Edle Strom-Juwelen

Alle großen Hersteller haben bereits angekündigt, demnächst ein Elektroauto zu bauen. Doch noch sind wenige lieferbar. mobile.de zeigt Strom-Modelle, die man bereits kaufen kann – für viel Geld

Wer beim Thema Elektromotor an Rasierapparate oder Modellbahnen denkt, ist auf dem falschen Gleis und liegt haarscharf daneben: Die kleinen, leichten Aggregate haben nicht nur einen wesentlich höheren Wirkungsgrad als Verbrennungsmotoren – ihr Drehmoment liegt auch höher. Und die volle Leistung ist nicht erst bei 6000 Touren da, sondern bereits bei 1 Ampere. So gesehen kann man den Hype um die stromgetriebenen Autos nur begrüßen. Und so gesehen ergibt es auch Sinn, dass das erste Elektroauto, das in Serie produziert wurde, ein Sportwagen ist: der Tesla Roadster aus Kalifornien. Zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 2009 in Frankfurt lieferte der US-Hersteller sein 700. Fahrzeug aus.

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Damit gehört Tesla zu den weltweit führenden Herstellern von Elektro-Mobilen. Zur Massenware werden die US-Mobile dennoch nicht. Denn der Zweisitzer hat einen stolzen Preis. Rund 85.000 Euro, plus Mehrwertsteuer. Dafür gibt es Exklusivität und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in dreieinhalb Sekunden. Der Höchstgeschwindigkeit von gut 200 km/h steht eine Reichweite von maximal 300 Kilometer gegenüber (allerdings bei deutlich geringerem Tempo). Dann müssen die Akkus wieder geladen werden und der Tesla ans (Strom-)Netz. Zu kaufen gibt es den auf dem Lotus Elise basierenden Zweisitzer aus dem sonnigen Kalifornien auch in Deutschland. Und vor kurzem hat Tesla eine Dependance in München eröffnet, weitere sollen folgen.

Ein Smart-Akku hält 135 Kilometer

Seit November 2009 rollt ein anderer emissionsfrei angetriebener Zweisitzer vom Band: Der Smart fortwo electric drive. Die ersten Exemplare gingen Ende 2009 an Berliner Kunden. Ausgestattet ist der E-Smart mit einer, wie der Hersteller verspricht, hoch effizienten Lithiumionen-Batterie. Das Raumangebot des kleinen Stromers bleibt voll erhalten: Die Akkus stecken Platz sparend zwischen den Achsen. Der Motor arbeitet, wie beim Smart gewohnt, als Heckantrieb. Im Falle des electric drive verrichtet dort ein 30 kW-Elektromotor seine Arbeit. Schon beim Start stehen 120 Nm Drehmoment zur Verfügung. Das bürgt für gute Beschleunigung und Agilität. Eine Akkuladung soll bis zu 135 Kilometer Fahrstrecke ermöglichen. Ausreichend für den Einsatz in der Stadt.

Mitsubishi ist Elektro-Trendsetter

Aber zu wenig für den „normalen“ Autofahrer. Zum Aufladen wird der E-Smart mit einer Haushaltssteckdose verbunden. Erst ab 2012 wird man den Elektro-Smart kaufen können. Gedulden müssen sich auch Interessenten für den E-Audi oder den E-Mini. Erste Fahrzeuge rollen zwar schon medienwirksam durch die Lande. Aber bis aus den Kleinserien marktfähige Automobile werden, geht noch einige Zeit ins Land. Beim E-Golf wird es wohl 2013 werden. Etwas rascher sollen Mitsubishi i-MiEV und die mit ihm nahezu identischen PSA-Produkte Peugeot iOn und Citroën C-Zero zu haben sein. Für alle drei Modelle ist der Verkaufsstart für Ende 2010 geplant. Opel hat den Serienanlauf seines Ampera für Ende 2011 angekündigt. 

Fiat 500 im Elektro-Kostüm

Schon jetzt kann man den Karabag 500 E bekommen: Ein auf dem Fiat 500 basierendes Elektroauto. Das vom italienischen Spezialisten Micro-Vett umgebaute Fahrzeug gibt es etwa beim Energieversorger RWE; zusammen mit einer Ladestation und einem Autostrom-Vertrag. Der Viersitzer schafft mit 41 PS eine Spitze von rund 110 km/h und hat eine Reichweite von maximal 140 Kilometer. In weniger als drei Stunden sollen die Akkus, die den 500-er um etwa 200 Kilo schwerer machen, wieder geladen sein. Haken des bei Karabag (www.karabag.de) angebotenen Wagens ist der aufgerufene Preis: genau 49.313 Euro. Das wird viele Privatkunden überfordern.

Tazzari Zero: 200 Kilo leichter als der Smart Fortwo

Weniger als die Hälfte kostet der schon erwähnte Tazzari Zero: Etwa 24.000 Euro werden aufgerufen. Rund 90 km/h schnell ist der von Smiles World (www.smiles-world.de) angebotene Wagen eines italienischen Leichtbau-Spezialisten. Das Autochen kostet nicht nur die Hälfte, er hat mit zwei Sitzplätzen auch nur halb so viele wie der Karabag. Gerade mal 2,88 Meter misst das 550 kg leichte Dingin der Länge  – das sind 18 Zentimeter mehr als der Smart Fortwo. Auf ESP, Airbag und ABS muss man – anders als beim beim Smart oder beim Karabag, der E-Version des Fiat 500 – vorläufig noch verzichten. Dafür ist der Tazzari Zero 200 Kilo leichter als der Smart.

Ohne Sicherheits-Features dieser Art muss der Fahrer auch beim CityEl auskommen. Das knuffige Dreirad bietet für günstige 9.999 Euro Elektroantrieb, Wetterschutz und Laderaum. Und geht damit als eine Art Motorroller mit Dach durch. Eine ernsthafte Alternative zu „richtigen“ Pkw ist das CityEl jedoch nicht.

Batterien stecken im Fahrzeugboden

Da schaut der Luis 4U green schon eher wie ein echtes Auto aus. 27 kW / 37 PS Leistung hat das knapp vier Meter lange und mit ABS ausgestattete Fahrzeug. Beachtlich ist das Drehmoment: Anständige 220 Nm. Die Spitze liegt zwischen 90 und 120 km/h, die Reichweite um 200 Kilometer. Der 4U green holt seine Energie aus 100 Hochleistungszellen. Die stecken im Fahrzeugboden des Elektroautos. Eine Schnell-Ladung der Akkus soll in nur 20 Minuten möglich sein. Die „normale“ Ladezeit liegt bei sechs bis acht Stunden.

Think City hat 46-PS-Elektromotor an Bord

Aus Norwegen kommt der Öko-Stromer Think City. Er wird seit Ende 2007 in Serie gebaut. Der Wagen ist 3,12 Meter lang und 1,60 Meter breit. ABS und zwei Airbags sind serienmäßig an Bord, optional gibt es zwei Rücksitze. Die Akkus befinden sich unter den Sitzen mittig im Auto. Der E-Motor leistet 34 kW / 46 PS. Er bringt das Mobil auf Landstraßentempo 100 km/h. In Österreich wird das knuffig ausschauende Fahrzeug bereits angeboten. Vor dem Weiterlesen bitte tief durchatmen: Der Preis des bei Valmet in Finnland gebauten Mobils liegt bei stattlichen 44.000 Euro.

Doch damit ist das Limit noch längst nicht erreicht: Die Ingenieure haben noch einiges in der Trickkiste, um den Verbrauch – und damit die Emission – noch weiter zu senken.

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