Blick unters Blech beim VW Golf V

Wer einen Gebrauchtwagen kaufen möchte, sollte sich vor dem Besichtigungstermin gut über Schwachpunkte des Modells informieren. mobile.de zeigt und erläutert sie. Heute: Golf V

Außen hui, und innen? Ein Gebrauchtwagen kann die Katze im Sack sein. Jedes Modell hat seine eigenen Macken. Und die sind auf den ersten Blick schwer zu erkennen.

Man sollte aber nicht ungerecht werden: Tatsächlich gehört die letzte Generation Golf zu den zuverlässigsten Gebrauchtwagen überhaupt. Eine klare Sprache sprechen die Mängel-Reports von ADAC, TÜV und DEKRA: Das meistverkaufte Auto in Deutschland taucht in den großen Defekt-Datenbanken nur am Rande auf. Vor allem die jüngeren Exemplare des Modells sind von ausnehmend guter Verarbeitung. Zum Teil recht abenteuerliche Spaltmaße der ersten Wochen normalisierten sich mit zunehmender Produktionsroutine wieder bis zu jener Gleichmäßigkeit, die Ex-VW-Boss Ferdinand Piëch stets angestrebt hatte. Und manche Teile wurden auch noch vor dem ersten Facelift rasch umkonstruiert.

mobile.de Bildergalerie: Schwächen & Stärken des VW Golf V

Trotzdem hat auch der Golf 5. Generation bestimmte Schwachstellen – und die sollte ein Autofahrer, der den VW als Gebrauchtwagen erwerben möchte, im Auge behalten. So sollten Sie wissen, dass VW bei allen Modellreihen auf eine Konservierung von Fahrwerk, Motor und Getriebe verzichtet hat. Das zeigt sich in Form von reichlich Rostansätzen. An sich keine Katastrophe: Durchrosten wird so ein Querlenker erst nach Jahrzehnten. Aber wenn mal etwas ausgewechselt werden muss, vergrößern die festgerosteten Schrauben den Arbeits- und damit Kostenaufwand enorm. Außerdem nagt die Korrosion an den Massekabeln, die Motor, Batterie und diverse Steuergeräte mit der Karosserie verbinden. Aus den Kupferkabeln wird mit Streusalz und Wasser Grünspan, der den Strom erheblich schlechter leitet. So entstehen die nervigen Massefehler, die sich erst nach langwieriger Fehlersuche ermitteln lassen und für einen Großteil der Elektrikstörungen verantwortlich sind. Dabei ist Vorbeugen so einfach: Alle Massepunkte mit Kontaktspray einsprühen – und diese Prozedur am besten vor jedem Winter wiederholen.

Zusammenfassung: Stärken & Schwächen

+ Haltbar, haltbar, haltbar. Im aktuellen Dekra-Mängelbericht wurde bei 76 Prozent der Modelle mit 100.000 und mehr Kilometern die Bewertung "ohne relevante Mängel" (Gesamtbestand im Schnitt 54 Prozent) vergeben. "Erhebliche Mängel" hatten nur 7,2 Prozent (Gesamtbestand im Schnitt 15,8 Prozent).

+ Die Konstruktion ist sehr ausgewogen, nahezu alle Bereiche des Golf V sind gleichermaßen solide. Lediglich der Bereich Elektrik und Elektronik ragt Mängel-mäßig etwas heraus: 14 Prozent im Vergleich zu durchschnittlich fünf Prozent. Aber auch hier ragt der Golf V weit über den Gesamtbestand (30,5 Prozent) hinaus.

 

 

Modellgeschichte des Golf V

17. Oktober 2003
Markteinführung der fünften VW-Golf-Generation. Wesentliche Neuerungen sind das Fahrwerk mit einer Mehrlenker-Hinterachse und die elektromechanische Servolenkung. Zunächst gibt es den Golf V mit zwei Benzinern (1.4 mit 75 PS, 1.6 FSI mit 115 PS) und zwei Dieselmotoren (1.9 TDI mit 105 PS, 2.0 TDI mit 140 PS) sowie den drei Ausstattungslinien Trendline, Comfortline und Sportline. Das Grundmodell kostet ab 15.220 Euro.

Januar 2004
Ein 1.4 FSI (90 PS) und der 2.0 FSI (150 PS) erweitern das Angebot bei den Direkteinspritzer-Benzinmotoren. Außerdem kommt noch der bewährte 1.6 mit 102 PS dazu.

Februar 2004
Als weitere Motorvariante startet der neu entwickelte 2.0 SDI (75 PS) mit Pumpe-Düse-Einspritztechnik (ab 16.900 Euro). Neu sind außerdem die Sechsstufen-Automatikversionen (Tiptronic) für die beiden 1,6-Liter-Motoren. Befristet bis September 2004 gibt es die manuell bedienbare Klimaanlage Climatic ohne Aufpreis ab Werk.

Kernige Zeiten: Im Sommer 04 kommen die starken TDI mit Allradantrieb 4Motion. März 2004 Direktschaltgetriebe DSG optional für 1.9 TDI (105 PS) und 2.0 TDI (140 PS) lieferbar.

Mai 2004
Neu: 1.9 TDI mit 90 PS, erweiterte Serienausstattung (unter anderem Gurtwarnsystem).

August 2004
Allradantrieb 4Motion für die beiden starken TDI-Modelle und den 2.0 FSI erhältlich.

Oktober 2004
Wegfall des 1.4 FSI (90 PS), der 1,6-Liter mit 102 PS wird dafür 300 Euro billiger angeboten. Neue Angebotsstruktur der Ausstattungen, einige Aufpreise reduziert.

November 2004
Start des Golf GTI 2.0 TFSI mit dem neu entwickelten Turbo-Benzindirekteinspritzer, der 200 PS leistet (ab 24.200 Euro).

September 2005
Markteinführung des Golf R32 4Motion mit dem 250 PS leistenden Sechszylinder.

November 2005
Der 2.0 TDI mit 140 PS erhält ab Werk einen Dieselpartikelfilter (geschlossenes System). Preis: ab 21.650 Euro.

Dezember 2005
Debüt des Golf GT, dessen 1,4-Liter-FSI-Triebwerk mit Doppel-Aufladung (Kompressor und Turbolader) 170 PS leistet. Die Preise beginnen mit 22.700 Euro. Im GT feiert außerdem das stärkste Dieseltriebwerk des Golf Premiere: Der 2.0 TDI bringt es dank Vierventil- Zylinderkopfs ebenfalls auf 170 PS, der Partikelfilter Serie (ab 25.175 Euro).

Januar 2006
Sondermodell "Goal" mit spezieller Ausstattung zum Vorzugspreis. April 2006 Ab Werk mit Dieselpartikelfilter: der 1.9 TDI mit 105 PS.

Mai 2006
Das überarbeitete 1,4-Liter-Basistriebwerk leistet nun 80 statt 75 PS; Start des 1.4 TSI mit 140 PS.

September 2006
Sondermodell "Tour" mit spezieller Ausstattung und TUI-Urlaubsgutschein.

November 2006
Sondermodell "GTI Edition 30" mit aufgewerteter Ausstattung; die Motorleistung des 2.0 TFSI wird auf 230 PS angehoben (ab 28.175 Euro).

Mai 2007
Golf GT Sport als neue Ausstattungsvariante (ab 1.6 mit 102 PS, Entfall Golf GT).

Juni 2007
Einführung Golf Variant.

August 2007
Der 1.6 FSI wird durch den neuen, 122 PS leistenden 1,4-Liter-TSI-Motor mit Turbo-Aufladung ersetzt (ab 18.975 Euro).

Oktober 2008
Der Nachfolger VW Golf VI kommt auf den Markt.