Große Klasse: Autos für Staatsakte

Starker Auftritt inklusive: Wer einen standesgemäßen Dienstwagen sucht, findet auch unter den neuen Frühjahrs-Modellen die passende Staats-Karosse.

Hab acht: Vor diesem neuen Flaggschiff heben sich Schlagbäume und Schranken wie von selbst. Der Audi A8 neuester Generation ist schließlich noch länger als die aktuelle Mercedes S-Klasse, ganze sieben Zentimeter. Auf stattlichen 5,13 Meter lümmeln sich Chauffeur, Passagiere im Fonds und ein geräumiger Achtzylinder mit Diesel- oder Benzinantrieb. Den Diesel-V8 mit 4,2 Liter Hubraum facht ein Turbo bis auf 350 PS an und wuchtet das bis zu 2660 Kilogramm schwere Ungetüm in unglaublichen 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Damit die Bäume bzw. Autos nicht in den Himmel schießen, ist die Geschwindigkeit, wie in dieser Klasse üblich, elektronisch auf 250 km/h begrenzt. Der Verbrauch soll sich dank Bremsenergie-Rückgewinnung und Start-Stopp-Automatik bodennah bewegen, nämlich bei 7,6 Liter auf 100 km. Ab 90.800 Euro soll der Diesel-A8 kosten, das sind 700 Euro mehr als der Benziner und knapp 2000 Euro weniger als der ähnlich motorisierte Mercedes S450 CDI mit 320 PS.

 

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"Kleiner" Rolls mit 570 PS

Nicht überall hat sich der Diesel als standesgemäße Beförderungsart durchgesetzt: Rolls-Royce hält tapfer die Benzin-Fahne hoch; der neue "kleine" Rolls-Royce Ghost fährt traditionell nur mit Sprit. Vorläufig auch nur mit einem Motor, der nichts weniger als den stärksten Antrieb bietet, der jemals einen Rolls-Royce um die Kurven fetzen ließ: Der V12 drückt aus 6,6 Liter Hubraum nackte 570 PS, dank Direkteinspritzung und Doppelturbo. In Worten: Fünfhundertsiebzig, das sind 9,5 Polo-Grundmodelle. Doch wer will schon mit 9,5 Polos zum Staatsakt brausen... Natürlich verleiht ein Rolls-Royce Ghost seinem Insassen mehr Gewicht, und zwar wörtlich: Auf 5,39 Meter Länge drängen sich 2360 Kilogramm Blech, Leder und Grauguss, und das alles kostet ab 253.000 Euro. Eine Achtgangautomatik moderiert die Urgewalt der zwölf Zylinder behutsam, damit der Asphalt nicht beschädigt wird. Dennoch soll die Edel-Rakete in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h toben. Der Verbrauch ist ausnahmsweise mal kein Understatement; nach Norm genehmigt sich Ihre Lordschaft 13,6 Liter auf 100 km. Super Bleifrei, wie gesagt.

Alu im Anflug: Mercedes SLS AMG

Etwas mehr Leistung, etwas weniger Blech: Im Vergleich mit dem Ghost wirkt der neue Supersportwagen von AMG fast bescheiden. Er wiegt nämlich mit 1620 Kilogramm eine rund Tonne weniger, hat aber genau 1 PS mehr als der britische Bolide. Die 571 PS des V8-Mittelmotors entfachen ein wahres Höllenfeuer: In 3,8 Sekunden erreicht das Auto die 100 km/h, Vmax liegt bei 317 km/h. Wobei, diesen Hinweis kann sich der Hersteller nicht verkneifen, auch diese Endgeschwindigkeit elektronisch begrenzt ist. Im Verbrauch nähern sich die beiden Hochleistungsprodukte dann wieder an: 13,2 Liter hat Mercedes nach EU-Norm gemessen – bedenkt man, dass ein Auto bei der standardisierten Verbrauchsmessung ganze zehn Sekunden mit Tempo 120 fährt, bekommt man eine Vorstellung davon, was für ein Verbrauch mit dem SLS real möglich ist... Als Zitat an den berühmten Flügeltürer der 50er-Jahre hat auch der AMG-Sportwagen nach oben öffnende Türen. Erstmals hat die Tuning-Tochter von Mercedes, AMG, ein Auto komplett selbst entwickelt. Chassis und Karosserie bestehen aus Aluminium, das Auto wird großteils in Handarbeit gebaut. Ende März wird der erste SLS AMG das Werk Sindelfingen und wechselt gegen 177.310 Euro den Besitzer.

BMW 7er Hybrid: Nachhaltiger Eindruck

Führungskräfte aus der Solarbranche: So ließe sich die Zielgruppe für den neuen BMW 7er Hybrid grob umreißen, denn der Symbolwert dieses Technolgieträgers geht über seine Einsparpotenziale weit hinaus. BMW hat seiner Oberklasse-Limousine 750i (weiterentwickelter Twinturbo-V8 mit nun 445 PS) einen niedlichen 20-PS-Elektromotor einverleibt, das Ganze mit Spritspar-Zaubermittelchen wie Start-Stopp-Automatik und Rekuperation garniert und dazu noch im Farbton Bluewater Metallic lackiert. Dieses angebliche Öko-Statement beschleunigt in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 und verbraucht nach EU-Norm 9,4 Liter auf 100 Kilometer. Preis: ab 105.900 Euro. Der in den Fahrleistungen vergleichbare 750i mit 407 PS kostet ab 91.600 Euro und verbraucht auch nur zwei Liter mehr. Beachtlich, dass der Hybrid-7er seinen konventionell getriebenen Bruder nur um 15 Kilogramm überwiegt; bei der Gewichtsreduzierung haben die BMW-Ingenieure also gute Arbeit geleistet.

VW Touareg: 50 Kilometer auf Akku

Hybridautos sind dynamische Antriebskonzepte. Sie wandeln sich Stück für Stück: Vom Benzinantrieb mit elektrischer Hilfemaschine werden sie von Modellreihe zu Modellreihe immer mehr zu Elektroautos. Das hat Toyota mit dem Prius vorexerziert, und Volkswagen zeigt es nun sehr schön mit der zweiten Modellreihe des SUV Touareg. Denn der wuchtige Geländewagen kann immerhin 50 Kilometer ausschließlich mit Batteriebetrieb fahren, bis der Verbrennungsmotor wieder einspringen muss. Das ist nicht nur auf überlegene Elektro-Technik mit modernen Lithium-Ionen-Akkus zurückzuführen, sondern auch auf Gewichtsersparnis: 208 Kilogramm hat VW im Verhältnis zur 1. Serie eingespart. Den numehr 2315 Kilogramm schweren Hybrid-Touareg treibt ein 333 PS starker V6 mit Turbolader an, unterstützt von einem bis zu 46 PS starken Elektromotor. Das Gespann verbraucht nach EU-Norm nur 8,2 Liter Benzin. Dabei wirkt auch ein neuartiges Acht-Gang-Automatikgetriebe mit, dessen zwei größte Gänge besonders lang übersetzt (Overdrive) sind. Schade nur, dass der Preis von 73.500 Euro noch um 25 Prozent über dem günstigsten Diesel liegt: Der Touareg V6 TDI mit 240 PS verbraucht nur 7,4 Liter je 100 Kilometer (EU-Norm), ist also im Betrieb merklich billiger. Das macht deutlich, dass Hybridantrieb vorläufig eine technische Spielerei ist, die allenfalls Skrupel erspart.