Ein Auto und seine Geschichte

Mit Giulia zur Pizzeria

Hinter den 1,4 Millionen Inseraten bei mobile.de stecken zahllose Geschichten und Anekdoten. Viele dieser Auto-Geschichten sind einen Klick wert. Zum Beispiel diese hier.

Mehr als nur ein gutes Wortspiel: Die Geschichte von (Alfa) Romeo ist immer auch eine Geschichte von Giulia. Erst kürzlich kam die neue kompakte Giulietta heraus. Doch im Laufe von 100 Jahren, in denen immer wieder legendäre Automobile bei Alfa konstruiert wurden, war das beileibe nicht die erste (und es wird wohl auch nicht die letzte sein). Immer wieder entstanden in Mailand-Portello, wo sich bis zur Übernahme durch Fiat der Unternehmenssitz befand, kühne und sportliche Konstruktionen und diesem Namen. Ein Typ, dem man seine flotten Fahrleistungen nicht auf Anhieb ansieht, ist dieser hier: Alfa Romeo Giulia.

82 PS bei 1 Tonne Leergewicht

Anders als bei den vielen windschnittigen Karosserien aus Italien wirkt die Giulia auf den ersten Blick behäbig. Doch das Design ist Windkanal-getrimmt und die Giulia damit beachtlich gut zu Fuß: Schon der kleine 1300er-Motor leistete bis zu 82 PS, das reicht für Tempo 160 – kein Wunder, wiegt das Fahrzeug doch nur knapp 1 Tonne. Auch die kleine Giulia aus Stuttgart, die bei mobile.de derzeit zum Verkauf steht, ist solch ein Leichtgewicht. Und eine echt italienische Schönheit: Das sandbeige Kleid ist noch original, ebenso die Leder-Ausstattung, und erst vor vier Jahren wurde sie eingebürgert. Ein deutscher Alfa-Fan entdeckte das Auto im Urlaub und verliebte sich auf Anhieb in sie. Aus Altersgründen verkaufte er den Wagen vor einem Jahr.

Der Viertürer (italienisch "Berlina") wurde aus Sizilien importiert – für Kenner ein gutes Zeichen, denn dann bestehen gute Chancen auf ein langes, glückliches Alfa-Leben. "Rost ist das größte Problem", bestätigt Alfa-Experte Jürgen Graumann, der seit Jahrzehnten Autos dieses Typs fährt und auch immer wieder repariert hat.

Privatrennen auf der Autobahn

Alfa bracht die Giulia 1962 auf den Markt. Sie trug den Namen vor allem, um sich von ihrer Vorgängerin Giulietta abzuheben; denn mit 4,18 Meter Länge überragte sie die erste Großserien-Limousine von Alfa um immerhin 19 Zentimeter. Die Formen entsprachen ganz dem Geschmack der Zeit: Mercedes leitete von den rundlichen Formen der Ponton-Limousine über zum W110, als Heckflosse bekannt, BMW brachte die als "neue Klasse" bezeichnete 1500er-Reihe heraus, die ebenfalls reichlich Ecken und Kanten hatte. Und mit BMW maß sich Alfa: "Ich habe mir als 22jähriger Mitte der 70er-Jahre im Alfa regelmäßig Rennen mit BMW auf der Autobahn geliefert", erinnert sich Jürgen Graumann. Für besondere Liebhaber (aber die mussten es sich leisten können) bot Alfa neben dem an sich schon recht flotten 1300er auch einen 1,6 Liter großen Motor an, der dank Doppelvergaser 98 PS leistete und bis auf 190 km/h beschleunigte. Als Giulia Super kam die Limousine 1965 mit gehobener Ausstattung auf den Markt. Ein Kuriosum blieb 1976, zwei Jahre vor Auslaufen des Modells, ein mit 50 PS eher schwächlicher Dieselmotor für die Giulia.

Giulia-Motoren vertragen hohe Drehzahlen

Im Vergleich zu einem sportlichen Coupé sind die Limousinen günstig. Aber wer sich ein solches Auto anschafft, sollte es nur in der schönsten Zeit des Jahres bewegen. "Die Motoren sind im Prinzip sehr solide und auch vollgasfest", sagt Alfa-Experte Jürgen Graumann. Anders verhält es sich mit der Karosserie. "Schweller, vordere Wagenheberaufnahmen und Radläufe mit Kniestock sind immer einen genaueren Blick wert", so Graumann. Auch um den Tank herum und in der Reserveradwanne fault es relativ schnell. Wichtiger als der Motor selbst, den man nur auf defekte Dichtungen inspizieren sollte, sind die Träger des Triebwerks rechts und links am Chassis: Zeigt sich hier Rost, "fällt der Wert des Wagens rapide". Grund: Um diese Oxidationsschäden zu beheben, müssen zuvor Motor, Achse und Getriebe ausgebaut werden. Auch Sandstrahlen und Schweißen sind so aufwändig, dass dadurch der Restwert des Fahrzeugs leicht überschritten werden kann. Ein wichtiger Check-Punkt ist auch das Heck der Giulia: "Es ist relativ weich, schon bei einem leichten Heckschaden treten Verformungen auf und die Spaltmaße stimmen nicht mehr", so Graumann.

Stimmt dagegen alles, sollte eine fair taxierte Giulia um 10.000 Euro kosten, schätzt der Experte. Gar nicht mal so viel für die Liebe des Lebens...

 

Die Inseratsliste

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