mobile.de: Tesla 2-5 Testfahrt

Test: Elektro-Sportwagen Tesla Roadster 2.5

Ein Surren, das süchtig macht

Werden wir alle in zehn Jahren Elektroautos fahren? Das wäre toll – eine Testfahrt im Tesla 2.5, dem schnellsten Serien-Elektroauto der Welt, zeigt: Stromfahren macht Spaß!

8. Juni 2011

„Seien Sie ein bisschen vorsichtig beim Beschleunigen, die nächste Ampel ist nah“, sagt der Tesla-Mann beim Abschied. Der erste Kick-down ist dann wirklich ein kleiner Schock: Es schlägt einem buchstäblich die Falten aus dem Gesicht, als der kleine Roadster abgeht wie – wie ein wildgewordener Staubsauger? Jedenfalls nicht wie ein Supersportwagen, sondern noch direkter, noch heftiger. 292 PS mit einem Fußtritt, dazu ein lächerliches Fliegengewicht an Aluminium und Karbon, das trifft aufeinander wie Gasbrenner auf Dynamit. Ist aber nur Elektrizität: Der Tesla 2.5 ist das schnellste Serien-Elektroauto der Welt und derzeit das heißeste, was mit Akku auf der Straße fährt. In 3,7 Sekunden flitzt der fliegende Fön von 0 auf 100 km/h.

Gewiss, ein Porsche kann das auch. Aber da stecken zwischen Urgewalt und Mensch etliche Zusatz-Zentner Fahrzeug. Beim Tesla ist es viel weniger Masse, in Ansprache und Dynamik ähnelt er einem Motorrad – aber mit vier Rädern und Dach. Zugegeben: Die 200 km/h Endgeschwindigkeit wurden bei diesem Test nicht erreicht; da die Innenstadt Berlins das nicht hergibt. Aber was für viele schnelle Autos gilt, gilt auch für den Tesla: Vollgas muss nicht sein; es genügt die Gewissheit: Man könnte ja, wenn man wollte.

Absturz auf Gokart-Niveau

Keine Angst vor Neuem: In einem Elektroauto bleibt vieles beim alten. Rechts unten findet der Fuß wie gewohnt das Gaspedal, das mit Gas rein gar nichts mehr zu tun hat; und rechts an der Lenksäule befindet sich das Zündschloss, in das man tatsächlich einen bärtigen, hakeligen Schlüssel stecken muss. Damit ist Tesla den Spitzenmodellen der "alten" Autoindustrie sogar gewissermaßen hinterher, die mit futuristischen Schlüsselkarten, Fernbedienungen und dem schlüssellosen Zugang das Autofahren so bequem wie möglich machen wollen. Tesla braucht solche Hilfsmittel erst einmal nicht, und das merkt man auch beim Einsteigen: Bequem ist was anderes! Der Wagen, vom Prinzip her ein Lotus Elise, liegt so niedrig auf der Straße, dass sich großgewachsene Menschen auf Gokart-Niveau hinunterfallen lassen. Das erfordert Mut. Ist man erst mal drin, fühlt man sich gleich zuhause: Alles am richtigen Platz. Es gibt sogar eine Art Gangschaltung. Obwohl der Elektromotor naturgemäß keine Gänge braucht – da viel weniger Teile bewegt werden, ist eine Übersetzung nicht notwendig. Das spart immens Gewicht.

Ein Zukunftsauto ohne Servolenkung?

Auch der Rückwärtsgang, beim klassischen Auto mit komplexer Mechanik verbunden, bedeutet hier einfach nur ein Umpolen des Motors. Theoretisch könnte der Tesla also auch rückwärts 200 km/h fahren? Wir wollen das lieber heute nicht ausprobieren – sondern drücken ganz vorsichtig auf den kleinen Knopf mit dem "R", also rückwärts. Er blinkt und es beginnt zart zu piepsen. Der Blick über die Schulter macht klar: Beim Rückwärtsfahren ist Langsamkeit angeraten, denn wie jeder Sportwagen ist auch der Tesla äußerst unübersichtlich. Also dann, hinaus aus der Parklücke – unter herzzerreißendem Gekurbel: Der Tesla hat keine Lenkhilfe. Natürlich erfordert es keine übermäßige Anstrengung, die Vorderräder auch ohne Servo-Unterstützung zu drehen; doch bei einem High-Tech-Produkt überrascht das anfangs. Auf den zweiten Blick wird schnell klar: Servolenkung bringt zusätzliches Gewicht und verschlingt Energie. Das ist doppelt schlecht; denn auf Effizienz kommt es an in der hohen Kunst des Elektroauto-Bauens. So besteht die Tesla-Karosserie im Wesentlichen aus Kohlefaser-Kunststoff-Gewebe.

Im Kofferraum machen sich 6831 Akkus breit

Diese Leichtigkeit des schönen Scheins bemerkt man allenfalls beim Versuch, den Kofferraumdeckel zuzuklappen: Es gelingt nicht auf Anhieb, weil die Haube in sich federt. Dabei kann man schon mal versehentlich die Alarmanlage auslösen – doch zum Glück lässt die sich mit dem Schlüssel schnell wieder deaktivieren. Der Kofferraum ist wie erwartet übersichtlich: Es machen sich Stammgäste darin breit, nämlich die 6831 Akkus, ohne die der Tesla ein schönes Standbild wäre. Diese Laptop-Batterien verwendet Tesla übrigens nicht wegen des Gags oder weil nichts anderes da wäre: Die Standard-Stromspeicher können ohne bürokratischen Aufwand per Flugzeug an jeden Punkt der Welt verfrachtet werden. "Unser Kunden wünschen das", sagt Tesla-Verkaufsleiter Craig Davis. Zum Glück lässt die gespannte Riesenfamilie noch Platz für zwei Rucksäcke – oder ein Golfbag. Auch das ist kein Zufall: Die Käuferschicht des knapp 130.000 Euro teuren Roadster spielt Golf. Auch das überrascht nicht: Vor 125 Jahren fingen Autos genau so an: als Spielzeuge der Reichen. Aber so blieb es nicht lange – spätestens mit dem billigen Ford T von 1908 wurde daraus ein Verkehrsmittel für die Massen. 22 Jahre hat das damals gedauert. Wird es heute schneller gehen?

E-Tankstellen sind schon da – überall

Tesla-Mann Davis hatte zuvor bei Coca-Cola gearbeitet: "Wir haben uns immer gewünscht, unser Produkt zum Kunden nach Hause schicken zu können – direkt in den Wasserhahn..." Deswegen liebt er den Elektroantrieb: "Das Versorgungsnetz ist schon da, jeder hat seine Tankstelle vor der Tür!" Vor 125 Jahren mussten Tankstellen erst erfunden werden... Klar, es gibt immer die Frage nach der Reichweite. Immerhin 350 Kilometer kommt der Tesla mit den Laptop-Akkus, sagt Tesla. Natürlich nur bei maßvoller Fahrweise unter US-Bedingungen (maximal 120 km/h). Mit Tempo 30 käme man sogar 600 Kilometer weit; was natürlich nicht lebensnah ist. Doch da laut Statistik ein Pendler nur 60 Kilometer pro Tag unterwegs ist, spielt die Reichweite kaum eine Rolle. So wie die Endgeschwindigkeit: In der Großstadt sind Geschwindigkeiten jenseits der 120 km/h ohnehin illusorisch. Auch die unglaubliche Beschleunigung des Tesla 2.5 spielt hier fast keine Rolle. Fast. Denn der Reiz, 300 Meter vor der nächsten Ampel durchzutreten und mit einem irren Jaulen an allen vorbeizuschießen, ist natürlich da.

Auch ein Elektroauto fährt nicht geräuschlos

Stichwort Jaulen: Elektro-Sportwagenfahren geht natürlich nicht geräuschlos. Es kracht und rumpelt, wenn der Tesla über die miesen Berliner Straßen manövriert, und ab etwa 70 km/h beginnt der Fahrtwind sein sausendes Lied zu singen. Doch das ist alles nichts gegen die futuristische Soundorgel, die beim urplötzlichen Beschleunigen loslegt: Es surrt und jault in Sphären, die einem Synthesizer entstammen könnten. Eine ganz neue Geräuschkulisse. Zugegeben, mit dem sonoren Grollen eines V8-Sportauspuffs nicht zu vergleichen. Anders – aber nicht schlechter, höchstens gewöhnungsbedürftig. Und es macht Spaß, sich daran zu gewöhne. Das Surren könnte glatt süchtig machen.

Welche Elektroautos gibt es noch?

Natürlich ist Tesla nicht der einzige Hersteller, der die Zeichen der Zeit erkannt hat. Im kommenden Jahr werden einige Serien-Elektroautos auf den Markt kommen, die einen Vergleich mit konventionell angetriebenen Autos wert sind.

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