Sparen – noch vor dem Fahren

Autoversicherungen haben ihren Preis – doch fast jeder Autofahrer kann ihn erfolgreich drücken. Das fängt mit der Wahl des Wohnsitzes an und endet beim Kleingedruckten.

Ostdeutsche haben es besser; zumindest in Hinblick auf die Autokosten. Denn hier sind nicht nur die Werkstattpreise günstiger, sondern auch die Versicherungstarife für die Kfz-Haftpflichtversicherung. Das belegt der kürzlich erschienene jährliche Regionalklassen-Index der Versicherungsbranche: Besonders preiswert sind danach im Jahr 2010 die Zulassungsbezirke Elbe-Elster, Mecklenburg-Strelitz und Oberspreewald-Lausitz, wo die Haftpflicht zwischen 68 bis 72 Prozent des Bundesdurchschnitts kostet. Namen, die nach idyllischer Natur, aber auch nach großen Distanzen und dünner Besiedlung klingen. Umgekehrt ist die teuerste Auto-Region der bayerische Zulassungsbezirk Kaufbeuren. Er hat im Index den Wert 140, liegt also 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt (100). Eine der billigsten Großstädte ist Bremen mit 91 Prozent, mit Abstand am teuersten Berlin mit 123 Prozent.

Auch bei der Vollkasko führt Bayern

Der Index dient den deutschen Versicherern dazu, die zwölf Regionalklassen fürs kommende Jahr festzulegen. Sie werden jedes Jahr neu ermittelt; dabei fließen Unfallzahlen, Verkehrsdichte, Straßenbedingungen, aber auch Wettereinflüsse und Kriminalität ein. Regionalklasse 1 ist sehr günstig, Regionalklasse 12 sehr teuer. Bei der Vollkasko gibt es 9, bei der Teilkasko 16 Klassen.

So erklärt es sich auch, dass die Werte für Kasko- und Teilkaskoversicherung mit den Haftpflicht-Daten keineswegs identisch sind: In der Kasko-Klasse sind die teuersten Bezirke Ostallgäu und Garmisch-Partenkirchen, wo aufgrund von Tourismus hohe Verkehrsdichte und durch Hochgebirgslage extreme Wetterbedingungen herrschen. An dritter Stelle folgt Berlin mit einem Index von 130, also rund 30 Prozent über dem Bundesdurchschnitt – zurückzuführen vermutlich zu einem Gutteil auf Kriminalität und Vandalismus. Am günstigsten ist die Vollkasko in Oldenburg, Friesland und Ammerland; also in Regionen, wo das ruhige Landleben nach wie vor seinen geordneten Gang geht.

Wer umzieht, sollte auch die Regionalklasse prüfen

Wie können Autofahrer bei der Einteilung der Regionalklassen am Versicherungstarif sparen? Grundsätzlich gilt: Es gibt in der Regel keine hohen Regionalklassen-Gefälle. Ausnahme sind natürlich die Großstädte: So liegt zwischen Berlin und der benachbarten Region Oder-Spree ein Gefälle von 12 Klassen. Natürlich lohnt es sich nicht, nur im Hinblick auf den Versicherungstarif umzuziehen – aber wer plant, seinen Lebensmittelpunkt zu ändern, sollte die Regionalklasse unbedingt mit in Betracht ziehen. In diesem Hinblick lässt sich grundsätzlich sagen: Das ruhige Landleben kann nicht nur Nerven, sondern auch Ausgaben sparen. Nicht unbedingt aber bei der Teilkasko: Hier ist die teuerste Region mit 200 Prozent ausgerechnet eine der abgelegeneren Gegenden Deutschlands, nämlich die Region Uecker-Randow im Osten Mecklenburg-Vorpommerns.

Achtung: Seit 2008 ist es rechtlich nicht mehr möglich, das Auto am Nebenwohnsitz anzumelden; es muss am Hauptwohnsitz angemeldet und somit auch zu den dortigen Bedingungen versichert werden.

Tipps fürs Kleingedruckte

Weitere Spartipps: Zwar ist die Vertragsfreiheit ein relativer Begriff, denn zumeist arbeiten Versicherer mit Standardverträgen. Doch Autofahrer können bei der Tarifwahl einige Aspekte mitgestalten – und die bringen bares Geld:

  • Jahreskilometerleistung: Je mehr Sie fahren, desto mehr Prämie müssen Sie auch zahlen. Bei vorsichtiger Kalkulation können leicht über 100 Euro Unterschied möglich sein. Für Berufspendler lohnt es sich, nach geeigneten Zugverbindungen, Fahrgemeinschaften etc. Ausschau zu halten, um die jährliche Fahrleistung des eigenen Autos gering zu halten. Vorteil: Auf die Pendler-Pauschale des Finanzamts hat diese Strategie keinen Einfluss, hier zählt allein die Distanz zum Arbeitsort.
  • Nahverkehr: Viele Versicherer räumen einen Rabatt ein, wenn der Versicherungsnehmer eine Bahncard oder eine Jahreskarte für den örtlichen Nahverkehr besitzt. Das hilft ihnen auch, Ihre angegebene, niedrige Jahreskilometerleistung (siehe oben) einzuhalten – und schont die Umwelt!
  • Typklasse: Die bekannteste Stellgröße, anhand derer Sie eine Menge Geld sparen können. Sofern Ihnen Marke und Modell egal sind, können Sie gezielt nach Autos suchen, die in eine niedrige Typklasse fallen. Beispiel: Auf die Marke Skoda entfallen statistisch relativ wenige Unfallschäden, auf die Marke Chrysler durchschnittlich relativ viele. Bei ansonsten gleichen Bedingungen lassen sich mehrere 100 Euro Versicherungsprämie sparen, nimmt man einen Skoda. Und natürlich gibt es auch noch andere "günstige" Marken.
  • Stellplatz: Obwohl offiziell nicht mehr vom Branchenverband GdV empfohlen, fragen viele Versicherer nach wie vor danach. Wenn Sie einen Stellplatz auf eigenem Grundstück, Carport oder noch besser abschließbare Garage haben, bringt das einen kleinen Rabatt.
  • Nutzung: Privatnutzung ist günstiger als gewerbliche Nutzung. Wenn Sie Ihr Auto als Berufspendler nutzen, ist dies keine gewerbliche Nutzung.
  • Kinder: Da Eltern laut Statistik weniger Unfälle verursachen als Kinderlose, belohnen viele Versicherer Familien mit einem kleinen Prämienrabatt.

Achtung: Dies ist selbstverständlich keine Anleitung zur Mogelei. Alle Angaben, die Sie im Vertrag machen, müssen unbedingt wahrheitgetreu sein. Sollte sich im Rahmen einer Schadensabwicklung herausstellen, dass Sie zum Beispiel wesentlich mehr Kilometer gefahren sind, als Sie im Vertrag vorgaben, hat Ihr Versicherer einen Freibrief, alle Schadensregulierung zu verweigern. Das wollen Sie sicher nicht!