Irgendwie anders: Autos mit Kanten

Räder muss ein Auto haben, aber der Rest ist eigentlich variabel. Einige Designer beherzigen das und überraschen uns im Frühjahr mit neuen Modellen, die ein eigenes Gesicht haben.

Er ist potthässlich – nein, er ist bildschön... Genau: Endlich mal wieder ein Auto, das polarisiert. Man muss es ja nicht kaufen: Der Nissan Cube heißt nicht nur so, er ist auch ein rollender Kubus. Nissan ist mit diesem gewagten Auto aus der ausgefahrenen Spur des Allerwelts-Designs ausgeschert, und dafür verdient der japanische Hersteller Anerkennung. Darauf haben Europäer sieben Jahre warten müssen: Denn was dieses Frühjahr auch hierzulande das Straßenbild belebt, ist in Japan schon 2003 auf den Markt gekommen. Umso witziger klingen die Worte von Simon Thomas, Nissan-Manager in Europa: "Sie wollen etwas Neues? Dann probieren Sie den Cube." Das Probierhäppchen auf Rädern fährt entweder mit einem 1,6 Liter großen Benziner oder 1,5 Liter großen Diesel, die beide jeweils 110 PS leisten. Während der Benziner (mit Schaltgetriebe) nach EU-Norm 6,6 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, begnügt sich der Diesel mit 5,2 Liter. Beide Motoren schieben den Schuhkarton bis auf Tempo 175. Den Benziner gibt es ab 18.000 Euro, den Diesel ab 20.000.

 

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Offen wie ein Scheunentor

Wer Kinder an Bord hat, fürchtet Langstrecken. Spätestens nach 150 Kilometern heißt es von hinten: "Sind wir bald da?" Wer mit dem neuen Opel Meriva unterwegs ist, hat nicht nur Spiel-Platz genug an Bord – der Minivan lässt sich auch bei einer Parkplatz-Pause umfunktionieren (siehe Bild). Natürlich dürfte Opel nicht primär daran gedacht haben, der Fußball-Jugend eine rollende Torwand zu verschaffen. Die gegeneinander öffnenden Türen des Meriva sind einfach praktisch. Insbesondere für Familien mit kleinen Kindern: Zwischen geöffneten Front- und Hecktüren entsteht ein regelrechter Schutzraum, in dem sich die Kleinen bequem ein- und ausladen lassen. Im Innenraum des Fünfsitzers wurde ebenfalls mitgedacht: Es finden sich zahlreiche große Ablagefächer für dies und das, die Rücksitze sind leicht erhöht, so dass Kinder mehr sehen von der Landschaft. Um schnell anzukommen, entwickelt der kleinste verfügbare Benziner 100 PS, beschleunigt bis Tempo 177 km/h und kostet ab 15.900 Euro. Allerdings kostet die Klimaanlage, die sommers in dem Glaskäfig notwendig sein dürfte, noch einmal 1140 Euro extra. Der Verbrauch liegt nach EU-Norm bei 6,1 Liter. Bisher einziger Diesel ist ein 1,7 Liter großer Motor mit 100 PS und Sechsgang-Automatik, der 172 km/h schnell fährt und im Schnitt 6,4 Liter verbraucht. Der Preis: ab 19.400 Euro.

Frischer Wind von Renault

Wer keine Kinder hat, soll wenigstens Spaß beim Autofahren haben: im Cabrio, zum Beispiel. Renault macht viel Wind um einen gleichnamigen Kleinwagen, der sich per Knopfdruck in eine rollende Sommerfrische umbaut. Der Renault Wind ist nur 3,83 Meter lang, ein reiner Zweisitzer und mit elektrisch klappbarem Blechdach ausgestattet. Auch dieses Auto hat man in ein unverwechselbares Blechkleid gesteckt, dass vielleicht nicht jedem gefällt, das aber auf jeden Fall im Gedächtnis bleibt. Insbesondere die Hinterpartie ist unverwechselbar. Sie birgt einen relativ geräumigen Kofferraum (270 Liter), der auch bei geöffnetem Dach kein bisschen kleiner wird. Das unterscheidet den Wind von seinen Konkurrenten. Einstiegsmotor wird ab Sommer 2010 ein 100-PS-Benziner, den Preis will Renault noch nicht verraten.

Giulietta: Rennmaus mit Klimaanlage

Die kleine Julia – nichts anderes heißt Giulietta – hat sich ganz schön herausgeputzt: Der Nachfolger des Alfa Romeo 147 ähnelt dem Kleinwagen MiTo, wirkt aber noch sportlicher. Ab Mai 2010 ist es so weit. Der kleinste Benziner an Bord des Alfa Romeo Giulietta hat immerhin 120 PS und 1,4 Liter Hubraum, fährt bis 195 km/h schnell und verbraucht bei vorsichtiger Fahrweise (gemäß EU-Norm) 6,6 Liter. Preis: ab 19.900 Euro, dann ist Klimaanlage sowie Start-Stopp-Automatik serienmäßig dabei. Als Spitzenversion gibt es den 1.8 TBi 16V ausschließlich in der Topausstattung Quadrifoglio Verde, darin schlägt ein Benziner-Herz mit 235 PS, das bis auf  242 km/h aufdreht. Die Rennmaus ist für ab 28.300 Euro zu haben.

Saab 9-5: Turbo und sportliche Leistung

Auch im einst eisigen Norden herrscht Tauwetter – denn seit der schwedische Hersteller Saab von GM zu der holländischen Sportwagen-Manufaktur Spyker gewechselt ist, scheint das Überleben der Marke sicher zu sein. Spyker hat bereits neue Modelle angekündigt, darunter ein SUV und einen Kleinwagen. Doch vordringlich ist das Projekt 9-5: Für die Saab-Mittelklasse sind Ende Februar die Fertigungsanlagen im schwedischen Trollhättan feierlich wieder in Betrieb genommen worden. Mindestens 100.000 Stück sollen pro Jahr gebaut werden, kündigte Saab an. In "skandinavischem Design", sprich wuchtigem Exterieur und hoffentlich vitaler Qualität, kommt das Fahrzeug auf den Markt. Auch die beiden Saab-Kennzeichen werden gepflegt: Turbo und – dazu passend – sportliche Leistung. Als Grundmotorisierung ist ein 1,6 Liter großer Benziner im Angebot, der 180 PS leistet und doch nur 7,6 Liter auf 100 km (EU-Norm) verbraucht. Preise sind bisher noch nicht genannt worden.

Fiat Doblò: Ecken und Kanten können auch nützlich sein

Auch Fiat bezieht Stellung: Allerdings ist das neue Gesicht des Kastenwagens Fiat Doblò weniger Design-Schwerpunkt als eine notwendige Folge der optimalen Raumnutzung. Dem Dobló in der 2. Modellgeneration merkt man seine Aufgabe jetzt noch mehr an, nämlich als Verlasstier der Familie ein breites Kreuz zu beweisen, auf dem sich alle niederlassen. Und "alle" heißt: Fünf Personen mit schwerem Gepäck, denn bis zu 1000 Kilogramm Nutzlast kann der neue Fiat Doblò ertragen. Die ausgebaute Version "Family Active" mit 95-PS-Benziner kostet ab 16.400 Euro, den Verbrauch beziffert Fiat mit 7,2 Liter auf 100 km. Ein Diesel mit 90 PS beschleunigt die Rollbox auf 156 km/h und begnügt sich nach EU-Norm mit 4,9 Liter auf 100 km. Preis: ab 18.200 Euro. Das hat doch Gesicht. Die Klimaanlage kostet ab 1200 Euro extra. So viel Luxus sollte schon im im Kasten sein.

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