Ein Auto und seine Geschichte

Porsche 912, der ewige Zweite

Hinter den 1,4 Millionen Inseraten bei mobile.de stecken zahllose Geschichten und Anekdoten. Viele dieser Auto-Geschichten sind einen Klick wert. Zum Beispiel diese hier.

Ein Thema für Mythen und Märchen: Es waren einmal zwei Brüder, der eine brav und bescheiden, seinen Eltern eine helle Freude, der andere ein wenig rabaukig, ein Frauenheld und Krachmacher. Natürlich blieb der Musterknabe zumeist im Schatten seines lautstarken Konkurrenten, der die Herzen im Sturm eroberte und haufenweise Trophäen einheimste – das Leben ist eben nicht immer fair. In unserem Fall heißen die Brüder 911 und 912, Familienname Porsche. Der Erstgeborene ist das Original, der Stammhalter, aber eben auch der ewige Pubertäts-Pickel: 911. Über ihn muss man nicht viele Worte verlieren: Er ist DER Porsche, mit luftgekühltem Sechszylinder-Boxermotor im Heck und dem klassischen Design, das ihn unter sämtlichen Konkurrenten unverwechselbar macht. Er hatte damals, als er auf den Markt kam, nur einen Mangel: Er war mit 21.900 Mark Einstandspreis einfach zu teuer.

Ein billiges Brüderchen musste her

Zu teuer für viele, die sich den Vorgänger noch hatten leisten können: den Ur-Porsche 356, bis 1963 das einzige Modell des jungen Herstellers. Zwei Jahre lang wurde der Vierzylinder mit der barocken Karosserie noch parallel zum 911er gebaut, doch irgendwann musste er aufs Altenteil. Bei Porsche sollen damals Beschwerdebriefe erboster Porschefans eingegangen sein, die den Sprung von um 15.000 Mark (für einen 356) auf fast 22.000 für unzumutbar hielten...

Also musste ein Brüderchen her: 1965 stellte Porsche den 912 vor, wie er derzeit bei mobile.de angeboten wird. Er kostete anfangs 16.250 Mark – die Rettung für viele Porschefreunde; und dennoch keine Bedrohung für das Original: Denn der 912 hatte nur einen Vierzylinder-Boxer mit 90 PS im Heck, nämlich die Maschine von seinem Vorgänger. Der ältere Bruder hatte den neu entwickelten, um 40 PS stärkeren Sechszylinder. Zum Vergleich: Der VW Käfer Standard, damals das Auto der Massen, knatterte Mitte der 1960er-Jahre noch mit 30 PS durch die Straßen.

Image des Sparmodells bleibt ewig kleben

Insofern war bereits der 912er ein Geschoss auf den noch ziemlich leeren deutschen Autobahnen. Genützt hat ihm das nichts: Bis heute haftet an dem Zwillingsbruder des "richtigen" Porsche das Image des Sparmodells. Dieses Schicksal teilt er mit anderen berühmten kleinen Brüdern: So baute Citroen von der unsterblichen DS-Limousine auch eine Billig-Ausführung, ID genannt. Oder der Daimler Double Six, Abklatsch des glamourösen Jaguar XJ12, dem die Lorbeeren des berühmten Bruders verwehrt blieben. Diese schwierigen Verwandtschaftsverhältnisse gibt es auch heute: So erlaubt sich der VW-Konzern in seiner Patchwork-Familie moderner Prägung zum Beispiel das Vierlings-Gespann Audi A4 Avant, VW Passat, Skoda Superb Combi und Seat Exeo ST, alle mehr oder weniger miteinander verwandt. Auch den Stadt-Mini VW up! wird es als Billig(st)-Ausführung mit Seat- und Skoda-Emblem an der Front geben. Wer weniger auf Prestige denn auf gutes Preis-Leistungs-Verhältnis Wert legt, kann daraus seinen Nutzen ziehen. 

Erstbesitzer: ein kalifornischer Schallplatten-Produzent

So wie der kalifornische Plattenproduzent, der seinerzeit den 912 erwarb. Es handelte sich bereits um die gehobene Variante, denn im Heck boxte eine überarbeitete Version des 1,6 Liter großen Ur-Vierzylinder. Die Energieausbeute war leicht reduziert: 90 PS, das langt für Tempo 185. "Damit ist man flott unterwegs", sagt der Eigentümer des 912ers vom Baujahr 1969, der bei mobile.de als einer von derzeit rund 50 Exemplaren dieses Typs zum Verkauf steht. 1991 erwarb der heutige Besitzer den Wagen von einem Importeur; es handelt sich also um den zweiten Halter. Symptomatisch für viele alte Porsche ist das Ursprungsland: Aus Zeiten, als für Rostschutz noch nicht viel (bzw. gar nichts) getan wurde, haben nur wenige die Streusalz-Epidemien der mitteleuropäischen Winter überlebt. Anders im Reizklima Kaliforniens – zudem wurde unser 912er nach Angaben des Anbieters zeitlebens in Garagen abgestellt. Auch habe man ihn regelmäßig in die Obhut von kompetenten Werkstätten übergeben, was das komplett ausgefüllte Serviceheft bezeugt. "Alle Rechnungen sind vorhanden." Sogar eine Hohlraumkonservierung wurde nach der Zulassung in Deutschland veranlasst. So gesehen sind alle Weichen gestellt, dass der 912er noch viele Jahre tapfer röhren kann.

Alte Porsche-Modelle verursachen hohe Kosten

Wer sich einen alten Porsche zulegen möchte, sollte äußerst vorsichtig agieren: Preisgünstige Modelle erweisen sich nur zu oft als Geldgrab, denn selbst an völlig unerwarteten Stellen kann Rost auftreten. Auch der Antriebsstrang ist empfindlich, Teile aller Art kosten inzwischen beträchtliche Summen. Motto: Wer selbst etwas von Restaurierung versteht, benötigt viel Geld – wer gar nicht schrauben kann, benötigt sehr viel Geld. Erst ab Baujahr 1975 wird die Rostvorsorge besser; Karosserien sind dann verzinkt. Doch nach Aussagen von Restauratoren ist auch das keine Garantie gegen Rostfraß, da der Schutz anfangs noch nicht sehr sorgfältig ausgeführt worden sein soll. Obwohl vom Porsche 911 der frühen Baujahre mit rund 90.000 erheblich mehr Exemplare gebaut wurden als vom 912er, von dem in der ersten Serie (1965-69) nur knapp 23.000 entstanden, liegen die Preise für das Original weit höher als für den kleinen Bruder. Doch auch beim 912er steigen die Preise kontinuierlich an. Der Bestand nimmt weiter ab, weil viele restaurierungsbedürftige Exemplare aufgrund der hohen Ersatzteilpreise ausgeschlachtet und stückweise verhökert werden. Das betrifft auch die 2. Serie des Sparporsche, der 1975-76 als 912E exklusiv für den US-Markt in einer Auflage von rund 2000 Stück gebaut wurde.

 

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