mobile.de: Deutschlandauto 2010

Folge 5: Deutschlandauto

Und es bewegt sich doch!

Irre aber wahr: Das Deutschlandauto ist so gut wie fertig! Es ist komplett, in ein feines Gewand gekleidet und muss nur noch auf Hochglanz poliert werden. mobile.de hat es erstmals gefahren.

23. Juni 2010

Da steht es im fahlen Licht der schummrigen Neonröhren: Das Deutschlandauto, endlich komplett. Und fertig. Das heißt: noch nicht ganz. Bevor es am 14. September aus einer diffusen Nebelwand heraus in das Blitzlichtgewitter der internationalen Presse rollt, muss es – fahren! Nicht umsonst prüft DEKRA den Kandidaten auf Herz und Nieren, bevor er auf die Straße gelassen wird. Schließlich soll das Deutschlandauto sich auf eigenen Rädern fortbewegen – zumindest eine Stunde pro Tag, so wie im Durchschnitt jedes Auto.

Ein Durchschnitts-Auto ist das Deutschlandauto im besten Sinn des Wortes: Um den Zwitter zu bauen, wurden zwei handelsübliche Fahrzeuge einmal längs durchgeschnitten. Anschließend wurden je eine Vorder- und Rückseite kunstgerecht miteinander verschweißt. Und nun darf mobile.de als erstes ausprobieren, wie sich so ein Kunstprodukt anfühlt. Die Sitzprobe klappt schon mal reibungslos: Es knackt nicht und es knirscht nicht, als ich meine 80 Kilo in den Fahrersitz plumpsen lasse. Kein Zweifel: Andy und seine Mannen von "AGC Performance" und den "Bad Toys" haben sauber gearbeitet.

Ein prüfender Blick auf Tacho, Ganghebel und Feststellbremse: Alles da, wo es hingehört, noch dazu fein säuberlich in schicken schwarzen Teppich eingekleidet. Nur für Experten ist ersichtlich, dass Gang- und Bremshebel nicht ein- und dasselbe Fabrikat sind. Vorsichtig löse ich die Bremse: Nein, alles stabil – kein Anzeichen, dass hier gebastelt wurde. Ein Griff zum Zündschlüssel; die Stunde der Wahrheit ist nah.

Doch was ist das? Statt des vertrauten Klackern des Anlassers bricht ein Urknall über mich herein – zu meiner Überraschung von hinten. Haben die Schrauber in ihrem Übermut dem Deutschlandauto einen Sportwagenmotor im Heck verpasst? Ein Blick unter den Kofferraumdeckel bringt die Lösung: Dort macht sich eine fette Subwoofer-Anlage von Sinus Live breit. Fünf Röhren, dick wie Raketensilos, schleudern Klangkaskaden in alle Richtungen. Dagegen ist der 1,6-Liter-Benziner ein Bienchen. Er läuft schon; der Tornado im Heck hat in bloß übertönt ... Ich dimme die Anlage auf Zimmerlautstärke und wechsle zum Kultur-Radio. Na bitte, es geht also auch kultiviert mit einem Sinn für die leisen Töne.

Sportfahrwerk bügelt kleine Schlaglöcher einfach weg

Und los geht die Fahrt, aber bitte vorsichtig: Die edle Lackierung und die brandneuen Folien sollen nicht durch Steinschlag beschädigt werden. Also spare ich es mir, das Deutschlandauto in wilder Drift quer über ein norddeutsches Stoppelfeld zu jagen, sondern fahre brav geradeaus über Asphalt. Von hinten klimpert Kammermusik, von unten ist – nun ja, fast nichts zu spüren.

Schließlich hat das Deutschlandauto ein Sportfahrwerk von Maxtrac, das die kleineren Schlaglöcher des Hamburger Vorstadt-Industriegebiets einfach wegbügelt. Nicht wegbügeln lassen sich die verblüfften Blicke der zwei Passanten, vor denen ich an der nächsten Ampel anhalte. "Wassndas für'n Auto?", fragt einer von beiden entgeistert. Tja, noch darf ich nicht sagen, wer Papa und Mama dieses bemerkenswerten Fahrzeugs sind.

Das üppige Mehrgewicht macht sich bemerkbar

Und wie es sich fährt? Sehr manierlich, wie man es von einem Musterknaben, der ganz auf dem Boden der Wissenschaft und Statistik fußt, erwartet. Er zieht spürbar, aber alles andere als temperamentvoll an, schiebt nicht über die Vorderräder und verzögert erwartungsgemäß. Alles andere als eine Rakete – aber das ist auch kein Wunder, denn mit 100 PS gegen geschätzte zwei Zentner Übergepäck dank verstärkter C-Säule, HiFi-Anlage und Autogasanlage greift man nicht nach den Sternen.

Aber auch das entspricht den über 35 Millionen Suchanfragen, die von Usern an mobile.de und eBay Motors gestellt wurden und die Grundlage für das Deutschlandauto-Projekt sind: Die deutschen Autofahrer kennen ihre Grenzen; sie wünschen weder hochgezüchtete Renn-Böcke noch riesige Raum-Schiffe. Ihr Traum von Mobilität bewegt sich – nun ja, in gemütlichem Tempo zurück in seine Garage. Bis zum 14. September.

(Fortsetzung folgt)

Text: Roland Wildberg