Ein Wagen für alle Fälle

Zunehmend leiden SUV unter dem Image des Öko-Sünders und nicht mehr zeitgemäßen Spritfressers. So taufen einige Hersteller ihre Softroader flugs in "Crossover" um – und alles wird gut.

Die Autoindustrie hat festgestellt, dass viele Kunden zwar Geländewagen mögen, aber keine brauchen. Mehr noch: Der Allradantrieb wiegt mindestens 100 Kilogramm mehr und erhöht die Reibung. Was liegt näher, als ihn wegzusparen? Der zuvor serienmäßige Allradantrieb wird unter dem neuen Label "Crossover" gestrichen, das reduziert den Verbrauch  – inzwischen für den Verkauf ein überaus schlagkräftiges Argument.

Ein Prototyp dieser Entwicklung ist der Mitsubishi ASX: Er schaut ein klein wenig aus wie ein Lancer, den man mit einem Outlander gekreuzt hat. Angeboten wird er zu einem relativ günstigen Preis. Zweiradgetrieben kostet der 1,6 Liter 2WD in der Einstiegsversion 17.990 Euro. Damit liegt er preislich etwa auf der Höhe des Škoda Yeti. Noch knapp unter 30.000 Euro bleibt die Top-Version. Rund 70 Prozent der ASX-Bauteile kommen vom größeren Outlander. Selbst den Radstand hat der kompakte Crossover mit ihm gemeinsam. Das bringt Platz im Innenraum des 430 cm langen Mitsubishi ASX. Je nach Neigung der Rückenlehnen der zweiten Sitzreihe bietet der Kofferraum ein Volumen von 419 bis 442 Liter, hinzu kommen 26 Liter in einem Ablagefach unter dem Boden des Laderaums.

Als erste Marke weltweit bietet Mitsubishi im ASX einen Diesel mit variabler Ventilsteuerung an. Der 1,8 Liter Selbstzünder schafft beim Fronttriebler mit 110 kW / 150 PS in der Frontantriebsversion rund 200 km/h, bei einen Durchschnittverbrauch von 5,5 Litern pro 100 Kilometer. Mit Allrad sollen es 0,2 Liter mehr sein. Der Euro-5-Benziner mit 86 kW / 117 PS liegt bei 5,9 Litern. Eine serienmäßige Start-Stopp-Automatik, Schaltanzeige sowie beim Rollwiderstand optimierte Reifen und die Rückgewinnung von Bremsenergie sorgen für die günstigen Verbrauchswerte.

Klassenbester: Nissan Qashqai

Mit dem 430 cm langen Qashqai (benannt nach einen iranischen Bergvolk, Kaschkai gesprochen) bietet Nissan einen Crossover zwischen Kompakt-Limousine und Sport Utility Vehicle an. Das Modell hat seit der Markteinführung 2005 die Erwartungen an seine Absatzzahlen weit übertroffen. In Deutschland führt das Freizeitmobil, neben dem Kleinwagen Micra, die Verkaufsstatistik bei Nissan an. Zum Qashqai greifen all jene Kunden, die gerne ein bisschen „anders“ unterwegs sein möchten. Der hochbeinige Fünfsitzer bietet eine hohe Sitzposition, gute Übersicht und ein auffälliges Äußeres. Die Kombination aus Offroad-Optik und Kompakt-Pkw kommt an, bundesweit wurden schon weit mehr als 50.000 Exemplare verkauft. Damit ist der Qashqai der erfolgreichste Crossover in Deutschland.

Wer ihn mag, oder braucht, kann passend zur Bodenfreiheit beim Qashqai auch einen Allradantrieb bekommen. In der Basisausstattung Visia mit dem 1,6-Liter-Benziner mit 84 kW / 114 PS und Frontantrieb kostet der Qashqai 19.490 Euro. In der Spitzenausstattung Tekna sind, kombiniert mit dem Zwei-Liter-Diesel (110 KW / 150 PS) sowie Allradantrieb und Automatikgetriebe, 32.490 Euro fällig. Wer es weniger auf Luxus, sondern mehr auf Platz abgesehen hat, greift zum Qashqai +2. Der kostet rund 2.000 Euro mehr und ist mit 451 cm genau 21 cm länger als sein „kurzer“ Bruder. Außerdem bietet er für Personen bis 160 cm Körpergröße eine dritte Sitzbank. Bei umgeklappter dritter Sitzreihe hat der Qashqai +2 ein Kofferraumvolumen von 550 Liter. Das sind 140 Liter mehr als beim Modell ohne +2.

Platz auf Rädern: Škoda Roomster

Auch Škoda lässt mit dem Roomster einen echten Crossover im Modellprogramm mitlaufen. Der Roomster ist zwar, wie Renaults Kangoo und Co,, eine Art Hochdach-Kastenwagen. Er gleicht aber, da er deutlich niedriger ist, mehr einem Kombi. Im April 2010 wurde der variable Tscheche zur AMI in Leipzig mit neuem „Gesicht“ vorgestellt. Überarbeitet wurde auch die Motorenpalette. Bei den Selbstzündern ist die wichtigste Maßnahme die Umstellung auf Hochdruck-Einspritzung über ein Common-Rail-System. Die neuen Antriebsaggregate sollen eine bessere Laufruhe bieten und Verbrauch und Schadstoffemissionen senken. Die Diesel (55 kW bis 77 kW) sind alle mit einem Dieselpartikelfilter ausgestattet. Das Leistungsspektrum der 1,2 Liter Dreizylinder- und 1,2 Liter TSI Vierzylinder-Benzinmotoren reicht von 51 kW bis 77 kW. Ab 13.150 Euro ist ein Škoda Roomster zu haben. Für das Geld gibt’s reichlich Platz für Kind und Kegel, fürs Sportgerät oder den Großeinkauf. Im Angebot hat Škoda ab 18.090 Euro auch die verbrauchsoptimierte Variante „Green-Line“. Der 1,2 Liter Dreizylinder-Turbodiesel leistet 55 kW / 75 PS und hat einen kombinierten Verbrauch von 4,2 Liter auf 100 km. Das entspricht einer CO2-Emission von 109 g/km. Erstmals setzt Škoda bei diesem Mode eine Start-Stopp-Anlage und ein System zur Rückgewinnung von Bremsenergie ein.

Kreuzung aus drei Gattungen: Peugeot 3008

Ein Schuss SUV, eine Prise Limousine, ein guter Schluck Van – all diese Bestandteile stecken im Peugeot 3008, dem ersten Crossover der Marke. Den bewirbt Peugeot sogar, völlig untypisch für einen Automobilbauer aus Frankreich, mit einem Anglizismus. Und nennt das Modell 3008 tatsächlich ganz offen Crossover. Der Peugeot 3008 ist so eine Art automobiler eierlegender Wollmilchsau. Die hohe Sitzposition hat der 3008-er Peugeot vom SUV, die gute Rundumsicht dazu. Es fehlt ihm allerdings der Allradantrieb, eine Traktionskontrolle muss dem Franzosen genügen. Der Innen- und Kofferraum ist wie beim Kombi recht variabel, das Platzangebot ähnlich großzügig wie bei einem Van. 432 bis 1.604 Liter Kofferraum sind ein Wort für ein Fahrzeug mit 436 cm Länge. Ab 21.650 Euro ist der 3008-er zu haben, in der Ausstattungsvariante Tendance mit 88 kW / 120 PS aus einem 1,6 Liter Benziner.

Aber es gibt natürlich auch noch die "echten" Geländewagen mit Allrad und Differentialsperre. Allerdings wird auch hier fleißig eingekreuzt:

> Hier geht es zum Thema Allrad-Crossover