Ein Auto und seine Geschichte

50 Jahre Typ 3: Der VW für Aufsteiger

Hinter den 1,4 Millionen Inseraten bei mobile.de stecken zahllose Geschichten und Anekdoten. Viele dieser Auto-Geschichten sind einen Klick wert. Zum Beispiel diese hier.

Vor 50 Jahren präsentierte Volkswagen seine erste Mittelklasse auf der IAA: den Typ 3. Der Neue von 1961 basierte technisch auf dem Käfer und hatte wie dieser einen äußerst kompakten Heckmotor. Jedoch wurde der im Hubraum auf 1,5 Liter vergrößerten Käfer-Motor in einen Flachmotor umgewandelt. Das führt noch heute dazu, dass Unkundige verzweifelt nach dem Antrieb suchen. Für Eingeweihte ein köstliches Vergnügen.

Die Maschine ist auch wirklich schwer zu finden: Die Bauhöhe des Triebwerks reduzierte sich um 20 Zentimeter auf gerade mal 42 Zentimeter. In der Folge entstand zusätzlich zum Kofferraum unter der Fronthaube ein zweiter Kofferraum im Heck. Erst dadurch war auch eine Kombi-Ausführung möglich.

Was heute einfach nur komisch aussieht, war damals der VW für Besserverdienende: Er kostete in der Anfangszeit 6.700 Mark ohne Extras, das waren über 1000 Mark mehr als ein neuer Käfer. Leider blieb die Verwandtschaft allzu deutlich erkennbar: Der Typ 3 durfte nur 22 Zentimeter länger als der Typ 1 (der Käfer) sein und denselben Radstand haben – sonst hätte er nicht auf die Prüfstände der Vertragswerkstätten gepasst.

Er wurde also in eine groteske Kompakt-Form gepresst; das macht ihn heute ungewollt komisch. Die kugelrunden H4-Frontlampen ("Straßenbahnlampen") wiederum machen ihn unweigerlich sympathisch. Ein Auto zum Liebhaben – nur nicht bei Seitenwind oder Glatteis!

Ein Raumwunder – zumindest im Vergleich zum Käfer

Im Vergleich zum Käfer ist der Typ 3 Variant ein wahres Raumwunder: Als Fünfsitzer hat er – dachhoch gerechnet – ein Fassungsvermögen von 700 Litern, bei umgelegter Rücksitzlehne gar von 1200 Litern. Hier kann sogar ein Erwachsener schlafen. Aber während der Fahrt nur mit Ohropax, denn der Flachboxer entwickelt in der Kabine einen Höllenlärm.

Apropos Lärm: Der Sound des Typ 3 ist bemerkenswert: Hörbar energischer als das ursprünglich 20 PS schwächere Käfer-Motörchen, erinnern seine 54 Boxer-PS durch den Einrohr-Auspuff an einen altertümlichen Flugzeug-Sternmotor.

Der Variant-Verkauf startete im Frühjahr 1962. Bis zur Produktionseinstellung 1973 wurden rund 2,6 Millionen Typ 3 verkauft. Rund die Hälfte davon waren Variant. Heute sind alleinfalls ein paar Tausend noch auf den Beinen.

Heute sind die Käfer im kantigen Kostüm selten geworden. Wer sich für einen günstigen Klassiker zum Einstieg in die bunte Welt der Selbstschrauber-Autos interessiert, kann auf günstige Preise bauen: Fahrtüchtige Exemplare in erhaltenswertem Zustand gibt es bei mobile.de bereits für 6.000 bis 8.000 Euro. Allerdings sollten Sie bei Besichtigung unbedingt einen Experten mitnehmen.

Der Typ 3 kennt die gleichen Probleme wie sein technischer Klon-Vater, der Käfer: Rost an allen Ecken und Enden, vor allem an den vorderen Kotflügeln. Der Heckmotor ist ein Kunstwerk – aber wie bei allen Kunstwerken wurde auch bei dem Flachboxer auf Nutzwert nicht so sehr geachtet; so dass Sie im eingebauten Zustand nicht einmal erkennen können, ob die vorderen Zylinder überhaupt vorhanden sind.

Wenn die wirklich fehlen sollten: Kein Problem, die meisten Teile gibt es noch zur Genüge. Allerdings nehmen die im Preis inzwischen deutlich zu. Anders als der Typ 3: Ihn zu Spekulationszwecken zu erwerben, dürfte wenig Sinn haben, er bleibt im Vergleich zu anderen Klassikern preisgünstig. Es gibt Typen, die werden einfach nie glamourös.

 

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Der Typ 3 ist der Urahn des Passat

Kein Wunder, dass auch der legitime Typ 3-Nachfolger von 1973, der Passat mit Wasserkühlung und Frontantrieb, von Anfang an alternativ zur Limousine als Variant geordert werden konnte – nun sogar serienmäßig mit fünf Türen und mit nochmals größerem Ladevolumen. Im Passat der ersten Generation stehen (dachhoch gemessen) alternativ 750 Liter oder 1500 Liter zur Verfügung. Der Grundpreis betrug im Herbst 1973 DM 9.205,-. Bis heute entstanden in sieben Generationen rund 5,3 Millionen Passat Variant.

Variant: Handwerkerauto und Reisemobil

Volkswagen machte den Kombi mit den Typen 3 und Passat „salonfähig". Der Variant verwandelte dessen Image weg vom reinen „Handwerker-Wagen" hin zum geräumigen Familien- und Reisemobil.