Ein Auto und seine Geschichte

Mercedes 170D: Als das Spritsparen erfunden wurde

Hinter den 1,4 Millionen Inseraten bei mobile.de stecken zahllose Geschichten und Anekdoten. Viele dieser Auto-Geschichten sind einen Klick wert. Zum Beispiel diese hier.

Es ist sensationell, und es stinkt gewaltig: Als Mercedes-Benz im Februar 1936 auf der Internationalen Automobil- und Motorradausstellung in Berlin einen neuen Motor zeigt, juckt es den Umstehenden gehörig in der Nase: Der Typ 260 D (Baureihe W 138) hat als erster Personenwagen der Weltgeschichte einen Dieselmotor.

Der 2,6-Liter-Motor hat eine Verdichtung von 1:20,5 und bringt – neben reichlich blau-schwarzem Rauch – noch bis zu 45 PS zustande. Der erste Diesel-Pkw der Welt ist das Ergebnis intensiver Forschung, die mit der Fusion von DMG und Benz & Cie. im Jahr 1926 begonnen hat. Zunächst wird in der jungen Daimler-Benz AG ein neuer Sechszylinder-Dieselmotor für Lkw entwickelt.

Allerdings hat der Selbstzünder im Vergleich zum Ottomotor eine physikalisch vorgegebene Drehzahlgrenze von rund 5500/min, bedingt durch den Zündverzug des Kraftstoffs. Diese Zeit, die zwischen Einspritzung und Zündung vergeht, liegt bei modernen Dieselkraftstoffen deutlich niedriger als bei früherem Dieselöl, das chemisch identisch mit Heizöl ist. Diese Tradition lebt noch heute in der Baubezeichnung von Mercedes-Dieselmotoren fort: OM steht für "Oel-Motor".

Noch heute heißen Mercedes-Diesel werksintern "Oel-Motor"

Ende 1935 beginnt die Serienproduktion des Modells 260 D. Eingebaut wird der Motor OM 138 in das Fahrgestell der Mercedes-Benz Baureihe W 21. Der so entstehende Mercedes-Benz 260 D verbraucht durchschnittlich 9,5 Liter Dieselkraftstoff für 100 Kilometer – der eng verwandte Typ 200 schluckt auf derselben Distanz 13 Liter Benzin.

Eine Tankfüllung im 260 D reicht für 450 bis 500 Kilometer, was bei dem damaligen noch recht dünnen Tankstellennetz ein Kaufargument für Vielfahrer ist. Zudem liegt der Kraftstoffpreis für Diesel in Deutschland damals deutlich niedriger als heute: 24 Pfennig kostet der Liter Heizöl, für Benzin bezahlt man 39 Pfennig. Und wer als Taxifahrer einen Personenbeförderungsschein besitzt, kann sogar verbilligten Diesel zu 19 Pfennig tanken.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h ist der Mercedes-Benz 260 D außerdem bei aller Wirtschaftlichkeit durchaus flott unterwegs, der Typ 200 mit Benzinmotor schafft auch nur 98 km/h – für damalige Verhältnisse eine akzeptable Reisegeschwindigkeit. So sah auch das Pflichtenheft für den KdF-Wagen, den späteren VW Käfer, eine Reisegeschwindigkeit von 100 km/h vor.

Der neue Diesel ist mehr als 30 Prozent sparsamer

Der weltweit erste Diesel-Pkw wird auf dem Fahrgestell des sechssitzigen Landaulets der Baureihe W 21 (Mercedes-Benz 200 und 230) aufgebaut. Stolz preist der Verkaufsprospekt die Verbindung aus modernem Personenwagen und Dieseltechnik an: „Es lag nahe, dass sich die Daimler-Benz A.G. aufgrund der großen Erfolge im Personenwagen- und Dieselnutzfahrzeugbau auch eingehend mit der Frage des Personenwagendieselmotors beschäftigte. Das Ergebnis ist der Mercedes-Benz Typ 260 D […]“

Bereits im Herbst 1935 werden die ersten 170 Fahrzeuge ausgeliefert, bevor 1936 die eigentliche Serienfertigung beginnt.

Schnell setzt sich der 260 D als ideales Taxi durch. Günstig im Unterhalt, robuste und langlebige Motoren, eine geräumige Karosserie (auch in spezieller Droschken-Ausführung mit bis zu sieben Sitzen):

Das sind die Argumente, mit denen der neue Mercedes-Benz das Taxigewerbe überzeugt. Motordroschken auf Basis des 260 D sind noch bis in die 1950er-Jahre weit verbreitet.

Nach dem Krieg setzte sich die erfolgreiche Geschichte fort: Mit dem OM636 stellt Mercedes bereits 1949 einen 1,8 Liter großen Selbstzünder vor, der im Vorkriegsmodell Mercedes 170 eingebaut werden kann. Der Vierzylinder leistet 38, später 40 PS. Bis 1953 liefert das Unternehmen knapp 34.000 Autos des Typs 170 D und DS aus – darunter auch den gut erhaltenen Wagen, der gerade bei mobile.de zum Kauf angeboten wird.