren nun gilt das reformierte Versicherungsvertragsgesetz, das den völligen Wegfall der Deckung zumindest ausschließt. Doch noch immer kann die Kasko die Leistung erheblich kürzen. Nach der Praxis der Rechtsprechung "kostet" eine Fahrlässigkeit ungefähr so viel Ihres Kaskoschutzes:

  • Über rote Ampel gefahren: Kasko-Kürzung um 50 Prozent
  • Fahren mit 1,1 Promille: 100 Prozent
  • Totalschaden nach Alkoholmissbrauch des Fahrers (Überlassung des Autos durch ebenfalls betrunkenen Versicherungsnehmer, der als Beifahrer mitfuhr): 75 Prozent
  • Übermüdung: 75 Prozent
  • Tempodelikt: je nach Tempo bzw. Abstand zum Limit 25 bis zu 75 Prozent
  • Autoschlüssel leicht zugänglich aufbewahrt: 25-75 Prozent
  • Autoschlüssel in der Tür steckenlassen: 50 Prozent
  • Fehler beim Überholen: 50 Prozent
  • Greifen nach herabgefallenem Gegenstand während des Fahrens, dadurch Lenkfehler: 50 Prozent
  • Stoppschild missachtet: 25 Prozent

Teilkasko kommt nicht für lose Gegenstände auf

Immer wieder ein Streitfall: Gehören Ausrüstung bzw. Anbauteile zum Umfang des Teilkasko-Versicherungsschutzes – oder nicht? Hier empfiehlt sich grundsätzlich eine Expedition ins Kleingedruckte des Versicherungsvertrages, denn es kann sehr gravierende Unterschiede bei Deckung und Definitionen geben. Regelmäßig sind Gegenstände, die nicht fest mit dem Auto verbunden sind, bei Schaden und Diebstahl nicht mitversichert. Das betrifft Gepäck ebenso wie teure Technik, Handys, Kameras usw. Um Gepäck zu versichern, zum Beispiel auf einer Urlaubsreise, ist eine Extra-Police notwendig. Anbauteile wie Dachkoffer oder Tuning-Extras müssen auch extra versichert werden; dafür gibt es in der Regel einen Zuschlag. Selbst ziemlich fest eingebaute Gegenstände wie Räder und Reifen sind nicht grenzenlos geschützt: Besonders hochwertige Premium-Produkte können schnell durch die Decke, Obergrenze genannt, stoßen. Sie müssen ebenfalls gemeldet werden.