Ein Auto und seine Geschichte

Ein Muscle Car aus Asien

Hinter den 1,4 Millionen Inseraten bei mobile.de stecken zahllose Geschichten und Anekdoten. Viele dieser Auto-Geschichten sind einen Klick wert. Zum Beispiel diese hier.

Jenseits von Amerika: Als die US-Jugend sich Ende der 1960er-Jahre mit rollenden PS-Protzen wie dem Dodge Charger, Ford Mustang oder Pontiac Firebird auf den Freeways Rennen lieferte, schauten Autohersteller in Europa und Asien gebannt zu. Der Erfolg dieser sportlich geschnittenen, üppig motorisierten Coupés war an einer Hand abzuzählen. Schon bald folgte die Antwort: 1970 kam eine ganze Reihe von "Pony Cars" (nach dem genrestiftenden Ford Mustang) auf den Markt, die den amerikanischen Megatrend aufgriffen. Allerdings hatten die Hersteller die voluminösen Stilmittel von jenseits des Großen Teichs behutsam reduziert: So wie der berühmte Heckflossen-Mercedes der 1960er-Jahr die mächtigen Heckflossen der US-Vorbilder allenfalls andeutet, waren auch die Karosserien der europäischen und asiatischen Muscle-Cars in ihren Abmessungen recht bescheiden.

Ein buchstäblich "himmlisches" Auto

Der erste war der Ford Capri: Er kam Anfang 1969 und war anfangs eher die Karikatur eines Muscle Car: 55 PS bekam der deutsche Mustang in der kleinsten Ausführung, das war gerade mal 1 PS mehr als der "große" VW 1500. Der mindestens knapp doppelt so starke Mustang wäre seinem kleinen Bruder aus Europa leicht davongaloppiert. Aber die – vornehmlich männlichen – Käufer waren damit erst mal zufrieden: Der Capri kam an. So gut, dass die Konkurrenz mitmischen wollte: Opel brachte ein Jahr später den Manta. Und Toyota schließlich den Celica: 1970 wurde er in Japan auf den Markt gebracht, 1972 endlich auch in Deutschland. Für das japanische Pony Car wurde Großserientechnik genutzt, denn "nur" ein Sportcoupé hätte sich nicht rentiert: So wie Karmann den Ghia auf einer VW Käfer-Plattform aufbaute, entstand das fernöstliche Pony auf der Mittelklasse-Plattform des Carina. Angetrieben wurde er minimal von immerhin 79 PS. Musik im Vergleich zu den europäischen Muskel-Tieren, die mit 55 (Capri) bzw. 60 (Manta) PS eher Muskel-Kater waren.

Ölkrise zwang auch Celicas zum Sparen

Der Celica startete gleich groß durch: Schon im Herbst 1972 gab es den ST mit Doppelvergaser und nun schon 86 PS aus 1,6 Liter Hubraum. Es ging Schlag auf Schlag: 1973 kam der GT mit zwei obenliegenden Nockenwellen und Doppelvergaser, der es auf 108 PS brachte und in knapp zehn Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigte – Mitte der 70er echte Sportwagen-Attribute. Doch dann kam die Ölkrise, erstmals machten Autofahrer und bald auch -konstrukteure sich zwangsläufig Gedanken für den Spritverbrauch. Der Celica, der zurzeit bei mobile.de angeboten wird, ist ein Produkt dieser Anstrengungen: Toyota Celica TA 40 in der Einstiegsmotorisieriung. 75 PS aus einem Vierzylinder mit 1,6 Liter Hubraum. Das angebotene Fahrzeug vom Baujahr 1979 hat laut Verkäufer nur 76.000 Kilometer gelaufen und dürfte damit eines der besterhaltenen seiner Art sein. Es soll aus dem Bestand eines Autosammlers stammen und entsprechend gut gepflegt sein. Die Fotos (siehe Bildergalerie) sprechen in der Tat für sich: eine Augenweide. So wie der Lack: ein grell-gelbes Bekenntnis der 70er-Jahre, aber garantiert unübersehbar. Auch Alufelgen, Cassetten-Radio und Heckspoiler – damals ein Muss für sportliche Coupé-Fahrer – sind original Toyota.

Die ersten Celica-Baureihen haben sich das H-Kennzeichen verdient

Der Sammler, ein West-Berliner, kaufte das Auto 2001 vom Erstbesitzer und hat selbst vermutlich nur ein paar Kilometer zurückgelegt. "Echte Toyota-Liebhaber werden beim Anblick 100 Prozent begeistert sein", schreibt der Anbieter in seinem Inserat. Er kaufte den Wagen vor einigen Jahren von dem Zweitbesitzer; damals befand sich das Auto unbeachtet in einem Schuppen – und unter einer dicken Staubschicht. Gegen einen symbolischen Betrag wechselte der Wagen den Besitzer. "Damit fing die Arbeit an", sagt der neue Eigentümer. Stück für Stück habe er Bremsen, Lack und anderes erneuern lassen. Seit geraumer Zeit nun bietet er den Wagen zum Verkauf an – und ist froh, dass ihn noch keiner gekauft hat. "Der hat einfach Seltenheitswert." Schon allein deswegen, weil vom sportlichen Coupé dieser Tage nicht mehr viele Typen auf der Straße unterwegs sind. Nach mehr als 30 Jahren haben die ersten Baureihen sich zwar das H-Kennzeichen verdient, doch scheinen in der exotischen Nische nicht viele Exemplare überlebt zu haben. "Sie waren einfach zu billig, sie wurden verbraucht, und dann kaufte man sich eben was anderes", sagt der Anbieter des Celica auf mobile.de.

Celica-Freunde werden oft in den Benelux-Staaten fündig

Rostschutz war in diesen Jahren noch mangelhaft, zugleich wurden viele Celicas wie Capris und Mantas verbastelt und verbraten. Auch das mitunter zweifelhafte Images des unreifen, pubertierenden PS-Protzes hat sicher nicht dazu beigetragen, ihr Klassiker-Image zu befördern. Der Celica war eine Jugendsünde auf dem Weg zu einem "richtigen" Auto. Das ist schade, denn die eigenwilligen Formen sind gerade in Zeiten, wo sich Neuwagen nahezu nur noch durch das Logo auf der Front unterscheiden, ein Lichtblick. "Käfer hat doch jeder", kommentiert Christoph Krienen, Celica-Fan aus dem Rheinland. Er fährt die Hochleistungsversion des Celica, den GT. "Damit kann man schon ganz schön wegziehen", sagt er bedeutungsvoll. Abgesehen von den Blicken der Ampelnachbarn. "Laut KBA gibt es in ganz Deutschland nur acht Exemplare meines Modells." Seinen ersten Celica kaufte Krienen in Belgien – generell seien die Benelux-Länder empfehlenswertes Revier für Japan-Klassiker. Wobei man sich – das gilt aber für alle Gebrauchtautos – mehrere Fahrzeuge anschauen sollte, bevor man zuschlägt. Berüchtigte Rostnester sind vor allem Radhäuser, Federbeinaufnahmen und die Einfassung der Frontscheibe.

Mehr als zwölf Liter schluckt ein GT nicht

Für einen gut erhaltenen Celica der frühen Baujahre zahlt man mindestens 8000 Euro, für einen GT das Doppelte. Was allerdings nicht heißt, dass diese Preis auch gezahlt werden: Der Markt ist einfach zu klein, die breite Masse kennt das Auto nicht. Celica-Fans sind dafür umso aktiver: Krienen hat Kontakt zu Gesinnungsgenossen in Südamerika und anderswo. Die Gemeinschaft ist auch wichtig, um selten gewordene Ersatzteile aufzutreiben. Und um Trost zu spenden, wenn der Rost zuschlägt: "Bei Regen fährt man schon mit einem mulmigen Gefühl – der TÜV-Mann hat mich auch schon wieder auf so'n paar Stellen aufmerksam gemacht, wo ich demnächst was machen muss." Der Verbrauch dagegen halte sich in wirtschaftlichen Grenzen: mehr als zwölf Liter schluckt ein GT nicht, sagt Krienen. Das 75-PS-Modell, das bei mobile.de im Angebot ist, liegt natürlich noch weit darunter. Einer Nutzung als Alltagsauto steht also im Prinzip nichts entgegen; doch "fürs Fahren bei Regen oder im Winter ist er dann doch zu schade", meint Krienen.

 

 

Die Inseratsliste

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