SUV-Mode: Man trägt jetzt kürzer

Verkehrte SUV-Welt: Was mal ganz groß begann, schrumpft jetzt gewaltig: Viele neue SUV sind von amerikanischer Super-Size auf europäische Verhältnisse zurechtgestutzt

Eine Riesen-Familie wird (gesund) geschrumpft: Kaum ist das SUV als eigenständige Fahrzeugklasse am Markt angekommen, sehen wir es bereits gravierendem Wandel unterworfen. Das ist dem Umwelt- und Energiesparbewusstsein geschuldet. Ein Rückblick: Vor gut zehn Jahren walzten die ersten Freizeit-Fahrzeuge über unsere Straßen, vor drei Jahren hatte fast jeder Hersteller mindestens ein SUV im Programm: das Sport Utility Vehicle, abgekürzt „Ess-Juu-Wii“ ausgesprochen, wurde zur automobilen Lifestyle-Bewegung. Bevorzugt in deutschen Großstädten legten sich viele ein hochbeiniges, breitmäuliges Geländefahrzeug mit umfangreicher Komfortausstattung zu. Die hohe Sitzposition, das Mehr an „gefühlter“ Sicherheit, der große Stauraum – all das spricht ja für sich.

 

Neue SUV 2009 / 2010 in der mobile.de-Bildergalerie

Die Mode hat sich schnell angepasst

Doch dann schlug die Wirtschaftskrise zu; und prompt hat die Mode sich den neuen Erfordernissen angepasst: Motoren wurden sparsamer, vom Allrad blieb oft nur noch der Vorderradantrieb, die Karosserien wurden um einiges kürzer, Sprit-Spar-Techniken halten auch bei den SUV Einzug.

US-Idee für Europa zurechtgestutzt

Man kann auch sagen: Die Monster-Mode aus den USA, wo Parkplätze traditionell die Hälfte der Grundstücksfläche einnehmen, wurde europagerecht zusammengestutzt. Heraus kam das Kompakt-SUV, bis zu einen halben Meter kürzer als die ursprüngliche Vorlage, das analog zum Kompaktauto viel Auto auf wenig Raum verspricht und zumeist kostensparend auf der gleichen Plattform montiert ist. Daher verwundert es auch nicht, dass die meisten Neuheiten von 2009 und 2010 kompakte SUV sind. Der edelste von ihnen ist der neue BMW X1, technisch dem kompakten 1er-BMW eng verwandt, aber noch ein echter Geländewagen mit Allradantrieb und immerhin 20 Zentimeter Bodenfreiheit.

Serienmäßig Spritsparer an Bord

Bereits in der kleinsten Motorisierung kommt das 4,45 Meter lange, knapp 1,5 Tonnen schwere Kompakt-SUV flott vom Fleck: 143 PS leistet der zwei Liter große Vierzylinder-Diesel mit Turboaufladung. Der Verbrauch liegt laut Hersteller bei bescheidenen 5,2 Liter auf 100 Kilometer (EU-Norm). Dazu tragen serienmäßige Energiesparer wie Bremsenergie-Rückgewinnung (Rekuperation), Start-Stopp-Automatik und elektronische Schalt-Empfehlung bei. Das Spitzentempo des 29.550 Euro teuren Sportgeräts liegt bei 200 km/h. Der kleinste Benziner hat 143 PS und gleichfalls zwei Liter Hubraum. Mit ihm beschleunigt der BMW X1 sDrive 18i in 10,4 Sekunden von 0 auf 100 und hört erst auf bei 202 km/h. Den Verbrauch für den neuen Motor, der ab März 2010 erhältlich ist und ab 27.200 Euro kostet, liegt laut Hersteller bei 8,2 Liter für die Ausführung mit Schaltgetriebe.

Größter Benzinmotor mit 230 PS

Kein ernsthafter Konkurrent für den Top-Motor, einen 258 PS starken Benziner mit 2,8 Liter Hubraum für ab 41.500 Euro: Er bringt das Renn-SUV bis auf Tempo 230. Der Normverbrauch des einzigen Benziners und einzigen Sechszylinders im X1 liegt laut BMW bei 9,4 Litern. Auch dieses Modell ist serienmäßig mit der Spritsparhilfe Rekuperation ausgestattet – das heißt, Bewegungsenergie wird beim Bremsen über Generatoren als elektrischer Strom an die Batterie zurückgeführt, das entlastet die Lichtmaschine und damit den Verbrauch.

Skoda Yeti mit „Offroad“-Knopf

Auch Skodas erstes SUV, der Skoda Yeti, wird als Allradfahrzeug angeboten: Ab 22.690 Euro gibt es den 4,22 Meter langen Tschechen mit Zwei-Liter-Turbodiesel, der 110 PS leistet, sich im Normverbrauch mit 6,1 Litern auf 100 Kilometer begnügt und das Auto bis auf Tempo 177 beschleunigt. Die 4x4-Technik wurde vom VW Touareg übernommen und basiert auf automatischem Sperrdifferenzial sowie einer Haldex-Kupplung, die permanent die Kraft auf alle Räder überträgt – bei normalen Straßenbedingungen zu 90 Prozent auf die Vorderachse. Je schlechter die Haftung auf der Fahrbahn, desto mehr wird die Kraft auf alle vier Räder verteilt. Drückt man den „Offroad“-Knopf, trimmt die Elektronik zahlreiche Komponenten wie ABS und ESP auf Geländefahrt – dann wühlt sich der wuchtige Yeti wirklich durch den Dreck.

Kompakter Koreaner mit Spar-Diesel

Auch der koreanische Hersteller Hyundai bringt mit dem Hyundai ix35 ein neues Kompakt-SUV auf den Markt. Der Nachfolger des Tucson ist 4,41 Meter lang, also nicht mehr wirklich klein – 43 Zentimeter fehlen zum vollwertigen SUV, dem Hyundai ix55. Frühjahr 2010 kommt das Kompakt-SUV mit der ersten Motorisierung, einem zwei Liter großen Turbodiesel mit 136 PS, der wahlweise Front- oder Allradantrieb hat. Der Normverbrauch soll nur rund sechs Liter auf 100 Kilometer betragen. Die Kraft wird wahlweise von einem sechsgängigen Schaltgetriebe oder einer Sechsgang-Automatik auf die Straße gebracht. Zur Automatik-Ausstattung gehört eine Cockpit-Anzeige, die den Fahrer über den aktuellen Spritverbrauch informiert. Als Basis-Benziner folgt Ende 2010 ein 1,6-Liter-Benzin-Direkteinspritzer mit rund 140 PS und Start-Stopp-Automatik.