mobile.de: Offroad-Kurs

Crash-Kursus in der Offroad-Fahrschule

Das langsamste Abenteuer der Welt

Immer mehr SUV fahren bei uns – doch die meisten davon sind ihr ganzes Leben auf der Straße unterwegs. mobile.de hat probiert, wie sich Geländefahren mit einem echten Offroader anfühlt.

5. Oktober 2011

Haben Sie ein SUV zuhause stehen? Mit Allrad? Vermutlich haben sie noch nie ausprobiert, ob es wirklich im Gelände fährt. Vielleicht auch ganz gut so. Das kann nämlich ziemlich riskant werden: Offroadfahren ist in Deutschland verboten. Fast überall – nur an einigen Orten darf man von der Straße abbiegen und mitten hinein in die Wicken. Zum Beispiel in Wülfrath. Da hat "Land Rover Experience" einen herrlichen Abenteuerspielplatz für Autos in einem stillgelegten Kalksteinbruch aufgebaut: Steile Berghänge, tiefe Gräben, Schrägfahrten und als Krönung eine lustige Treppe im Schlossportal-Format. Morgens um 10 erreicht die Sonne gerade den Boden der Grube und bringt die säuberlich dort aufgereihten Land Rover Defender, Discovery, Freelander und Range Rover so richtig zum Blitzen.

Auch der Instructor ist schon mal umgekippt

Was anderes darf auch nicht auf den Parcours: Alle mitgebrachten SUV müssen leider draußen (auf dem Gästeparkplatz) bleiben. Das hat versicherungsrechtliche Gründe – und überdies würden die handelsüblichen Als-ob-Geländewagen ziemlich bald auf der Strecke bleiben. Den meisten, sagt Dieter Neldner, fehlen nämlich entscheidende Geländewagen-Eigenschaften. Neldner ist Instructor und somit Gelände-Fahrlehrer. Seit 14 Jahren macht er das, und den einen oder anderen Umfaller hat er auch schon erlebt. "Nicht angenehm, wenn man mit dem Auto umkippt", sagt er versonnen. Dass das nicht passiert, fährt bei jedem Offroad-Schüler ein Instructor mit. Und paukt vorher ausgiebig Geländewagen-Theorie. Die fängt mit Familien-Forschung an: Was ist eigentlich ein echter Offroader?

Wer einmal Offroad fuhr, kann SUV nicht mehr ernst nehmen

Spontan werden da viele an Allrad-Antrieb denken. Haben ja die meisten SUV heutzutage. Doch damit wäre ein echter Offroader nur spärlich ausgestattet: Der Clou sind technische Klügeleien wie Untersetzungsgetriebe, dreifache Differentialsperre und Bergabfahrkontrolle. Untersetzung für kraftvolle Schleichfahrt haben noch so manche Möchtegern-Geländewagen, doch dabei hört der Spaß zumeist schon auf. Neldner macht's vor: Ein Dreh am Zündschlüssel, und der tonnenschwere Defender tuckert los, direkt auf das 110 Prozent steile Kliff zu. 110 Prozent entspricht fast 50 Grad. Untersetzung rein, geradeaus lenken, und der Landy fackelt nicht: Im Standgas bezwingt das Ungetüm die Steigung. Schon jetzt ahnen die Kursteilnehmer: Wer einmal Offroad fuhr, kann SUV nicht mehr ernst nehmen.

Schneller als 10 km/h ist man nicht unterwegs

Das zeigt sich beim Bergauf-, aber noch mehr beim Bergabfahren: Ohne die Bergabfahrhilfe wäre ein 110 Prozent steiles Gefälle kaum zu nehmen. Auch die Fahrt durch 70 Zentimeter tiefes Wasser zeigt drastisch: Herkömmliche Spaßautos würden ziemlich bald absaufen, denn sie haben keinen abgedichteten Motorraum und erhöhten Lufteinlass. Eine weitere Erkenntnis des Offroadfahrens erschließt sich erst im Laufe der Zeit: Es geht überaus gemütlich zu: Schneller als zehn km/h ist man mit einem Landy im Gelände nie unterwegs. Also nix mit wilden Hetzjagden à la "Hatari", auf denen die Haare flattern und die Kotflügel klappern. Das Material muss geschont werden, der nächste Baum ist immer in Reichweite, und daher hat Schrittgeschwindigkeit Vorrang vor Vorwärtsdrang.

Gelbe Punkte kennzeichnen Hindernisse für den Aufbaukursus

Klarer Fall: Offroadfahren ist das langsamste Abenteuer der Welt – aber deswegen nicht weniger spannend. Und außerdem hat man so ausreichend Zeit, sich auf das nächste Hindernis vorzubereiten, Maß zu nehmen und notfalls auch mal anzuhalten und sich alles ausgiebig anzuschauen. Es gibt monströse Treppen, schwindelerregende Schrägfahrten, fiese Huckelpisten und abgrundtiefe Querrillen zu bewältigen. Vor jedem Hindernis steht ein Schild mit Klassifizierung: Es ist wie Minigolf für Autos. Richtig spannend wird es aber bei den Hindernissen, die mit einem gelben Punkt markiert sind: Sie sind für den Aufbaukursus reserviert. Da klettern wir das nächste Mal rüber...

Wer selbst ins Gelände möchte: www.landrover-experience.de – ein Tages-Grundkursus kostet ab 195 Euro pro Person inklusive Fahrzeug, Instructor und Verpflegung.